Faschingsumzug einmal wörtlich

Helga Proske ist Gründerin des Weiber-Komitees. Ohne "ihre Mädels", sagt sie, ginge aber gar nichts in der Nittenauer Weiberfasenacht.
Lokales
Nittenau
14.02.2015
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Mit dem "Münchener im Himmel" fing alles an, 1981 im Jugendheim St. Wolfgang. Das Weiber-Komitee ist seitdem Garant für herrliche Späße im Nittenauer Fasching und hat mit seinem Charme in diesem Jahr die Regental-Halle erobert.

Helga Proske atmet tief durch: "Wir haben das wieder gut hingekriegt." Um Viertel nach Fünf in der Früh ist sie am Freitag ins Bett gefallen, nach dem Höhepunkt für das Weiber-Komitee: "Unsinniger Donnerstag". "Ihre Mädels", wie Helga Proske (65) ihre achtköpfige Truppe nennt, haben aber nicht bis in die Puppen durchgefeiert. Die Regental-Halle, das neue Domizil des Weiberfaschings, musste nach der großen, ausverkauften Party ausgeräumt werden. Heute Abend ist Hofball der "Allotria", die Faschingsgesellschaft brauchte die Halle für den Aufbau. Faschingsumzug, das bedeutete für das Weiber-Komitee in diesem Jahr Umzug im Wortsinn: Vom Pirzer-Saal in die große Halle, auf eine neue Bühne, vor gut 400 statt etwa 200 Leuten. Das Komitee hat das gemeistert. Es war auch nicht das erste Mal.

Start im Jugendheim

"Los ging's im Jugendheim", erzählt Helga Proske. "Bei der ersten Weiberfasenacht spielten wir nur einen Sketch, den ,Münchner im Himmel'", erinnert sie sich an die Anfänge 1981. Der ehemalige Stadtkämmerer und Kolping-Verantwortliche Heribert Prantl hatte Proske dabei unterstützt, eine Faschingsparty nur für Damen auf die Beine zu stellen. Ein Erfolg von Anfang an: "Der Saal war voll", erinnert sich die 65-Jährige. Viele Gäste halten dem Komitee noch heute die Treue: "Ganze Tischreihen sind von Anfang an dabei." Es sei, erzählt Proske, damals nicht so einfach gewesen, eine Feier nur für Frauen anzuleiern. Die Männerwelt war wohl misstrauisch.

Mag sein, dass sich das gebessert hat, seit die Damen ihre Sketche bei "Generalproben" auch für die Herren zeigen. Letztere kommen zwar nicht immer gut weg, aber zu derbe Späße kommen für Helga Proske sowieso nicht in die Wundertüte Weiber-Komitee. Gespielte Witze, köstliche Parodien wie in diesem Jahr die "Amigos", kurze, überspitzte Geschichten aus dem "richtigen Leben": Darüber können alle lachen, und nicht einmal Männer fühlen sich auf den abgeschnittenen Schlips getreten.

17 Jahre Jugendheim, danach 17 Jahre im Pirzer-Saal. Die Weiberfasenacht wurde zur Institution, aus dem einen Sketch wurde ein abendfüllendes Programm. Nach wiederum 17 Jahren hieß es heuer wieder umziehen. In die Regental-Halle. An die große Bühne und das wachsende Publikum musste sich das Komitee auch erst gewöhnen. Aber: Die Damen haben bei ihren Sketchen so viel Spaß auf der Bühne, dass der Funke einfach überspringen muss. Das zeigt auch die Sonderseite in dieser Ausgabe.

Lange Vorbereitung

Hinter dem Spaß an diesmal drei Abenden steckt viel Arbeit. "Nach dem Fasching ist vor dem Fasching", erzählt Proske. Bis Ende März steht das neue Programm weitgehend. "Über den Sommer steht keinem der Kopf nach Fasenacht. Und außerdem haben alle Familie." Einige der Mädels haben über die Jahre auch Babypausen eingelegt, kamen wieder. Es ist eben eine eingeschworene Gemeinschaft, die auch über schwere Stunden hinweghilft wie beim Tod von Helga Proskes Ehemann oder dem Unglück von Burkhard von der Osten vor wenigen Tagen. Tochter Rebekka von der Osten war trotzdem (weitgehend) dabei. Ihr Vater, sagte sie zum Komitee, hätte das sicher so gewollt. Auch der Götzer Max mit seiner Quetschn hat in diesem Jahr gefehlt. Das Komitee war vor dem Fasching an seinem Grab. Auch das, sagt Proske, gehöre dazu wie ein gemeinsamer Gottesdienst.

Das Komitee bereichert am Sonntag den Nittenauer Faschingszug, dann ist Schluss bis zum 11.11. Proben, schneidern, ein ganzes Team hilft mit bei den Vorbereitungen. Und bastelt wieder einen Orden für das kommende Jahr. Die Form passt ganz wunderbar zu dieser Truppe. Der Orden ist ein großes Herz.
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