Faszinierende Barock-Klänge

Verena Kronseder, Frank Wittich und Johanna Weighart (von links) überzeugten bei einem außergewöhnlichen Konzert. Bild: tie
Lokales
Nittenau
23.06.2015
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Die neunten Hofer Konzerte feierten den ersten Musikabend als "Soirée auf Schloss Eszterhazy" mit dem "Sperger-Trio". Schauplatz war die Burgkapelle in Hof am Regen. Die Besucher genossen ein seltenes Musikerlebnis.

Damals, im Barock, waren die Instrumente, die das "Sperger-Trio" bei seinem Auftritt innerhalb der Hofer Konzerte verwendete, üblich. Heute genießen sie höchsten Seltenheitswert. So lernt man in Hof am Regen nicht nur Werke kennen, die heutzutage äußerst selten gespielt werden, sondern auch Instrumente, deren Verwendung nach dem Barockzeitalter unüblich wurden.

Eigenes Klanggefüge

Diese Instrumente waren schwer zu erlernen und sind schwer zu bedienen. Die Werke dafür stehen deshalb eher auf der Entdeckerseite, als dass sie einen festen Platz im Repertoire klassischer Musik einnehmen. Ein echtes Baryton mit insgesamt 17 Saiten, von denen etwa die Hälfte der Resonanz dient, sieht man kaum jemals. Noch seltener kommt man in den Genuss des sonoren eigenen Klanggefüges, das dieses Instrument aufweist. Wenn es aber so kunstvoll vorgeführt wird, wie es Verena Kronseder tat, dann ist das Hörerlebnis vollkommen. Gleichwertiges erlebt man durch die Viola d'Amore von Johanna Weighart. Neben ihrem Spiel auf der normalen Bratsche beherrscht sie nämlich diese Sonderform mit sieben Saiten und etlichen Resonanzsaiten, die den Klang zusätzlich verstärken. Horst Goldfuß aus Regensburg hat das Instrument 1979 nach alten Vorbildern gebaut.

Auch das Bassinstrument wies Besonderheiten auf. Der 1770 gebaute "Wiener Kontrabass", den Frank Wittich spielte, ist fünfsaitig, hat spezielle Wirbel, einen flachen Boden und ist in Terzen und Quarten gestimmt. Dass dabei im Zusammenspiel andere Tongebilde entstehen als jene, die man gewöhnlich hört, ist nach alledem verständlich. So begann das 25. Konzert in Hof am Regen in genau dem Sound, wie er auf dem Schloss damals gehört wurde als "Soirée auf Schloss Eszterházy", das heißt als Abendgesellschaft mit beschwingter Musik.

Virtuose Passagen

Das "Divertimento G - Dur" Hob XI/111 von Joseph Hayhn begann den musikalischen Reigen. Das Baryton eröffnete die Melodienfolge, die Viola setzte fort. Beide Instrumente wechselten sich in der Melodieführung ab, dazwischen hatte auch der Kontrabass seine Solostelle. Dass exakt und virtuos musiziert wurde - es gab nämlich in der damaligen Unterhaltungsmusik durchaus technische Anforderungen - war selbstverständlich. Die neue Klangmischung faszinierte darüberhinaus in allen Sätzen, ob langsam oder schnell. Vom Namensgeber des Trios, Johannes Matthias Sperger, folgte das "Duetto D-Dur". Es enthält etliche virtuose Passagen für die Viola d'Amore wie für den Kontrabass, ohne auf die Melodie zu verzichten. Man konnte sich den Tonumfang eines Kontrabasses vorstellen, wenn der Bassist vornübergebeugt seine Finger am unteren Ende des Griffbretts bewegte. Dabei unterlief ihm nie ein Fehler, auch weil die Viola d'Amore-Spielerin plötzlich zu ihm rüberkam und seine Noten umblätterte. Er tat sich eben schwer mit seinem riesigen Instrument, das auch noch fristgerecht zu schaffen. Warum dieser Komponist völlig vergessen ist, versteht man nicht. Nach der Pause umgaben zwei Divertimenti von Haydn, das in C-Dur Hob XI/82 und das in D-Dur Hob XI/113, die das gesamte Trio spielfreudig gestaltete, die "Sonata C-Dur" für Baryton und Bass von Andreas Lidl. Sie bot dem Baryton von Verena Kronseder jede Menge solistischer Einlagen in allen drei Sätzen und Frank Wittich genaueste Begleitung.

Als Zugabe erklang ein "Presto assai" aus einem weiteren Divertimento. Wenn man bedenkt, dass der Fürst zur Abendmusik immer etwas Neues hören wollte, wird begreiflich, wie fleißig Haydn sein musste, um den Ansprüchen seines Fürsten zu genügen. Wie schön, dass es heute Ensembles gibt, die diese gefälligen und doch qualitativ hochwertigen Musikstücke wieder zu Gehör bringen.
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