Heute kann sie keiner mehr schlagen - Ausstellung zu Kriegs- und Nachkriegsjahren im Stadtmuseum
Als die Marschtrommel faszinierte

Gegenstände verschiedenster Art zum Nachkriegsdeutschland sind zu sehen. Das Museum ist auch an schriftlichen Kindheitserinnerungen interessiert.
Lokales
Nittenau
04.05.2015
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(ggö) "Es sind schmerzvolle, aber auch schöne Erinnerungen", betonte Museumsleiterin Carolin Schmuck bei der Eröffnung der Ausstellung "Kindheit und Jugend in der Kriegs- und Nachkriegszeit" im Stadtmuseum am Mittwochabend. Bürgermeister Karl Bley hofft, damit den Blick der Kinder für jene Zeit zu schärfen. Bis zum 4. Oktober sind interessante Exponate und "Kleinigkeiten" die vielfach aus der Stadt und Region zusammen getragen wurden. Stellvertretender Landrat Jakob Scharf erinnerte sich noch sehr gut, dass er manches ausgestellte Spielzeug damals nutzte. Der Alltag vor rund 70 Jahren ist den Kindern heute fast so fern wie das Mittelalter. Die Mithilfe der Kleinen in Haushalt war nicht nur erwünscht, sondern oft unverzichtbar. Zwölf- oder 13-Jährige wurden bereits nach einigen Jahren Unterricht in ein Lehr- oder Arbeitsverhältnis entlassen. Höhere Schulbildung blieb meist den bürgerlichen Kreisen vorbehalten, weil es mit Kosten und Aufwand verbunden war. Kaum der Kindheit entwachsen, sollten manche sogar noch helfen, eine siegreiche Wendung im Kriegsgeschehen zu erzwingen. So beschreibt ein Faltblatt die Ausstellung sehr bildhaft.

Feines Gespür

Professorin Dr. Isabella von Treskow, Lehrstuhlinhaberin am Institut für Romanistik in Regensburg, führte in die Ausstellung ein. Ihre spannenden Ausführungen über die Sichtweise von Kindern auf die erlebte Geschichte zogen die vielen Besucher in ihren Bann. "Kinder haben in ihrer Erinnerung eine 'nähere Beziehung' und dies spiegelt sich auch in ihren Erzählungen", erläuterte sie. Obwohl sie nicht immer alles verstünden, hätten sie ein sehr feines indirektes Gespür zur Einschätzung von Situationen, würden aber oft überhört.

Kinderworte

Die Ausstellung geht den Lebenswirklichkeiten der Kinder nach, begleitet von authentischen Aussagen. Vor und auch während der Ausstellung kamen und kommen die Kinder von damals zu Wort. Carolin Schmuck bat die Gäste, sich selbst mit Erinnerungen, gerne auch aufgeschrieben und, wenn gewünscht, anonym, einzubringen. Ein eigens erarbeiteter Kinderkatalog soll helfen einzelne wichtige ausgestellte Gegenstände mit zeitgeschichtlichem Kontext leicht verständlich zu erklären.

Ohne Musik

Dass die musikalische Unterhaltung entfiel, liege daran, so Carolin Schmuck, dass sie niemanden finden konnte, der eine Marschtrommel spiele. Dies hielt sie für das geeignetste Mittel um eine Ahnung zu vermitteln, welche Faszination dieses Instrument auf die Kinder von damals ausübte.
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