Keine Gnade mit den Panschern

Franz Joseph Vohburger (von rechts) erzählte Geschichten aus dem Regental, "Ulrich der Starke" und "Bernd von Ammenberg" sorgten für die passende Musik in der Burg Hof am Regen. Bild: tie
Lokales
Nittenau
19.08.2015
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Wenn schon Geschichten über Burgen, dann in Hof am Regen: Zum 50-jährigen Bestehen des Naturparks "Vorderer Bayerischer Wald" erzählte Kastellan Franz Joseph Vohburger aus seinem reichen Sagenschatz.

"Romantische Balladen, Geschichten und Sagen des Regentals" waren als Hommage an den Naturpark angekündigt, und Franz Joseph Vohburger tat alles, um sie kurzweilig den erschienenen Gästen in der Burgkapelle zu vermitteln. Die musikalische Umrahmung dazu präsentierte Bernd von Ammenberg, wie er Amberg ungezwungen benannte. Er spielte gekonnt die Drehleier. Zu ihm gesellte sich am Freitag Ulrich der Starke, der trotz seines Nachnamens eher die feineren Töne auf seiner Laute zelebrierte.

Zunächst aber begrüßte Bürgermeister Karl Bley die Anwesenden und freute sich über die Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Naturparkvereins. Und wenn es schon um Burgen geht - in einem echten Kleinod finde die Feier schließlich statt - dann ist der Ort nach Bleys Meinung richtig gewählt. Immerhin ist die Burg Hof am Regen im 12. Jahrhundert erbaut und die Malereien in der Burgkapelle, die unter 14 Putzschichten freigelegt wurden, sind etwa um 1410 entstanden. Sie ist nur eine von rund 20 Burgen in der Gegend.

Nach dem ersten Stück der "Spielleute von Ammenberg" begann Franz Joseph Vohburger seine Burgengeschichten, die etliche Eigenarten des Bayerwaldes widerspiegeln . Laut seiner Einschätzung machen im Regental bei Nittenau "selbst die Geister ihren Urlaub". Burg Stockenfels wird immerhin mit 72 Sagen zu seiner Geschichte beglückt. Eine davon beschäftigt sich mit Menschen, die "das drittschlimmste Verbrechen in Bayern begangen haben, nämlich Wasser ins Bier zu schütten".

Auch Geschichten um eine interessante Frau dürfen nicht fehlen. So heißt es von der schönen Irmingard: "Ihr Küssen bringt Verderben/Und man stirbt in drei Tagen dann". Musikalisch schloss sich passend ein ernstes mittelhochdeutsches Lied an. Vohburger setzte in verständlichem Oberpfälzisch fort und widmete sich nun der Burg Stefling. Hierbei fiel der "Steflinger Hexengesang " auf, in dem formuliert wurde: "Im Neimond aaf Schloss Stefling/Kumma zam". Dass sich Männer vor solchen Wesen in Acht nehmen müssen, wurde schnell klar. Nicht weil sie Oberpfälzer Dialekt reden, sondern wegen alldem, was dann bei Neumond geschieht. Dann kam auch noch die Burg Hof am Regen dran, denn das Geschlecht der Hofer war im Mittelalter bedeutsam.

Mädchen wurden mit 12 oder 13 Jahren verheiratet, damit sie wegen der hohen Kindersterblichkeit genügend Nachwuchs produzierten. Die Familie war allmählich weit verzweigt. Die Hofer zu Lobenstein leben heute in Baden- Württemberg. Das Gebet einer Jungfrau, die sich einen geeigneten Mann wünscht, beendete das Programm. Die Zugabe wies dann auf das Gegenteil von Jungfräulichkeit hin. Ein Programm also - voll aus dem Leben gegriffen!
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