Kleine Stücke, große Aussagen

Stefan Grasse und Tess Remy-Schumacher überzeugten in der Hofer Burgkapelle mit ihrem bemerkenswerten Repertoire. Bild: tie
Lokales
Nittenau
01.07.2015
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Das erwartungsvolle Publikum füllte die Burgkapelle bis auf den letzten Platz. "Musikalische Kostbarkeiten" standen auf dem Programm. Und die wurden den Besuchern geboten.

Das Duo Stefan Grasse (Gitarre) und Tess Remy-Schumacher (Violoncello) gastierte im Zuge der neunten Hofer Konzerte. Als erstes Werk erklang das "Duetto No. 1" von Johann Paul Schiffelholtz, einem Barock-Komponisten aus Eichstätt. Ein feuriger 1. Satz, melodiereich für beide Instrumente, geprägt von abwechselnder Stimmführung und Begleitung. Der langsame Satz verfuhr ähnlich. Beide Instrumente waren auch im Menuett gleichberechtigt.

Gruß von Chaplin

Das große Können der Interpreten zeigte sich darin, dass niemand sich in den Vordergrund drängte, vielmehr kam der schöne gemeinsame Klang dadurch zustande, dass die Tätigkeit des einen jeweils Berücksichtigung in der Klangentfaltung des anderen fand. Das "Präludium" aus der "Suite für Violoncello solo Nr. 2 d- moll" BWV 1008 von Johann Sebastian Bach folgte. Die Cellistin gestaltete mit vollem Ton überzeugend die Aussagen dieses Musikstücks. Die "Polonoise" aus der "Serenade" op 84 des unbekannten Klassikers Leonhard von Call setzte das Programm fort. Sie erwies sich als unendliche große Cello-Melodie, exakt begleitet von der Gitarre. Gleichermaßen emphatisch erklang das "Premier Nocturne" von Friedrich Burgmüller. Anschließend zwei Cello-Offenbarungen von Liedern des berühmten Charles Chaplin: "Oh! That Cello!" und "Park Avenue Waltz" wurden gespielt, als seien sie für die vortragenden Instrumente komponiert.

Und so ging es weiter. Zuerst drei Stücke für Gitarre solo: "Adelita" von Francisco Tárrega, das "4. Prélude" aus op 28 von Frédéric Chopin und ein eigenes Werk des Gitarristen, "Valse pour Julia", ein wiegender Walzer mit Schlusskadenz. Dann wieder beide Künstler zusammen mit der "Romanza Andaluza" op 22 von Pablo de Sarasate, deren Melodie nicht nur auf der Geige fetzig klingt.

Nach der Pause gab es zunächst zwei weitere Lieder von Charles Chaplin: "Bombay" und "There's always one, you can't forget". Sie erklangen gesanglich auf dem Cello, akkordlich unterstützt von der Gitarre. Dann kamen Werke von Komponisten des Impressionismus zum Zuge. Zunächst "Après un reve" von Gabriel Fauré, das wirklich vom Cello so interpretiert wurde, als würde jemand in Erinnerung an einen schönen Traum schwelgen. Dann "Le petit nègre" von Claude Debussy, ein schnelles Musikstück voller Lebensfreude. Und schließlich "Pièce en forme de habanera" von Maurice Ravel, ein spanischer Tanz.

Drei jüdische Lieder schlossen sich stimmungsvoll an: "Schir lelo milim", "Dem milnets trem" und "Papirossen" berührten zutiefst. Zum Abschluss nochmals Charles Chaplin: Sowohl "Smile" als auch "A Countess from Hongkong" wurden intensiv in ihrer klangvollen Melodie dargeboten. Als Zugaben ertönten von Joaquin Nin "Canto Andaluz", ferner der berühmte "Tango" von Astor Piazzolla und schließlich die "Cantilena" aus den "Bachianas Brasileiras" Nr. 5 von Heitor Villa-Lbos. So wie die beiden Musiker all dies interpretierten, wurde klar: Auch kleine Musikstücke können große Kostbarkeiten sein.
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