Letzte Ruhe unter Bäumen

Bestattermeister Wilfried Lang zeigte auf, wie eine Beerdigung im Naturfriedhof abläuft. Bild: sir
Lokales
Nittenau
02.08.2015
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Alternative Bestattungsformen liegen im Trend. Die Stadt Nittenau griff diesen auf und bietet Bestattungen in einem Naturfriedhof an. Bei der Segnung der im Landkreis einmaligen Anlage gab es Lob, aber auch kritische Anmerkungen fehlten nicht.

Es bedurfte gut zweier Jahre Vorbereitungszeit und der Planung, bis am Donnerstagnachmittag der Naturfriedhof den kirchlichen Segen von den beiden Geistlichen Adolf Schöls und Reiner Eppelein erhalten konnte. Bürgermeister Karl Bley hieß die Bürger von Stefling und der näheren Umgebung willkommen. Auch viele Ehrengäste, unter ihnen stellvertretender Landrat Jakob Scharf, Altlandrat und Bezirksrat Volker Liedtke und Stadtratsmitglieder waren gekommen. Nach der Segnung standen als Ansprechpartner zu Fragen über den Naturfriedhof Jürgen Kölbl, Geschäftsführer der "Schlosswald GmbH", Ferdinand Graf von Drechsel und sein Sohn Carl, sowie Bestatter Wilfried Lang für Fragen zur Verfügung.

Schilder weisen den Weg zum Naturfriedhof im Regental, oberhalb vom Schloss Stefling am Birkenberg gelegen. Auf dem Verabschiedungsplatz, den ein riesiges Holzkreuz dominiert, wurde die Feier durch Rainer Blommer an der Posaune und seine Frau Eva am Bass umrahmt. Bürgermeister Karl Bley sagte, dass die Nachfrage nach Bestattungen auf einem Naturfriedhof steige. Das Stadtoberhaupt machte auf das herrliche Stück Natur ringsum aufmerksam. "Wir alle stehen mitten im Leben, wissen aber, dass der Tod unser Begleiter ist", so Bley.

Im Umbruch

Die Friedhofskultur sei im Umbruch. Erdbestattungen werden seltener. Den Grund für den Wechsel der Gebräuche sah Bley darin, dass die Angehörigen ihren Wohnsitz nicht mehr vor Ort haben oder körperlich zur Pflege des Grabes nicht mehr in der Lage seien. Das Projekt "Naturfriedhof" sei im Landkreis Neuland.

Bley verhehlte nicht, dass am Anfang Skepsis in der Bevölkerung und im Stadtrat bestanden habe. 343 Unterschriften seien gegen dieses Projekt gesammelt worden. Am 24. Februar 2015 habe der Stadtrat mit 17 zu 3 Stimmen die Planung beschlossen. Nun sei die Möglichkeit einer Bestattung unter einem Baum oder einem Felsen geschaffen haben. "Ich hoffe", so Bley, "dass das ein Ort der Würde, des Trauerns und des Besinnens ist."

Stellvertretender Landrat Jakob Scharf meinte, dass es für einen Großteil der Anwesenden überhaupt die erste Einweihung eines Friedhofs sei, erst recht eines Naturfriedhofes. Waldfriedhöfe gebe es im Landkreis Schwandorf einige, einen Naturfriedhof jedoch nicht. Er dankte der Stadt und der gräflichen Familie. Der Naturfriedhof sei eine Bereicherung für den Landkreis. Er sei ein Zeichen der Toleranz über den Tod hinaus, für alle Gläubigen, aber auch für diejenigen, die keiner Religion angehören.

Trost am Grab

Pfarrer Adolf Schöls nahm Bezug auf die Häufung der Kirchenaustritte. Als Grund dafür sah er, dass der Glaube schwinde. Hier habe man sich vor einem Kreuz versammelt, das Zeichen dafür, dass das Leben nicht mit dem Tode ende. Der Glaube an die Auferstehung sei die Botschaft, die Mut mache. Der Gedanke "du lebst weiter" sei Trost am Grab.

Geschäftsführer Jürgen Kölbl dankte dem Schlosswald-Team. Der plötzliche Tod des Vaters und dessen unerfüllbarer Wunsch, im Wald bestattet zu werden, hätten ihn zur Planung bewogen. 22 Hektar misst der Friedhof im Schlosswald. Erinnerungstafeln, geschaffen von den beiden Künstlern Jutta und Jörg Kulow, können nach individuellem Wunsch hergestellt werden.

Bestattermeister Wilfried Lang, zuständig für die Bestattungen im Schlosswald, wies auf die Besonderheiten hin. So erfolge die GPS-genaue Einmessung der Gräber. Die Urnen werden aus Holz hergestellt. Bei einem Rundgang durch den Friedhof stellte er den Ablauf einer eine Beisetzung nach.

Ferdinand Graf von Drechsel dankte für die kirchliche Segnung und allen an der Planung Beteiligten. Pfarrer Reiner Eppelein sagte, dass das Erinnern dazugehöre. Auch er wies auf die christliche Erwartung der Auferstehung hin. Ein Friedhof müsse öffentlich zugänglich sein. Mittlerweile könne zwischen 20 verschiedenen Formen der Bestattung gewählt werden, ob diese immer mit dem Glauben an die Auferstehung vereinbar seien, das sei fraglich.

Bremen sei das erste Bundesland, das die Pflicht der Friedhofsbestattung abgeschafft habe. Eppelein erzählte von seinem verstorbenen Bruder. Dessen Asche sei verstreut worden. Noch heute leide er darunter, dass es keine Erinnerungsstätte gebe, an der er trauern könne, sagte Eppelein. Im Anschluss an den offiziellen Teil bestand Gelegenheit, den Friedhof zu besichtigen, in dem bereits fünf Bestattungen stattgefunden haben.
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