Letzte Station nach langer Reise

Bürgermeister Karl Bley (Zweiter von rechts), der Vorsitzende des Vereins bovaria, Franz Grundler (Zweiter von links) und stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl (links) eröffneten die Ausstellung im Rathaus. Eine endgültige Heimat findet die Ausstellung im Schwarzachtalmuseum Neunburg bei dessen Leiter Theo Männer (rechts). Bilder: sir (2)
Lokales
Nittenau
09.03.2015
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"Auf den Spuren der Hussiten" können Gäste im Foyer des Rathauses wandeln. Eröffnet wurde die deutsch-tschechische Sonderausstellung am Donnerstagabend im Beisein zahlreicher Ehrengäste. Im Fokus steht der böhmische Reformator Jan Hus.

Heuer jährt sich sein Tod auf dem Scheiterhaufen zum 600. Mal. Franz Grundler hat diese Ausstellung konzipiert. Im Jahr 2008 wurde der Verein "bovaria" Nabburg ins Leben gerufen, zusammen mit dem Hussitenverein in Tabor wurde das Projekt gestartet. Finanziell gefördert worden sei das Projekt durch die EU, der Euregio und dem deutsch-tschechischen Zukunftsfonds, erläuterte Grundler.

Erstmals gezeigt wurde die Wanderausstellung im Jahr 2009. Mit Nittenau nun wurde die 30. und vorerst letzte Station erreicht. Ihre Heimat wird sie anschließend künftig in Neunburg im Schwarzachtalmuseum finden. Dessen Leiter, Theo Männer, war bei der Eröffnung in Nittenau zugegen, ebenso wie die weiteren Museumsleiter aus der Umgebung, die Nittenauer Museumsleiterin Carolin Schmuck, Bürgermeister Karl Bley, vom Touristikbüro Hermann Riedl sowie stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl. Zirka 10 000 Besucher habe die Ausstellung bislang angezogen. Auf ihrer Wanderung habe sie als nördlichsten Punkt Frankfurt an der Oder erreicht, der südlichste lag in München, der östlichste im tschechischen Tabor, der westlichste in Bad Windsheim.

Festspiele als Echo

Sie beleuchtet nicht nur die Hussitenzeit und das Leben des Jan Hus, sondern auch die Werke, die daraus entstanden sind. Ins Auge stechen die vielen Schautafeln, die eine Vielzahl an Informationen zum Lesen bieten, zum größten Teil mit Bildmaterial versehen. Doch auch per Film und Animationen kann sich der interessierte Besucher mit der Historie auseinandersetzen. Entstanden sind verschiedene Festspiele in der Region, wie "Der Hussenkrieg" in Neunburg, der Further Drachenstich, in Bärnau "Am Weg ins Feuer" und das Kirschfest in Naumburg. Und sogar eine "Opera Jan Hus" aus der Feder von Widmar Hader ist in Auszügen zu hören.

Bürgermeister Karl Bley beleuchtete in seiner Ansprache den Weg von Jan Hus, der seine letzte Reise zum Konstanzer Konzil 1414/15 angetreten hatte. Hus hatte den Verkauf von Kirchenämtern, den Ablasshandel und die Verehrung von Reliquien angeprangert. Er habe den kirchlichen Feudalismus, den Großgrundbesitz der Kirchenfürsten und den Zölibat als biblisch nicht vorgegeben abgelehnt. "Jan Hus wollte eine arme Kirche und kritisierte die verkommene Geistlichkeit", sagte Bley. Hus' revolutionäre Gedanken hatten die damaligen Kirchenfürsten und Machthaber als Bedrohung empfunden und ihn schließlich am 6. Juli 1415 auf den Scheiterhaufen geschickt.

Bley dankte Franz Grundler für dessen Engagement, das heimatgeschichtliche Erbe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Camilla Schneider spielte Lieder auf der Drehleier und sang dazu. Stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl sagte, die Ausstellung diene auch dazu, das Verständnis für unsere Nachbarn neu zu ordnen und auszurichten. Die Kontakte seit der Grenzöffnung 1989 seien gewachsen. Auch Nittenau unterhalte eine Partnerschaft mit der tschechischen Stadt Prestice. Es sei wichtig, so der Sprecher, dass man sich gegenseitig verstehe und austausche. Kimmerl schlug einen Bogen in die Gegenwart. In Syrien sei vor ein paar Wochen ein Pilot auf die gleiche schreckliche Weise auf dem Scheiterhaufen ermordet worden.

Bis zum 9. April

Franz Grundler schilderte das Leben von Jan Hus. Bei einem Rundgang brachte er den Besuchern die Ausstellung näher. Bis zum 9. April haben Interessierte während der Öffnungszeiten des Rathauses die Gelegenheit die Ausstellung zu erkunden.
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