Mit Feuer und Verve

Professor Kurt Seibert ist eine Bereicherung für das Nittenauer Kulturleben. Er informiert über die Werke und spielt sie anschließend mit Hingabe. Bild: tie
Lokales
Nittenau
10.08.2015
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Das Besondere an den vier Veranstaltungen unter dem Thema "Ludwig van Beethoven Klaviersonaten" ist die Tatsache, dass der Interpret der ausgewählten Sonaten, Prof. Kurt Seibert, kenntnisreiche Informationen über die Werke vermittelte, bevor er sie vortrug.

Im Rathausfoyer fand das 3. Gesprächskonzert über Ludwig van Beethovens Klaviersonaten statt. Das Programm startete mit der Klaviersonate As -Dur op 26. Das ist die mit dem berühmten Trauermarsch. Dieser wurde sogar, wie Seibert erläuterte, bei Beethovens Beerdigung in Orchesterfassung gespielt. Die 1801 geschriebene Sonate beginnt mit einem Variationssatz. Das kam bislang nicht allzu häufig vor. Berühmtes weiteres Beispiel ist Mozarts Klaviersonate A-Dur KV 331.

Und wie bei Veränderungen üblich, gibt es ebenso lyrische wie rastlos vorwärts treibende Ausprägungen eines Themas, eine davon auch in Moll. Seibert gab jeder ihren passenden Gehalt. Dem Menuett vermittelte Kurt Seibert einen Tiefsinn, der die tänzerische Urform weit überschritt. Der folgende Trauermarsch in As- Moll ist das Kernstück des Werks. Seibert beeindruckte mit dem eisernen Rhythmus, der das Unabänderliche der Situation in der angemessenen Spielweise darstellte. Das Finale zieht im Kontrast zu der vorherigen Stimmung in höchst lebhafter Unruhe vorüber, als wenn er aussagen wollte: "Kehrt ins Leben zurück!"

Nach der Pause ein hochromantisches Stück, das man damals von Beethoven gar nicht erwartete, das ihn aber bis heute weltberühmt macht: Die Klaviersonate "quasi una fantasia" Cis-Moll op 27/2, die "Mondscheinsonate". Die gesamte Tonfolge lang bringt der erste Satz unter der passenden Überschrift "Adagio sostenuto" gemäß Beethovens Vorschrift "delicatissimamente" eine wunderbar harmonische und beruhigende Stimmung, die nie verlassen wird. Kurt Seibert hielt sie gekonnt durch.

Von leichter Melancholie ist das folgende Menuett geprägt, leicht aufgemuntert im Trio. Den denkbar stärksten Kontrast zum Anfang stellt der ungestüm und ungebremst vorüberjagende Schlusssatz dar. Wenn man im Bild bleibt, so ist der Beginn eine ruhige Nacht im Mondschein. Dann kann das Finale aber nur ein wahnsinniges Gewitter in der Nacht darstellen - jedenfalls in der Spielweise Kurt Seiberts.

Sein Einsatz für das Kulturleben in Nittenau ist höchst anerkennenswert. Er regt an und äußert immer wieder interessante Ideen für musikalische Veranstaltungen. Zusätzlich vermittelt er nicht nur wissenswerte Kenntnisse über die Werke, sondern interpretiert sie auch mit Feuer und Verve. Die Veranstaltungen hätten durchaus mehr Zuhörer verdient
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