Neues Pflege-Gesetz im Blick

Pflegeberater Michael Falkenstein referierte umfassend über neue gesetzliche Richtlinien bei der Pflege von Angehörigen. Bild: sir
Lokales
Nittenau
05.10.2015
14
0

Es ist ein Gedenktag, der kaum ins Bewusstsein dringt: Am 1. Oktober ist der "Internationale Tag des Alters". Mit fortschreitenden Lebensjahren nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, Pflege zu benötigen. Michael Falkenstein ging bei einem Vortrag auf gesetzliche Regelungen dazu ein.

Nicht selten geschieht es plötzlich, dass ein Angehöriger pflegebedürftig wird. Im Seniorenzentrum "Passauer Wolf" gab es Tipps, was dann im Einzelnen zu tun ist. Antonia Henkel, therapeutische Leiterin im Reha-Zentrum, hieß neben dem Referenten die interessierten Gäste willkommen - unter ihnen viele, die bereits Pflege in Anspruch nehmen. Michael Falkenstein, Pflegeberater der "AOK" erklärte das "Gesetz zu besseren Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf", das seit 1. Januar dieses Jahres gilt.

Vollmacht wichtig

Die Familienpflegezeit sei ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine Familienarbeitszeit. Deutlich wurde in seinen Ausführungen, dass Pflege aber nicht nur eine Sache des Alters sei, sondern auch bereits beim Kind anfange. Bei der Familienpflegezeit bestehe ein Rechtsanspruch selber sowie auch Kündigungsschutz während dieser Zeit. Bis zu zehn Arbeitstage gelten als kurzzeitige Arbeitsverhinderung, für den Akutfall mit Lohnersatzleistung.

Angehörige können bis zu sechs Monate Pflegezeit inklusive dreier Monate Begleitung in der letzten Lebensphase Arbeitnehmer beanspruchen, unterstützt durch zinslose Darlehen. Schutz bestehe auch für bis zu 24 Monaten Familienpflegzeit. Zudem sei der Begriff "nahe Angehörige" erweitert worden auf Stiefeltern, Schwägerinnen und Lebenspartner. Die Familienpflegezeit gelte unabhängig von einer Pflegestufe, erläuterte Falkenstein. Den Antrag bei der Pflegekasse stelle der Pflegebedürftige selber. Der Sprecher riet daher zu einer Vorsorgevollmacht, die rechtzeitig erstellt werden solle.

Pflegestufe beantragen

Auch ging der Referent auf die Beantragung einer Pflegestufe ein. So werde ein Gutachten erstellt, durch den medizinischen Dienst der Krankenkasse. Wenn keine Pflegestufe festgelegt worden sei, könne Widerspruch eingelegt werden, insgesamt zwei Mal. Dann werde der Antrag erneut geprüft. Kriterien hierfür seien beispielsweise die Körperpflege, die Ernährung und Mobilität sowie die hauswirtschaftliche Versorgung.

Neben den Pflegezeiten werde unterschieden zwischen voller, teilweiser Unterstützung, voller Übernahme, der Beaufsichtigung oder der Anleitung. Als Beispiele nannte der Fachmann das selbstständige Zähneputzen, zu dem der Pflegebedürftige durchaus noch in der Lage ist. Bedacht werde aber nicht, dass er die Zahnpastatube selber nicht mehr aufschrauben könne und hier Hilfe benötige. "Ganz Alltägliches wird vergessen", so Falkenstein.

Ab 2017 solle es fünf Pflegegrade geben, das Gesetz dazu sei aber noch nicht beschlossen. Dann sollen leichte körperliche und geistige Beeinträchtigungen berücksichtigt werden. Pflegesachleistungen, Pflegegeld und die Kombination dieser Leistungen, dies alles diene dazu, die häusliche Pflege zu erleichtern. Michael Falkenstein zeigte auch Möglichkeiten der stationären Pflege auf und gab Erläuterungen zum Pflegestärkungsgesetz.

Während der Pause nutzten die Besucher die Möglichkeit, sich an den Infoständen Rat zu holen zu "Hilfsmitteln für den Alltag". Danach erläuterten Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes im Reha-Zentrum Nittenau, Dipl.-Sozialpädagogin Regina Pöschl und Barbara Weishäupl, die schriftliche Vorsorge im Alter per Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.