Parkinson im Fokus

Professor Dr. Thomas Henze, ärztlicher Direktor am Reha-Zentrum Nittenau, sprach über die Behandlung von Schlafstörungen, Depression und Halluzinationen. Carolin Biedermann, Leitung Physiotherapie in Bad Gögging, erläuterte verschiedene Reha-Konzepte. Bild: sir
Lokales
Nittenau
17.10.2015
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Beim 19. Oberpfälzer Parkinson-Informationstag wurden Betroffene und Interessierte umfassend über neue Therapiemöglichkeiten aufgeklärt. Die Referenten nahmen sich im Reha-Zentrum zudem viel Zeit um die Fragen der Besucher zu beantworten.

Es war die 19. Veranstaltung dieser Art. Das Jubiläum im nächsten Jahr wird über die Bühne gehen. Das steht jetzt schon fest - nur nicht in Nittenau. "Sondern in Bad Gögging. Beide Reha-Zentren gehören zur Gruppe der Passauer Wolf. Parkinson wird aber weiterhin auch in Nittenau therapiert", erklärte Professor Thomas Henze, ärztlicher Direktor in Nittenau.

Stürze oft lebensgefährlich

Aus Bad Gögging war Dr. Tobias Wächter als Referent zu Gast. Die Sturzbehandlung sei sehr schwierig zu behandeln, berichtete der Chefarzt der Neurologie. "Wir wissen, wo Parkinson entsteht, aber woher die Stürze rühren, wissen wir nicht." Zwei Drittel der Patienten stürzten mehrmals im Jahr. Das sind doppelt so viele wie ältere Vergleichspatienten. Ursachen für die Stürze beruhten auf einer Gleichgewichtsstörung oder einer posturalen Instabilität, Schwäche, Kleinschrittigkeit, Rigor, Angst, Schwindel und Sehstörungen. Das ist nicht ungefährlich. Denn Stürze sind die fünfthäufigste Todesursache. Die Kosten liegen bei zirka einer Milliarde Euro pro Jahr in Deutschland.

Wächter sprach über Bewegungstrainings, Tai Chi und Tanz sowie über das extra für Parkinson-Patienten entwickelte "Lee Silverman Voice"-Training. Gezielt werden so körperliche und kognitive Funktionen gefördert, damit die Betroffenen wieder rasch und mit Freude am gewohnten Leben teilnehmen können. Professor Thomas Henze sagte, auch gegen das sogenannte Freezing, bei dem die Betroffenen schildern, dass ihre Bewegungen "plötzlich einfrieren", gebe es therapeutische Möglichkeiten. Außerdem erläuterte Carolin Biedermann, stellvertretende Leiterin der Physiotherapie in Bad Gögging, anerkannte Therapien, die bereits präventiv ab der Diagnose angewandt werden. Unabhängig davon seien die Übungen auch bei bereits ausgeprägten Störungen sehr effektiv, verriet sie. Ausführlich erläuterte sie das BIG-Programm.

Tipps für besseren Schlaf

Parkinson bewirke negative Begleiterscheinungen, über die man nicht gerne spricht und die nicht unbedingt sofort mit der Erkrankung in Zusammenhang gebracht werden, sagte Henze. Schlafstörungen, Depression und Halluzinationen zählten dazu. Sich einzugestehen, dass man Hilfe brauche sei nicht so einfach. Neben der medikamentösen Behandlung gab der Arzt noch Tipps für einen besseren Schlaf. Mit einer Besichtigung der Klinik endete der informative Nachmittag.
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