Prinz Charles als Öko-Pionier

Reinhold Schmalzbauer (von links), Sigi Hagl, Elisabeth Bauer und Georg Stöckl standen nach dem Film "Der Bauer und sein Prinz" im Kinocenter Nittenau für eine Diskussion zur Verfügung. Bild: sir
Lokales
Nittenau
01.10.2015
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"Der Bauer und sein Prinz", klingt wie ein Märchentitel, tatsächlich heißt so eine Dokumentation von Bertram Verhaag, der Visionen, aber auch knallharte Realitäten in der Landwirtschaft aufzeigt. Anlass für Bündnis 90/Die Grünen, im Kinocenter Nittenau die Diskussion zu suchen.

Menschen müssen begreifen, dass sie ein Teil des Ökosystems sind: So lautet die Botschaft des Films der am Mittwochabend im Kinocenter Nittenau lief.

Ist das Prinz Charles? Großbritanniens Thronfolger sieht in seiner Arbeitskluft, den gelben Handschuhen und der Schutzbrille so gar nicht aus wie ein Prinz. Mit einem kleinen, scharfen Beil und Muskelkraft schafft er ein Heckensystem, das optisch einen reizvolleren Anblick bietet, als Drahtzäune, das Rinder und Schafe auf der Weide hält. Die Bodenerosion werde so gebremst und in der Hecke finden kleine Tiere Schutz, doziert der Prinz.

Alte Rassen im Blick

Schauplatz ist Cornwall. Seit Mitte der 1980er Jahre lässt Prinz Charles hier auf seinem Grund ökologische Landwirtschaft betreiben. Sein Farmmanager, David Wilson, kommt aus der konventionellen Landwirtschaft. Gemeinsam schufen die beiden einen rentablen Vorzeigebetrieb. Seltene Schweinerassen werden gezüchtet, alte Apfelsorten und Getreidearten bleiben erhalten. Das Shetland-Rind wäre fast ausgestorben. Auf der "Duchy Home Farm" von Charles werden die Tiere gezüchtet. Der Boden sei das A und O, meint Wilson. Und der Prinz ergänzt, dass sich die Erde vor der Umstellung leblos angefühlt habe. Statt Chemie kommt nun Kleegras als Dünger zum Einsatz. Nun gelange Stickstoff auf natürlichem Weg in den Boden. Im Laufstall haben die Kühe viel mehr Platz als vorgeschrieben, sie stehen auf Stroh. Der Mist dient als Dünger.

Steilvorlage

Die Lebenserwartung einer Kuh betrage in der ökologischen Landwirtschaft acht bis neun Jahre, in der konventionellen erlebe die Kuh oft nicht einmal ihren fünften Geburtstag. "Wenn man nur nach Profit leistungsstarke Tierarten züchtet, merkt man erst spät, dass Wertvolles verloren geht", so Wilson. So lange Verbraucher billige Produkte wollen, werden Bauern Massen produzieren, um überleben zu können, übt der Farmmanager Kritik an der EU. "Wir müssen ein weiteres Verständnis für die Natur schaffen und sie nicht misshandeln", ergänzt der Prinz.

Verhaags Film liefert eine Steilvorlage für die Forderungen von Bündnis 90/Die Grünen. Landesvorsitzende Sigi Hagl war nach Nittenau gekommen, um mit den Zuschauern über den Streifen zu diskutieren, der nach ihren Worten in Großbritannien und im Commonwealth nicht gezeigt werden dürfe. Die Presseabteilung des Königshauses wolle wahrscheinlich verhindern, dass sich Charles "als grüner Prinz" weiter profiliere. Doch dem Thronfolger gehe es um die Erhaltung des Planeten.

Den Rücken stärken ihm im Film der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hardy Vogtmann, sowie die indische Umweltschützerin, Vandana Shiva. Charles geht mit der Subventionspolitik hart ins Gericht. Er lässt sich aber nicht entmutigen. "Das, was man nimmt, das muss man ersetzen", ist er überzeugt. "Aber wir nehmen nur und geben nichts zurück".

Am Ende des Films gab es Gelegenheit zur Diskussion mit Sigi Hagl, den beiden Kreistagsmitgliedern Reinhold Schmalzbauer und Elisabeth Bauer sowie Dipl.-Agraringenieur Georg Stöckl, der in der staatlichen Landwirtschaftsberatung am Fachzentrum für Ökolandbau am Landwirtschaftsamt Neumarkt. "Bemerkenswerte Aussagen", meinte Stöckl. So würden 15 bis 20 Prozent der Beschäftigten wieder in der Landwirtschaft benötigt. Nicht die große, sondern die kleinteilige Landwirtschaft mit ihrer Vielseitigkeit sei die Zukunft. "Was wir tun können, ist die Unterstützung der ursprünglichen Landwirtschaft."

Biobauer Doll berichtet

Sigi Hagl setzt auf Aus- und Weiterbildung. "Wir wollen, dass alle wachsen können und nicht das Prinzip ,wechsle oder weiche' gilt." Reinhold Schmalzbauer betonte, dass ökologischer Landbau funktioniert. Davon habe er sich beim Besuch eines ökologisch ausgerichteten Gemüsebauern im Landkreis überzeugt. Biobauer Georg Doll berichtete aus seinen Erfahrungen. Seit 28 Jahren sei er überzeugter Biolandwirt. Nicht immer klappe alles so, wie man es sich vorstellt: Ertragsschwankungen und höheres Arbeitsaufkommen sind Realität. Seine generelle Erfahrung lautete trotzdem: "Bio-Landwirtschaft ist möglich."
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