Schlagkräftig und neutönend

Claudia Janet Birkholz sorgte für ein fesselndes Hörerlebnis.
Lokales
Nittenau
22.04.2015
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Er hat für seine Musikstücke das präparierte Klavier erfunden. Am Sonntag bekamen die Besucher im Rathaus-Foyer die Intention von John Cage zu hören. Der Pianistin gelang die kongeniale Umsetzung.

Für häusliches Klavierspiel taugt das überhaupt nichts. Denn wenn man vor Beginn des Rathauskonzerts näher an den Flügel heranging, fielen die Schrauben und Gummiplättchen auf, die zwischen einzelnen Saiten des Instruments steckten. So fand die Ankündigung ihre Bestätigung, auf der stand: "John Cage. Sonatas and Interludes für präpariertes Klavier". Dieser Titel ist leicht missverständlich, denn es handelt sich um ein einziges Werk in etlichen hintereinander gefügten Einzelnummern, das etwa 50 Minuten dauert.

Genaue Anweisungen

John Cage (1912-1992) hat für seine Musikstücke das präparierte Klavier erdacht. Er lebte anfangs der 1930er-Jahre in Seattle, beschäftigte sich mit Werken für Schlagzeugorchester und machte aus dem Klavier sozusagen ein verkapptes Schlagzeug. Die Präparation muss übrigens genau nach Cages Anweisungen erfolgen. Ausführlich wird angewiesen, wo und wie die Zusatzkörper im Instrument zu platzieren sind. Er sagte selbst "I love sounds where they are" und erlaubte sich keinerlei Differenzierung zwischen Klang und Geräusch. Sein präpariertes Klavier ersetzt gewissermaßen ein Schlagzeug-Ensemble. Sogar der Pedalgebrauch eröffnet weitere Klangbilder. Und dieses neue Klanggefüge passt zusammen, hat durchaus fesselnde Hörerlebnisse zur Folge. So ist das Stück, das die Pianistin Claudia Janet Birkholz nach diesen Erklärungen dann vortrug, durch ungewöhnliche Klänge und deren neuartige Kombinationen gekennzeichnet.

Neue Tonqualitäten

Stünde der Konzertflügel nicht sichtbar vor einem, sondern unsichtbar hinter einem Vorhang, könnte man durchaus raten, wie viele Instrumente jetzt ertönen. Allmählich ergaben sich Ansätze von Melodien, von Zusammenhängen und Fortentwicklungen der einzelnen Tonkombinationen zu passenden Klanggefügen. In nachvollziehbaren Rhythmen und komplizierten Tonsequenzen zogen die einzelnen Bestandteile des Werks mal langsamer, mal schneller vorüber. Das Neue an John Cages' Schaffen ist nicht ein Ausleben von Atonalität, sondern das Vorführen neuer Tonqualitäten, die durch die Präparation des Klaviers neue Hörerlebnisse generieren.

Die brachte Claudia Janet Birkholz mitreißend zu Gehör. Insofern war diese neuartige Musik am Nachmittag eine großartige Entdeckung. Zwar gehen die Besucher nicht aus dem Konzertsaal und haben neue Melodien im Ohr, sie sind aber schwer beeindruckt vom Erfindungsreichtum des Komponisten, wenn es um neue Klangentfaltung geht.

Und gleichzeitig kann man die Pianistin nur dafür bewundern, dass sie sich dieser Musik so vehement angenommen hat und sie ebenso engagiert ihren Zuhörern darbieten konnte. So wird einem dieses Rathaus-Konzert lange in guter Erinnerung bleiben.
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