Tief in die Materie eingetaucht

Diese P-Seminaristen beschäftigten sich ausführlich mit der Kultur Chinas, betreut von ihrer Lehrerin Barbara Vielberth-Baer (rechts).
Lokales
Nittenau
19.01.2015
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Die P-Seminare am Regental-Gymnasium (RTG) verlangen eine Auseinandersetzung mit einem Themengebiet, das sich an der Praxis orientiert. Dazu bedarf es umfangreicher Recherche. Schüler der Q 12 präsentieren ihre Ergebnisse.

Neun Seminaristen hatten sich mit P-Seminar-Leiterin Martina Koller in Bezug auf "Sozialkritik" mit dem Thema "Fair Trade" befasst. Acht ihrer Kollegen erwarben sich Wissen rund um "die Kultur Chinas" mit Leiterin Barbara Vielberth-Baer. Ihnen allen gemein ist der "Blick über den Rand der Suppenschüssel". Sie lernen zu verstehen und gegebenenfalls Verbesserungen der Lebenssituation der Menschen anzustreben, soweit man dazu in der Lage ist.

"Billig, billig - aber zu welchen Kosten?" Um dieser Frage nachzuspüren und auf die unterschiedlichen Lebensbedingungen eindringlich hinzuweisen, hatten sich die "Fair Trade-Spezialisten" Einiges einfallen lassen. Eineinhalb Jahre lang bearbeiteten sie die Thematik facettenreich, wie Sprecher Nils Olbrecht eindrucksvoll darlegte. Exkursionen, Testen von "Fair-Trade"-Produkten, einen eigenen Stand dazu während der Pause zu betreiben, wurde mit einem Lernzirkel für die Schüler der sechsten Jahrgangsstufe ergänzt. Ziel sei es gewesen, ein Bewusstsein zu wecken und das eigene Verhalten zu überdenken. Schokolade - nicht für jedes Kind schmeckt sie süß. Unzählige Kinder arbeiten in den Kakaoplantagen, um ihren Beitrag gegen den Hunger in der Familie zu leisten, Tag für Tag, zwölf Stunden lang. Im Lernzirkel erfuhren die Schüler, dass ihre Jeans schon eine Weltreise hinter sich haben: Angefangen von der Ernte der Baumwolle, über den Weg zur Spinnerei, Färberei und Näherei bis in die Geschäfte hierzulande.

"Was ist Fair Trade?" Anhand des Beispiels der herkömmlichen Tafel Schokolade, die im Supermarkt etwa einen Euro kostet, zeigte der Sprecher die Antwort auf. Er ließ die Anwesenden schätzen, wie viel von diesem Euro der Kakaoplantagen-Bauer erhält. Es seien lächerliche drei Cent. Um diesen Missständen entgegenzuwirken sei "Fair Trade" ins Leben gerufen worden mit dem Ziel der Armutsbekämpfung durch gerechte Handelsbeziehungen mit Entwicklungs- und Schwellenländern.

Keine Kinderarbeit

Damit sollten die Lebensbedingungen der Bauern und Arbeiter verbessert werden. Eingehalten werden müssten die "Fair-Trade"-Prinzipien, wie "keine Kinderarbeit". Gefördert werden solle der ökologische und nachhaltige Anbau. Mit einem "Dinner der Gerechtigkeit", bestehend aus fair gehandelten Zutaten, wurde das Abbild der Verteilung der grundlegenden Nahrungsmittel auf der Welt demonstriert. Die erworbenen Teilnahmecoupons waren rot, gelb und grün. Die meisten der Gäste hielten eine rote Karte in der Hand.

Auf Kosten der Armen

Diese, die beispielsweise aus Somalia stammen, mussten sich mit einer kleinen Schale Reis begnügen. Und das, obwohl der gleiche Betrag bezahlt wurde. "Aber so ist es eben, die Reichen leben auf Kosten der Armen." Nachdem die Gäste ihr Essen eingenommen hatten, konzentrierten sie sich auf die Kultur Chinas, die die Schüler abwechselnd darstellten. Essen sei in China ein sehr kommunikatives Ereignis, so die Erkenntnis.

Gegessen werde mit Stäbchen und besonderen Löffeln. Messer und Gabeln seien ungewöhnlich, würden aber in Zentren mit Einfluss der westlichen Kultur zunehmend genutzt. 2013 waren die Schüler in China, unter anderem an der chinesischen Mauer. Ein weiterer Aspekt dieses fernöstlichen Landes wurde ebenfalls nicht ausgespart: Religion und Philosophie. Die meisten gehören keiner Religion an. Überraschend sei die Zunahme der christlichen Religionen in den letzten Jahren. Seit 1978 steht die religiöse Freiheit in der Verfassung. "Der Chinese ist ein Konfuzionist, wenn es ihm gut geht, ein Taoist, wenn es ihm schlecht geht und ein Buddhist im Angesicht des Todes", so der Sprecher.

Keinerlei Schutz

Der nächste Punkt betraf die "Kulturrevolution" in China bis zum Tod von Mao Zedong. Im damaligen Unrechtsstaat habe es keinen Schutz vor Verfolgung gegeben. Die Schüler berichteten von Folter und Hinrichtungen. Bis heute habe kein Aufarbeitungsprozess stattgefunden. Angenehmer gestaltete sich die Thematik rund um die Musikkultur. Das chinesische Tonsystem bestehe aus zwölf Tönen. Heutzutage werde von den chinesischen Künstlern vor allem amerikanische Popmusik gecovert.
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