"Voices of Joy" stimmt auf das Weihnachtsfest ein
Der Vergessenheit entrissen

In der Nittenauer Pfarrkirche kam unter Leitung von Dr. Wolfgang Wagner auch die "Missa A - Dur" von Evermod Groll zur Aufführung. Bild: Götz
Lokales
Nittenau
09.12.2014
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Vor der Tür der Christkindlmarkt, im Kirchenraum fast alle Plätze besetzt - gibt es bessere Voraussetzungen für ein stilvolles Weihnachtskonzert? "Voices in Joy" bot unterstützt von Streichern und Bläsern der Regensburger Philharmoniker eine gekonnte Einstimmung auf das Fest.

In der Stadtpfarrkirche Mariä Geburt wurden am Sonntagnachmittag eine unbekannte Messe und der erste Teil eines sehr berühmten Oratoriums präsentiert. Dem musikalischen Leiter Dr. Wolfgang Wagner ist es zu danken, dass die "Missa A - Dur" GW 10 von Evermod Groll (1755 - 1810) wieder einmal zur Aufführung gelangte.

Ein Repräsentant mehr

Dr. Wagner hat dieses Werk des Nittenauer Komponisten auf Anregung von Rainer Weileder, dem damaligen VHS-Leiter, der Vergessenheit entrissen und vor 14 Jahren erstmals wieder aufgeführt. Wenn man diese Musik hört, hat sich die Epoche der Klassik um einen Repräsentanten erweitert. Der Sinn der einzelnen Messeteile ist tadellos musikalisch dargestellt, ob es sich jetzt beispielsweise um das mächtige "Gloria" oder das verhaltene "Benedictus" handelt.

Faszinierend erscheint der Gedanke, welch tiefgründige Musik damals den Kirchenbesuchern vorgeführt wurde. In unserer Zeit mit ihren Möglichkeiten dauerhafter Fixierungen müsste es doch machbar sein, einem solchen Werk die längst fällige Aufmerksamkeit zu widmen, auch wenn der um ein Jahr ältere Zeitgenosse von Wolfgang Amadeus Mozart nicht an Fürstenhöfen, sondern in der Kirche und im Schuldienst tätig war, man ihn als Komponisten also nur wenig kannte. Jedenfalls waren Gudrun Wagner (Sopran), Klaudia Zeiner (Alt), Benedikt Heggemann (Tenor) und Alexander Aigner (Bass) nicht nur im "Credo" mit berührendem Gesang überzeugend.

Der Chor gestaltete seine Partien stets einfühlsam und wurde dabei genau von den Musikern des Regensburger Orchesters unterstützt. Schön, dass Dr. Wolfgang Wagner mit seinen Musikern das Werk aus der ungerechtfertigten Nichtbeachtung hervorholte.

Die Vorfreude

Als zweites Werk des nachmittäglichen Konzerts erklang der erste der drei Teile des Oratoriums "Der Messias" HWV 56 von Georg Friedrich Händel, also der Part, der die Ankündigung des Heilands und die Geburt Christi zum Thema hat. Auch hier setzten sich Solisten, Chor und Orchester unter Dr. Wagners aufmerksamer Leitung erfolgreich für eine musikalische Umsetzung des für die Menschen so wichtigen Geschehens ein. Den Handlungsgang besonders prägende Teile seien kurz erwähnt. Dazu gehört der mächtige Chor "Denn die Herrlichkeit des Herrn wird offenbart werden" genauso, wie die nachdenkliche Alt-Arie "Doch wer kann bestehn am Tag seiner Ankunft und wer erträgt des Herrn Erscheinen".

Die Bass-Arie "Das Volk, das da wandelt im Dunkel, es sieht ein großes Licht" gibt Hoffnung und die Sopranistin vermittelt in Koloraturen Vorfreude, wenn sie singt "Frohlock und jauchze, du Tochter Zion...denn sieh, dein König kommt zu dir". Der Chor beendet diese glückliche Entwicklung mit dem begeistert vorgetragenen berühmten "Halleluja". Einen glanzvolleren Abschluss eines gelungenen Konzerts kann man sich kaum vorstellen.
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