Von Perlen und Krönchen

Dr. Gerhard Eigler veranschaulichte die Herstellung von Gablonzer Schmuck mit eigenen Experimenten, wie dem Schmelzen von Glasstangen, um daraus Perlen zu formen. Bild: Schieder
Lokales
Nittenau
01.10.2014
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Das Interesse am Vortrag des Mineraliensammlers Dr. Gerhard Eigler war riesig, die Faszination des Themas "Gablonzer Schmuck" ist ungebrochen. Und dann gibt es noch die geschichtliche Komponente, die nicht minder interessiert.

Im Zuge des Jahresprogramms "Glas" der Akademie für Natur und Industriekultur Neunburg in Kooperation mit dem Volksbildungswerks Nittenau (VBW) ging es im Haus des Gastes um "Gablonzer Schmuck". Die Thematik war den Kulturinteressierten nicht ganz unbekannt. Denn bereits im Jahr 2002 gab es dazu in Nittenau eine Ausstellung dazu. Carolin Schmuck, Leiterin des VBW, freute sich ebenso wie Dr. Gerhard Eigler über die große Besucherresonanz.

Reine Glückssache

"Was ist Gablonzer Schmuck?" stellte der Fachmann in den Raum. Es handele sich dabei um Schmuck aus unedlen Materialien, aus Glas, Kupfer- und Messingblech und ein paar Legierungen, erläuterte Dr. Eigler. "Und Modeschmuck und Mode wechseln." Nicht anders habe es sich beim Gablonzer Schmuck verhalten: Einmal sei schwarzer Schmuck modern gewesen, den man dann wieder umgemodelt habe, als dieser nicht mehr gefragt gewesen sei. Gablonz liegt an der Neiße in der Nähe des Länderdreiecks Deutschland-Polen-Tschechien, in unmittelbarer Nähe zum Isergebirge. Echten Gablonzer Schmuck zu erkennen sei schwierig, dazu gehöre viel Erfahrung. Viel werde nachgemacht nach alten Vorbildern, betonte der Referent. Es sei Glückssache, wenn man auf Flohmärkten fündig werde, so Dr. Eigler. Er selber habe viele Besichtigungen vor Ort gemacht und dabei auch Fachleute kennengelernt. Dr. Eigler zeigte mit einer Lötlampe, wie man Glas weich machen kann, um es dann zu verarbeiten. Er erzählte, dass auch ganz feine Fäden gezogen worden seien. Dies stelle dann die "Glasspinnerei" dar. Viele Glaskurzwaren, also kleine Sachen, seien im 18. Jahrhundert hergestellt worden, vor allem auch in Heimarbeit. Es entstanden Glasdrückhütten, in denen das Material verarbeitet wurde. Und dünne Glasstängel, wie die dicken Stangen einen Meter lang, seien geschaffen worden.

Aber wie wird aus so einem Glasstängel eine Perle? Dr. Eigler zeigte, dass mit einem Kupferdraht, der mit Kaolin beschmiert war, eine Perle gebogen wird, eine "Wickelperle". Dr. Eigler erhitzte ein Reagenzglas an einer Stelle, blies hinein und schloss das weich geschmolzene Glas. So entsteht eine Reihe von Perlen, die dann voneinander getrennt werden.

Für Debütantinnen

Seit 1820 hat es die Gürtler in Gablonz gegeben, die mit Metall arbeiteten. Hergestellt wurde alles, von Kitsch bis hin zu ganz erlesenen Sachen. So stammen die Krönchen für die Debütantinnen beim Wiener Opernball von einer Gablonzer Firma. Auch die berühmten Swarovski-Steine kommen aus Gablonz. Daniel Swarovski sei ein Glasschneider gewesen, der nach Tirol zog, so der Referent, der in einem Dia-Vortrag die geographischen Verhältnisse und die Arbeit in den Glashütten aufzeigte.

Auch Bilder von Schmuckstücken und Christbaumschmuck waren darunter. Dr. Eigler empfahl noch den Besuch des Knopfmuseums in Nittenau. Josef Schönhammer von der Akademie für Natur und Industriekultur Neunburg vorm Wald dankte Dr. Eigler abschließend für seinen Vortrag.
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