Wenn der Wahn normal ist

Monika Gruber nahm sich in der Regental-Halle die menschlichen Gewohnheiten vor, zerlegte sie in die Einzelteile und kommentierte sie in teilweise deftiger Umgangssprache Bild: Mayer
Lokales
Nittenau
22.03.2015
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Eigentlich sei sie privat eher ein schüchterner Typ, sensibel und empathisch veranlagt, sagt die Frau augenzwinkernd. Nach diesem zwischenzeitlichen "Geständnis" geht es auf der Bühne verbal wieder rund. Die alltäglichen Beobachtungen werden von ihr knallhart interpretiert.

Monika Gruber, nach drei Jahren wieder zu Gast in Nittenau, blickte erneut in die ausverkaufte Regental-Halle und verwies zunächst auf ihre dreimonatige Pause, in der sie sich selbst finden wollte. "Ich habe aber nix gefunden", räumte sie ein. Vielmehr seien ihr in dieser Zeit Leute wie Helene Fischer aufgefallen. Die soll sehr nett sein. Gruber outet sich als großer Fan der Sängerin. Deren Auftritte im TV sehe sie jedoch ohne Ton: "Ihre vielen schönen Grimassen und Bewegungen reichen mir schon". "Wer alt wird darf kein Feigling sein", konstatiert die 43-jährige Kabarettistin und Schauspielerin, und ist schon bei einem Lieblingsthema angelangt, dem "Glück". Diesbezüglich nehme der Wahnsinn immer größere Dimensionen an. Das Streben vor allem nach dem privaten Glück münde in die absurdesten Aktivitäten. Warum also gebe es noch keine GlücksApp? Die MückenApp sei schon auf dem Markt, sie summe das bekannte Lied "Atemlos durch die Nacht...", ärgert sich Gruber.

Kein Bachelor?

Thema "Gesundheitswahn": "50 Prozent der Leute, die zum Arzt laufen, haben nix", ist die "Gruaberin" überzeugt. Neuerdings gebe es sogar das Angebot, in speziellen Räumen mit den Engeln zu reden, um die eigene Aura zu reinigen. Kostenpunkt: 49 Euro. Frauen in ihrem Alter und aufwärts änderten schlagartig lieb gewonnene Gewohnheiten. Kaffee gebe es nur noch koffeinfrei, Wasser aus Plastikflaschen habe "keine Information mehr" und frühere "Schluckspechte" sähen im Alkohol "das reine Gift". Genussfeindlichkeit laute die neue Gesundheitsphilosophie.

Und dann ist da noch die "Sorge" um das Kind. Tauche bei ihm die Prognose "nicht hochbegabt" auf, setze sich die Empörungsmaschinerie in Gang. Kein Bachelor in Sicht? Nur eine Karriere als Metzger, Bäcker oder Verkäuferin? "Entspannen Sie sich. Sie haben dann ein ganz normales Kind", rät Gruber den enttäuschten Eltern. Enorm "auf den Geist" gehen der Kabarettistin auch "übertriebene Tierliebhaber." "Sie vermenschlichen ihre Viecher und versachlichen ihre Umgebung", empört sich die 43-Jährige.

Monika Gruber ist an diesem Abend nicht allein auf der Bühne. Von oben meldet sich zwischendurch schon mal Gott in österreichischem Dialekt. Auch ihm gibt sie Kontra und schließt mit einem Kompliment: "Bayern sind Gefühlsmenschen und Romantiker, auch wenn man es nicht gleich merkt."
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