Glaubenstalk im Gasthaus Roidl
Ängste und Chancen

Pater Alfred Lindner.
Politik
Nittenau
28.06.2016
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Bei der Diskussionsrunde waren dabei (von links): Landrat Thomas Ebeling, Europaabgeordneter Ismail Ertug, drei Damen von der Berufs-Integrationsschule Schwandorf, Pfarrer Adolf Schöls, Michael Goldhahn, Nicolas Süß, Anke Zimmermann, Oskar Duschinger. Bilder: heg (2)

Rund 60 Gäste kamen zum Jugend-Glaubenstalk der Pfarrei Fischbach ins Gasthaus Roidl. Schulleiter Oskar Duschinger moderierte die Veranstaltung, in der es um aktuelle Themen wie Integration von Flüchtlingen ging. Er stellte unter anderem eine Obergrenze für das Recht auf Asyl zur Diskussion.

-Fischbach. Organisiert hatte die Veranstaltung Salesianer-Pater Alfred Lindner, der derzeitige Seelsorger der Pfarrei Fischbach. Seine Motivation ist, sich als Christ vor Ort zu bekennen und zu einem gemeinsamen Europa zu ermuntern.

Seitens der Politik standen der Europaabgeordnete Ismail Ertug und Landrat Thomas Ebeling Rede und Antwort, ebenso Michael Goldhahn von "flying help", Stadtpfarrer Adolf Schöls, Anke Zimmermann von der Beratungsstelle Bayerisches Bündnis für Toleranz, der Nittenauer Oberministrant Nicolas Süß sowie die Schulbeauftragte für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, Asylbewerber und Flüchtlinge, Werner Nagler. Er hatte drei Asylbewerberinnen aus Eritrea und Uganda als Beispiele guter Integrationsarbeit mitgebracht. Sie hätten sich mittlerweile gut eingelebt und fühlten sich wohl, sagte Nagler stellvertretend für die Frauen.

Eingangs zeigte Pater Lindner einen Film. Unter anderem kamen folgende Personen darin zu Wort: Staatsministerin Emilia Müller, der Landtagsabgeordnete Alexander Flierl, Peter Dotzler aus Burglengenfeld, Pastoralreferent Dr. Markus Lommer aus Amberg, der Ministerpräsident aus Thüringen, Bodo Ramelow, Prof. Dr. Michael Koch (TU München), Bürgermeister Karl Bley, Dekan Ludwig Gradl aus Amberg und Arbeitsministerin Andrea Nahles.

Künftig gerüstet


Landrat Thomas Ebeling berichtete, dass 1900 Flüchtlinge den Höchststand im Landkreis Schwandorf bedeuteten, die Tendenz aber sinkend sei; derzeit seien es 1200 Flüchtlinge. Die Lage entspanne sich. Im Landkreis sind laut Ebeling keine Ängste zu spüren gewesen und seien es auch jetzt nicht, obwohl die AfD im Landkreis Schwandorf versuche, Einfluss zu nehmen. Bei den anerkannten Flüchtlingen sei man dabei, diese gut zu integrieren. Auf die finanzielle Versorgung angesprochen, erklärte Ebeling, dass es schwierig sei, bei plötzlichem Andrang und deshalb in kürzester Zeit den Menschen ein Obdach zur Verfügung zu stellen. Im Falle einer weiteren Flüchtlingswelle wolle man daher gerüstet sein.

Der Europaabgeordnete Ismail Ertug sprach von vielen Defiziten in der EU, trotzdem gebe es keine Alternative zu ihr. Beim Thema Flüchtlingswellen habe man in der Vergangenheit weggesehen, obwohl Experten immer wieder darauf hingewiesen hätten. Die Frage, ob die Flüchtlingsproblematik in Europa mit Schuld am Brexit der Briten sei, verneinte er entschieden. Der Druck durch die fortschreitende Globalisierung sei gewachsen, die Schere zwischen Reich und Arm gehe immer weiter auseinander, und im System wirtschaftlicher Entwicklungen sei vieles im Argen. Diese Unzufriedenheit und Ängste seien der Nährboden für die Rechtspopulisten. Stadtpfarrer Adolf Schöls sieht die Gefahr, dass die Gesellschaft rechtslastiger werde. Umso wichtiger sei eine starke Europäische Union, die aber auseinander zu brechen drohe.

Michael Goldhahn zeigte ein paar Bilder aus Kos, wo er mit seiner Organisation "flying help" Flüchtlingen hilft. Auch er fürchtet den zunehmenden Rückfall in nationalstaatliches Denken. "Das hatte man schon mal", sagte er. Daher sei die EU ein Garant für den Frieden. In der politischen Diskussion fordert er mehr Ehrlichkeit bei den Flüchtlingsthemen und die Kampfansage an das mafiöse Geflecht der Schleuser und an das Schüren von Ängsten. Integration sei eine Aufgabe aller mit dem Respekt zueinander. In der Runde stellte Goldhahn den Syrer Georg aus Damaskus vor, der nach einem sechsmonatigen Sprachkurs die Berufsschule besucht und bereits ein Praktikum bei der Firma Horsch absolvieren durfte.

Oberministrant Nicolas Süß sieht in Europa eine für die Jugend wichtige Zukunftsperspektive. Nicht die Zahl der Flüchtlinge sei das Problem, sagte Anke Zimmermann, sondern viel Unwissenheit. Fronten erhärten sich und würden auf eine "Gutmenschendebatte" reduziert.

Viele Gemeinsamkeiten


Abschließend entstand eine Debatte über die zunehmende Einflussnahme der islamischen Religion in die deutsche Gesellschaft. Ertug, selber Moslem mit türkischen Wurzeln, empfahl, sich einander anzunähern, dann würde man feststellen, dass es viele Gemeinsamkeiten der Religionen gebe.
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