Planer stellen Hochwasserschutzkonzept im Stadtrat vor
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Politik
Nittenau
20.10.2016
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Der Hochwasserschutz wird das Stadtbild Nittenaus verändern. Um so wichtiger ist, dass bei den Planungen für das Millionenprojekt gründlich gearbeitet wird. Wie aufwendig das ist, erläuterten der Chef des Wasserwirtschaftsamtes, Mathias Rosenmüller, und Ingenieur Roland Wach am Dienstag dem Stadtrat.

Den Einwohnern stehen die Builder vom Hochwasser im Sommer 2002 noch deutlich vor Augen. Eine Katastrophe wie damals soll es nicht mehr geben. Daran arbeiten Stadt, Behörden und Planer seit Jahren. Technischer Hochwasserschutz lautet die Lösung für die Stadt am Regenknie. Und der ist aufwendig, als Kosten-Schätzungen kursieren Summen von 12 Millionen Euro. Die könnte die Stadt nie alleine stemmen. Der Freistaat steht zur Seite, mit mehr Geld als bislang angenommen. Wie Rosenmüller dem Stadtrat unter Vorsitz von zweitem Bürgermeister Albert Meierhofer eröffnete, wird der Freistaat sogar 65 statt 60 Prozent als Zuschuss gewähren. Für die Erläuterung der Pläne überließ er Roland Wach vom Büro Schlegel (München) das Feld.

Am flussabwärts rechten Regenufer sieht das Konzept Schutzvorkehrungen für einzelne Objekte vor. Die Hauptmaßnahmen betreffen das linke Regenufer. Am Kleinen Regen werden vor und nach der Angerinsel Wehre entstehen, die im Hochwasserfall abriegelbar sind. Das dort anfallende Wasser wird dann mit großen Schöpfwerken abgepumpt. Weil der kleine Regen aber für die Natur und die Wasserlebewesen wertvoll ist, müssen Aufstiegshilfen und ähnliches entstehen.

Größtes Bauwerk wird der Deich sein, der östlich des Schulzentrums beginnen, am Fußballplatz vorbei das Ufer erreichen soll und sich dann hinüber zur Angerinsel und den Fluss entlang schlängeln wird, bis hinunter zur Kläranlage. Die Höhen des Deichs oder der teilweise notwendigen Mauern ergeben sich aus den Berechnungen der Ingenieure: Die Marke des "Hundertjährigen Hochwassers" plus 15 Prozent, als "Klimazuschlag", wie Wach erläuterte. Das bedeutet: Der Deich wird etwa drei Meter hoch werden. Am Fuß würde der Deich dann neun bis zehn Meter breit. Die Krone würde begehbar - städtebaulich eine reizvolle Möglichkeit.

Auf der Krone könnten dann mobile oder fest installierte Abschlüsse verbaut werden. Von den mobilen Teilen rieten sowohl Rosenmüller als auch Wach aus Kostengründen ab: Die Stadt müsste eine Lagerhalle bauen, Transportfahrzeuge und Personal vorhalten. Darüber wird aber erst in der Ausführungsplanung entschieden. Das wird noch dauern.

Auch deshalb, weil noch Lösungen mit den Betreibern der Wasserkraftanlagen gefunden werden müssen. Es habe konstruktive Gespräche gegeben, sagte Wach, auf die Stellungnahmen werde noch gewartet. "Es darf keine Denkverbote geben", sagte der Planer. Davon, ob die Kraftwerke bleiben oder verlegt werden, hängt auch das künftige Aussehen des neuen Wehrs im Hauptfluss ab. Die "V-Form" als Alleinstellungsmerkmal soll möglichst bleiben. Weitere Vorgabe: Für die Ober- und Unterlieger an den Ufern des Regenflusses dürfen sich keine Nachteile ergeben.

Kommendes Jahr soll das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden, gaben Wach und Rosenmüller einen groben Zeitplan vor. 2018 könnte dann Baubeginn sein. Bis dahin sind noch eine Vielzahl von Abstimmungen zu treffen, etwa mit dem staatlichen Bauamt. Das Hochwasserkonzept würde nämlich eine Verschiebung des Widerlagers der Regenbrücke notwendig machen, deren Neubau derzeit geplant wird.
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