25 Jahre Schulpartnerschaft zwischen dem Regental-Gymnasium und tschechischen Gymnasium
Aus Nachbarn werden Freunde

Sie feierten gemeinsam: Die Gäste am Gymnasium Rokycany und ihre Gastgeber am Regental-Gymnasium. Rektorin Petra Weindl (Dritte von rechts) überreichte ein Buchpräsent, das an das Jubiläum 25 Jahre Schulpartnerschaft zwischen diesen beiden Bildungseinrichtungen erinnern wird. Bilder: sir (4)
Vermischtes
Nittenau
25.04.2016
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Der Schulchor aus Rokycany begeisterte mit Show-Elementen.

25 Jahre Schulpartnerschaft zwischen dem Regental-Gymnasium und dem tschechischen Gymnasium Rokycany: Mit einem Festabend wurde dieses Jubiläum begangen, begleitet von großer Herzlichkeit zwischen den Gästen aus Tschechien und den Gastgebern.

Schulleiterin Petra Weindl fiel es nicht leicht, die Gespräche vor dem offiziellen Teil zu unterbrechen. Ein gutes Zeichen dafür, dass die "Völkerverständigung" klappt. Die 25 Jahre Schulpartnerschaft seien keine Selbstverständlichkeit, sagte Weindl. Bei Ehepaaren spreche man von "silberner Hochzeit". Nachdem der Eiserne Vorhang 1990 gefallen war, hatten die Schulen die Initiative ergriffen. Kollegen aus beiden Ländern seien zu neuen Ufern aufgebrochen. Es entstand ein regelmäßiger Austausch. Weindl dankte den Vorgängern in der Leitung beider Schulen und den Lehrern für ihr Engagement.

Besser als ein "Like"


Ob ein Schüleraustausch in Zeiten von Smartphones noch zeitgemäß sei? Es sei klar, dass per "Like"-Klick ein persönlicher Freund nicht zu ersetzen sei. Warum man die Sprache des anderen lernen soll? Weindl sagte, dass es neben wirtschaftlichen und touristischen Erwägungen auch eine persönliche Bereicherung darstelle. Interkulturelle Erziehung steigere auch die beruflichen Chancen.

Grenze vernagelt


Das Unterhaltungsprogramm begeisterte mit seiner großen Abwechslung. So trugen Florian Siegmar und Franziska Heß beeindruckende Texte und Gedichte namhafter Künstler mit Bezug auf das Nachbarland Tschechien vor. Die beiden Schulchöre aus Nittenau und Rokycany sowie das Orchester unter Leitung von Dr. Wolfgang Wagner ernteten verdienten Applaus für ihre Beiträge.

Bürgermeister Karl Bley hieß die Gäste im Namen der Stadt willkommen. Es seien zwei Welten gewesen damals, die nun freundschaftlich verbunden seien. Sein Dank galt allen, die damals den Mut dazu hatten, aufeinander zuzugehen. Beide Schulen seien Vorreiter gewesen für die Städtepartnerschaft mit Prestice, die zwei Jahre später ihren Anfang genommen habe. Zahlreiche Begegnungen habe es seither gegeben, in der Stadt und im Rathaus, auch zufällige. Bley wünschte der Schulpartnerschaft eine gute Zukunft.

Studiendirektor a. D. Herbert Jindra, einer der Gründer der Schulpartnerschaft, erzählte von den vielen gemeinsamen Aktivitäten auf sportlicher und kultureller Ebene, verbunden mit einigen Anekdoten. "Vor 70 Jahren sah es noch anders aus." Er selber sei im Böhmerwald geboren, habe erlebt, wie die Grenze plötzlich mit Brettern vernagelt worden sei, die so selbstverständlichen Beziehungen hüben und drüben zunichte gemacht worden seien. Dann, als der Eiserne Vorhang gefallen war, dachte er sich, dass es doch nicht sein könne, Vorurteile und Misstrauen bestehen, noch dazu, wo damals das halbe Kollegium aus Tschechien stammte. Darunter war auch der frühere Rektor Dr. Josef Klose. So hatte man bald Mitstreiter gefunden, unter anderem auch Herwig Schleifer und Hilde Kohler. Die Kommunikation sei damals sehr schwierig gewesen, erinnerte sich Jindra. Briefe haben ein bis zwei Wochen ans Ziel gebraucht, per Telefon sei man den ganzen Tag nicht durchgekommen.

Dank mit "Ludmilla"


Die Partnerschaft funktioniert sehr gut. Jedes Jahr bereichern tschechische Schüler den Pater-Hansen-Tag mit ihren kunstvoll bemalten Ostereiern. "Mein Vater hat einmal gesagt, nie mehr werde ich einem Tschechen die Hand reichen. Gott sei Dank ist es anders gekommen. Danke allen, die dafür eingestanden sind", sagte Jindra. Sona Simankova, die seit 17 Jahren den Austausch begleitet hat, zeigte sich tief bewegt. "Wir haben so viel erlebt und gesehen", meinte sie rückblickend. "Wir haben uns auch bemüht, dass alles so schön geworden ist." Sie dankte allen für ihr Engagement. Rektorin Petra Weindl ehrte mit dem zweisprachigen Bildband "Ludmilla" die "Baumeister dieser Partnerschaft". Dieses Buch sei durch ein Projekt der Oberstudienrätin Maria Schmid im Deutsch-Kurs entstanden. Gemeinsam erklang dann die Europahymne "Ode an die Freude", die ihre Wirkung nicht verfehlte.

Den Festvortrag hielt Dr. Wolfgang Schwarz vom Adalbert-Stifter-Verein München zum Thema "Zwischen Neustart und Weiterentwicklung: 25 Jahre deutsch-tschechische Kulturbeziehungen". Danach eröffnete er die Ausstellung "In Böhmen und Mähren geboren - bei uns (un)bekannt?", die zusammen mit dem Festabend Teil des Begleitprogramms zur Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung Karl IV 2016/17 in Nürnberg und Prag ist. Diese Ausstellung ist bis zu den Pfingstferien am RTG auch der Öffentlichkeit zugänglich.
Mein Vater hat einmal gesagt, nie mehr werde ich einem Tschechen die Hand reichen. Gott sei Dank ist es anders gekommen.Herbert Jindra, Studiendirektor a. D.
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