Grüne besuchen Verwandte des ermordeten Zygmunt Marcez
Delegation reist nach Polen

Eine Delegation der Grünen besuchte die Verwandten des 1942 bei Bodenstein ermordeten Zygmunt Marzec. Die Polen erwiesen sich als äußerst gastfreundlich. Bild: hfz
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Nittenau
30.09.2016
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Der polnische Zwangsarbeiters Zygmunt Marzec wurde 1942 bei Bodenstein (Nittenau) von der Gestapo ermordet. Die Verwandten luden nun eine Delegation der Nittenauer Grünen nach Proszowice in Südpolen ein.

Die 35 Kilometer östlich von Krakau gelegene Kleinstadt mit heute etwa 6000 Einwohnern war die Heimatgemeinde des unschuldig Hingerichteten. Sein Geburtshaus lag im Dörfchen Opatkowice und ist nicht mehr erhalten. In Opatkowice wurde die Delegation von den Verwandten empfangen und war zu Gast bei der Familie von Halina Paraniak, geborene Marzec. Halina und Barbara Rog sind Nichten von Zygmunt Marzec und waren zur Aufstellung des Gedenksteins vergangenes Jahr in Bodenstein. Ihr Onkel Zygmunt war 1941 für ihren Vater Wladyslaw, der damals schon verheiratet war, nach Deutschland zur Zwangsarbeit gefahren.

Dolmetscherin gefordert


Der Empfang in Opatkowice war offen und herzlich und die Delegation wurde mit polnischen Köstlichkeiten verwöhnt. Eingeladen hatten auch der Vorsitzende des Stadtrats von Proszowice, Krzysztof Wojtush, und weitere Vertreter der historischen Kommission der Verwaltungsgemeinschaft, die sich für die Geschichte der Nittenauer Region und für Hintergründe der damaligen Gräueltat interessierten. Sie selbst hatten schon vor der Veröffentlichung des Buchs "Verbrechen Liebe" von Thomas Muggenthaler über das Geschehnis am 12. November 1942 geforscht - ohne allerdings fündig zu werden. Nach der Übersetzung ins polnische und durch den Besuch der Verwandten 2015 in Nittenau anlässlich der Aufstellung des Gedenksteins kam für sie Licht ins Dunkel und Andrej Solarz publizierte einen Artikel über das Schicksal von Marzec. Die Gespräche mit der Delegation der Grünen brachten Hendrik Pomykalski, dem Vorsitzenden des Vereins "Gniazdo/Nest der proszowicer Heimat" und Andrej Solarz, Chefredakteur des Internetportals "Kurier Proszowicki", weitere wichtige Informationen über Zwangsarbeit im Raum Nittenau. Die Schwandorferin Barbara Dudkowski, die die Nittenauer Grünen seit Jahren bei diesem Thema begleitet, war als Dolmetscherin einige Stunden lang stark gefordert.

Stadtrat Wojtush regte eine Fortführung des Kontakts an und wünschte sich vor allem einen Jugendaustausch zwischen seiner Stadt und Nittenau, durch den gegenseitige Öffnung und Versöhnung gefördert werden könnte. Kontakte könnten sich etwa über die Schulen ergeben. Da der Schwiegersohn von Barbara Rog, Krzysztof Szot, Kapellmeister der Jugendblaskapelle von Proszowice ist, könnte auch ein Jugendaustausch der Kapellen gute Früchte tragen.

Fahrt nach Auschwitz


Franz Probst wurde gebeten, im kommenden Jahr in den Schulen von Proszowice Vorträge über einige Themen zu halten. Vorgeschlagen wurde, das Stigma der Geschichte aus der Perspektive der Opfer am Beispiel von Zygmunt Marzec darzustellen. Interesse besteht auch an den Aktivitäten der Nittenauer Grünen und speziell die Arbeit der Aufarbeitung der Nazizeit. Die Familie dankte den Nittenauer Grünen und allen Beteiligten für die Errichtung des Gedenksteins.

Barbara Dudkowski, Jan Horsted, Franz Probst und Franz Stadler mit Frau Angela und Sohn Matthias fuhren mit Marzecs Verwandten ins 100 Kilometer entfernte Oswiecim. Dort besuchten sie die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Stadtrat Probst und Matthias Stadler, der das 2012 für Marzec errichtete Holzkreuz gefertigt hatte, entzündeten an der Hinrichtungsmauer des Konzentrationslagers eine Kerze zum Gedenken an die Nationalsozialistischen Gräueltaten und für die Versöhnung.

Bevor die Delegation der Grünen schließlich wieder in die Heimat für, lud sie zur Gedenkfeier für Zygmunt Marcez am 13. November ein.
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