Nachtschicht mit Andi Kriegbaum
Schwerwiegende Nachtfahrt

Ganz lässig, aber konzentriert, fährt Andi Kriegbaum seinen Schwertransporter zur Krones AG. Zuvor erfolgte eine Abnahme der Polizei, die Genehmigung und Dokumente prüfte. Ulrich Barth (rechts) war im Begleitfahrzeug BF3 dabei.
Vermischtes
Nittenau
17.06.2016
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An der Raststätte Oberpfälzer Alb machte Andi Kriegbaum für 19 Stunden Halt. Anschließend ging es mit der Ladung, eine Planscheibe mit sechs Meter Durchmesser, weiter bis nach Nittenau. Bilder: doz (3)

Andi Kriegbaum ist der König der Straße. Herrscher auf der Autobahn. Herr über 67,5 Tonnen. Wenn er hinterm Steuer sitzt, gehört ihm die ganze Fahrbahn. Schließlich sind seine Lkw-Ladungen gewaltig.

Er schafft Yachten nach Nizza, bringt Windräder und Trafos an seinen Bestimmungsort. Heute fährt er ein Bohrwerks-Teil zur Krones AG nach Nittenau. Ein Bohrwerk, das 17 Meter lang, 16 Meter breit, 7,5 Meter hoch und etwa 244 Tonnen schwer ist und im September in Betrieb genommen werden soll. Krones braucht es, weil andere Anlagen veraltet sind. Alleine für das Fundament waren mehrere Bodengutachten und Bohrungen notwendig. Kriegbaum ist mit der Planscheibe, die er nach Nittenau liefert, eine Nacht zuvor in Coburg gestartet und bis zum Parkplatz Oberpfälzer Alb gekommen. Es folgte eine rund 19-stündige Pause. Die Fahrerlaubnis gilt nur zwischen 22 und 6 Uhr.

Der 44-Jährige fährt bereits seit 23 Jahren Schwertransporte. Mehrmals haben ihn Fernseh-Teams begleitet. Einmal sei ihm bei einer Fahrt sogar ein Geisterfahrer entgegengekommen, erzählt er - eine Kollision blieb zum Glück aus. Das was Kriegbaum macht, ist nicht nur irgendetwas von A nach B zu transportieren. "Hier muss ich richtig arbeiten. Es gehört mehr dazu als nur ein Zweier-Führerschein", sagt der Altöttinger.

Er ist für die fast 40 Tonnen schwere Ladung und den sicheren Transport verantwortlich. Die Planscheibe für Krones ist sechs Meter breit. Vier gewaltige Ketten umspannen die Scheibe. Kriegbaum fährt höchstens Tempo 80. Mit so einer schweren Last ist der Bremsweg schließlich enorm lange. Der 44-Jährige sagt: "Eine Vollbremsung ist nicht. Es kommt sonst auch die Ladung mit nach vorne." Die Gewalten die dahinter stecken würden, seien unbeschreiblich.

Viele überfordert


Wer einen Job wie Andi Kriegbaum hat, muss gelassen sein. Das sagt er zum einen selbst, zum anderen strahlt er diese Ruhe auch aus. Während der Fahrt raucht er Zigarillos im Helmut-Schmidt-Akkord. Kriegbaum wirkt konzentriert, aber nicht gestresst. Im Gegensatz zu anderen Verkehrsteilnehmern. Er sagt mehrmals: "Sobald die Leute Gelblicht sehen, sind sie überfordert." So wie eine Autofahrerin, die verschreckt auf die Bremse tritt, statt vor dem Schwertransporter auf der Autobahnauffahrt einzubiegen. Weil der imposante Lastwagen samt Ladung wohl zu einschüchternd wirkt, wartet die Frau, bis Kriegbaum mit seinem Gefährt an ihr vorbei fährt. Die nächsten Kilometer muss sie hinter dem Schwertransporter her tuckern.

Kriegbaum wechselt von der Autobahn auf die Staatsstraße. Auch hier braucht er die ganze Fahrbahn. Der Gegenverkehr muss also warten - theoretisch. Ein Polizeiauto fährt etwa 100 Meter vor dem Lkw mit Blaulicht. Die entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer reagieren ganz unterschiedlich. Manche fangen zum Rangieren an. "Erst gestern ist ein Lkw dabei im Graben gelandet", verrät Kriegbaum. Ein Mann fährt erst an der Polizei und dann am Schwertransporter vorbei - also quasi unter der Ladung durch, die links und rechts des Anhängers übersteht. Zwischen Dach und Planscheibe sind nur wenige Zentimeter Platz. Bei dem Fahrmanöver hat der Mann Glück gehabt, denn Kriegbaum verrät: "Es sind schon öfter welche in der Ladung hängen geblieben."

Unterstützung erhält Kriegbaum von Ulrich Barth mit seinem Begleitfahrzeug BF3, das alle Verkehrszeichen aufhebt. Barth ist im ständigen Funkkontakt mit seinem Vordermann und sagt ihm, ob er an Hindernissen wie Schildern vorbeikommt oder hängen bleiben könnte. Notfalls steigen die beiden Männer aus und montieren ein Schild ab, um es nach dem Passieren wieder anzubringen. Ein Problem wird es, wenn Verkehrsteilnehmer das Halteverbot übergehen. Das ist laut Kriegbaum regelmäßig der Fall.

In Ludwigshaven hätten in einer Straße einmal 19 Autos abgeschleppt werden müssen - obwohl ein Halteverbotsschild, sogar mit dem Verweis auf einen Schwertransport, angebracht gewesen sei. Auf dem Rückweg am nächsten Tag das gleiche Spiel: 18 Parksünder. Für den Abschleppdienst in jedem Fall ein gutes Geschäft.

Keine Angst, aber Respekt


Kriegbaum nimmt das alles gelassen. Als nach etwa einem Dutzend entgegenkommender Autos endlich ein Verkehrsteilnehmer rechts hält und wartet, bis der Schwertransporter an ihm vorbeigefahren ist, bemerkt der 44-Jährige lakonisch: "Er ist der erste, der es richtig macht." Prinzipiell müsse niemand Angst vor einem Schwertransporter haben, Respekt aber schon. Kriegbaum kommt spät in der Nacht bei der Krones AG an. Er wartet bis zum Morgen, als die Planscheibe mit einem Kran abgeladen wird. Anschließend geht es zu seiner Spedition nach Nürnberg zurück, wo der Altöttinger die nächste Schwerlast als König der Straße zu seinem Zielort bringt.
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