Wundersame Gedächtnislücken
25 Männer und Frauen wollen von Flaschenhieb nichts gesehen haben

Vermischtes
Nittenau
31.01.2016
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Es wird weiter gelogen, dass sich die Balken biegen. 25 Zeugen sind unterdessen zu einer Wirtshausschlägerei in Nittenau vernommen worden. Nur eine junge Frau aber will gesehen haben, was sich ereignete. Alle anderen waren offenbar geistig abwesend, als einem 44-Jährigen Schlimmes widerfuhr.

Das Lokal ist relativ klein. Etwa 30 Personen hielten sich dort auf, als in einer Oktobernacht des Jahres 2014 ein aus Roding stammender Mann von hinten eine Bierflasche über den Schädel gezogen bekam. Dem 44-Jährigen, der eigentlich nur eine Handgreiflichkeit hatte schlichten wollen, wurde dabei ein Teil des rechten Ohrs abgetrennt. Den Täter sah er nicht. Die üble Attacke erfolgte heimtückisch.

Wegen gefährlicher Körperverletzung sitzt nun ein junger Mann (22) auf der Anklagebank. Er soll die folgenschwere Attacke ausgeführt haben. Er selbst schweigt, hat bisher kein Wort gesagt. So blieb der Schwandorfer Amtsrichterin Petra Froschauer nicht anderes übrig, als nahezu alle Gäste, die an diesem Abend anwesend waren, in den Zeugenstand zu holen.

25 Zeugen


Die Kripo Amberg hatte sie später mühselig ermittelt. Von einer am Tatort eintreffenden Funkstreifenbesatzung waren damals seltsamerweise keinerlei Namen erfasst worden. Nach zwei Prozesstagen sind nun 25 Zeugen aufmarschiert. Alles junge Frauen und Männer, die in der räumlich engen Kneipe nichts bemerkt haben wollen. Der Eindruck hat sich zwischenzeitlich verfestigt, dass da gefühlte 200 Promille auf einem Fleck beieinander saßen und standen.

Denn bei vielen der Aussagen ist größerer Alkoholgenuss ins Feld geführt worden. Den machte auch ein junger Soldat geltend. Als der sich völlig ahnungslos gebende Mann ging, standen erstmals während des Verfahrens Ermittlungen wegen einer Falschaussage im Raum.

Es gibt aber Angaben, die den Angeklagten belasten. Sie stammen von einer jungen Frau, die genau gesehen haben will, wie er mit der Bierflasche auszog und sie dem 44-Jährigen wuchtig auf den Kopf drosch. Der Glasbehälter zersprang in tausend Scherben. Diese Splitter wollen manche der Zeugen später sehr wohl bemerkt haben. Auch den Beschuldigten sahen welche. Aber eben nicht, dass er womöglich der Täter war. Fest steht momentan: Es wird noch zwei Verhandlungstage geben. Im Februar will die Richterin vorhandene Unterlagen verlesen. Am 4. März ist dann ein gegenwärtig im Ausland weilender Polizist wieder da. Er soll seinerzeit die Belastungszeugin vor dem Lokal befragt haben.

Richterin wundert sich


Auf seiner Vernehmung hat die als Nebenklägerin auftretende Anwältin Claudia Schenk (Regensburg) bestanden. Sein damals mit anwesender Kollege ist unterdessen angehört worden. Dabei ergab sich: Der verhängnisvolle Zwischenfall mit einer schweren Verletzung führte offensichtlich am Tatort zu eher dürftigen Maßnahmen der Uniformierten. Das wunderte die Richterin.
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