Bernd Wetzel leistet jährlich über 300 Stunden Aufsicht für die Wasserwacht
Blick für brisante Situationen

Bernd Wetzel ist eine wesentliche Stütze für den Bademeister. Bild: Bugl
Freizeit
Oberviechtach
20.08.2016
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Wenn der Bademeister den Rasenmäher anwirft, dann hält ein anderer die Stellung am Beckenrand: Bernd Wetzel, 73 Jahre alt, verbringt pro Saison rund 300 Stunden als Aufsicht im Oberviechtacher Freibad. Seit 51 Jahren ist der Ausbilder und Prüfer für Rettungsschwimmer Mitglied der Wasserwacht - und er weiß, wann es gefährlich wird.

Mussten Sie schon einmal jemanden vor dem Ertrinken retten?

Gott sei Dank hatten wir bislang eher kleinere Sachen. Aber viele Eltern sind oft leichtsinnig und meinen: "Zum Aufpassen seid ihr doch da." Das ist aber hundsgefährlich, so ein kleines Kind verschwindet innerhalb von Sekunden unter Wasser und schreit nicht einmal.

Wie können Sie das erkennen, wenn es brenzlig wird?

Mit der Zeit bekommt man einen Blick für solche Grenzsituationen und schreitet vorher ein. Wenn da ein Schwimmflügel runterrutscht, so schnell gucken Sie gar nicht. Wenn ein kleines Kind allein im tiefen Wasser unterwegs ist, dann klingeln die Alarmglocken. Das ist wie bei einem Zöllner, der hat auch ein Gespür dafür, wer schmuggelt.

Es das anstrengend, sich stundenlang aufs Becken zu konzentrieren?

Ich mag es, wenn viel los ist, dann vergeht die Zeit schneller. Und ich kann das gar nicht verstehen, wenn Mitte August bei herrlichstem Wetter nur ein paar Hanserl da sind. Dabei würden die Preußen, die hier Urlaub machen, das Bad am liebsten mit nach Norddeutschland nehmen.

Was passiert, wenn Sie keine Lust mehr haben, Aufsicht zu machen?

Bei der Wasserwacht bilden wir viele Jugendliche aus, aber dann studieren sie oder finden keinen Job in der Region und sind weg. Und die Alten sterben langsam aus, das ist schon ein Problem.

Was ist der Lohn für diesen Job?

Wenn der Tag ohne Unfall zu Ende geht und alle zufrieden und freundlich sind.

Und was sagt ihre Frau dazu, wenn Sie so viel Zeit als Aufsicht opfern?

Sie sagt, das sind ihre schönsten Stunden.
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