Kino Pösl ist eine Institution
Leidenschaft für die Leinwand

Maria und Karl Pösl blicken im blau-roten Kinofoyer auf vergangene Zeiten zurück. Nicht fehlen darf dabei eine Popcorn-Tüte - denn auch das ist ein Markenzeichen des Oberviechtacher Kinos. Bilder: Portner (2)
Freizeit
Oberviechtach
12.11.2016
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Neue Filme und Aktionen: Beim Start der erfolgreichen Komödie "Eine ganz heiße Nummer" kam Regisseur Markus Goller im Kino Pösl vorbei und das Betreiberehepaar verwöhnte die Gäste mit leckeren Häppchen.

Sie sind ein eingespieltes Team, der Lederer Kare und seine Maria. Ohne sie gäbe es auch in Oberviechtach schon lange kein Kino mehr. Mit den neuesten Filmen locken sie die Cineasten der Region - auch wenn das nicht immer leicht ist.

Die Oberviechtacher können sich glücklich schätzen. Wenn sie Tom Cruise, Elyas M'Barek oder Renée Zellweger in den aktuellen Kinohits sehen wollen, müssen sie nicht bis nach Regensburg oder Weiden fahren. Ende Juni gab es in Deutschland 1640 Kinos mit 4693 Sälen, was den Trend hin zu den Großpalästen deutlich zeigt. Das Kino Pösl in Oberviechtach dagegen ist mit den zwei Sälen und der persönlichen Betreuung eine Institution, auf die Filmfreunde im Grenzland nicht verzichten möchten. Sie schätzen kurze Wege, tolle Filme und die Begegnung mit netten Menschen.

Karl Pösl hat vor zwölf Jahren viel investiert und auf Anraten von Tochter Monika die zwei Kinosäle komplett saniert und abgestufte Sitzreihen eingebaut. Somit sitzt jeder über der vorderen Reihe. Der Komfort wird honoriert und die Familie freut sich auch über die Feststellung: "Ihr habt einfach das beste Popcorn!" Der Arbeitstag ist oft erst nach Mitternacht zu Ende, denn der aktuelle Streifen "Willkommen bei den Hartmanns" läuft auch als Spätvorstellung (ab 22.15 Uhr). Daneben stehen sechs weitere Filme zur Auswahl.

Amerikaner bauen Kino


Karl Pösl (Jahrgang 1948) ist ein Kinobetreiber mit Leib und Seele - und das von Geburt an. Er erzählt, wie die Amerikaner nach Kriegsende im Jahr 1945 das erste Kino in Oberviechtach mit Schamottsteinen im "Lederergarten" (jetzt Zahlweingarten) hinter der Sparkasse gebaut haben. Wenige Jahre später erwarb sein Vater Hans das Gebäude vom Landkreis und der junge Karl wurde mit dem Kino groß. Er erinnert sich an die "Fuzzy-Filme", die in den 50er-Jahren am Fließband produziert wurden und betont: "Das Kino war schon immer mein Leben. Schon mit zehn Jahren habe ich das Vorführen gelernt." Der Vater ging auch mit einem Wanderkino auf Tour und kam damit bis nach Waidhaus und Tiefenbach.

Mit dem Film "Ben Hur" wurde im Herbst 1964 dann der neue Kinosaal am Marktplatz eröffnet. Im Dezember 1983 übernahm Karl Pösl das Anwesen mit Lichtspielhaus und Gastwirtschaft. Er wollte seinen Gästen Komfort bieten und vergrößerte schon bald den Reihenabstand. Statt 292 Sitze fasste der große Saal dann nur noch 140. "Das hat sich bewährt. Unsere treuen Besucher motivieren uns weiterzumachen", sagt der Chef. Auch wenn es oft "brutal nervenaufreibend" sei, die aktuellsten Filme nach Oberviechtach zu holen. Er berichtet von langen und häufigen Telefonaten mit den Verleihern und dem Stress, wenn es die Zusage für den Start am Donnerstag erst am Montag gibt. Seine Feststellung: "Das geht nach der Hackordnung der Hühner. Die Großen bekommen alles, für die Kleinen bleiben oft nur Brosamen übrig." Welche Filme in den nächsten Wochen angesagt sind, darüber informiert eine Fachzeitung und die Hitliste. Auch an Gästewünschen wird sich, wenn möglich, orientiert und zwei Mal im Jahr bieten die "Freunde der Kunst" einen anspruchsvollen Film an. Überwiegend werden Unterhaltungs- und Familienfilme gezeigt, Horrorthriller bleiben dagegen oft außen vor.

Neueste Technik


Früher wurde auch das "Truppenkino" in der Kaserne bespielt. Bis vor wenigen Jahren kamen die 35-Millimeter-Filme in Akten, wurden dann von den Vorführern auf eine große Rolle zusammengeklebt und in den Projektor eingefädelt. Heute erhält das Kino die Filme auf einer Festplatte, die dann auf den Server überspielt wird. Auch diese Technik ist in Oberviechtach längst Standard. Vor vier Jahren wurde digitalisiert: Im großen Saal mit 3-D-Projektion und einer über 30 Quadratmeter großen Leinwand. Pösl spielt an manchen Tagen sechs verschiedene Filme. Er selbst bekommt davon nur "Mosaiksteinchen" mit, wenn er beim Kontrollgang zwischen Vorführraum und Saal pendelt. Meist nutzt er die Zeit bis zum nächsten Start zum Kochen, denn schließlich gibt es auch noch die Gastronomie im Hause Pösl.

Sportlich geht es dann zwischen den Filmen zu. Manchmal bleiben nur fünf Minuten, um die Popcorn-Spuren in den zwei Sälen zu entfernen. Das Lob "so sauber wie bei euch ist es nicht überall" spornt zusätzlich an. Interessant wird es im Foyer, wenn sich Besucher oft nach Jahrzehnten an der Kinokasse treffen und von der langjährigen Schulsekretärin Maria Pösl gleich wieder erkannt werden. Da werden so manche Erinnerungen an frühere Zeiten wach.

Bereits jetzt organisiert Karl Pösl die nächste Schulkino-Woche (27. bis 31. März 2017). Rund 30 Schulen haben dafür ihr Interesse bekundet. Doch zunächst ist das Oberviechtacher Lichtspielhaus bei zwei Bundesstarts dabei: "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" (ab 16. November) und "Rogue One: A Star Wars Story" (ab 15. Dezember).

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Weitere Informationen:

www.kino-oberviechtach.de

HitlisteDer erfolgreichste deutsche Film war heuer "Bibi und Tina - Mädchen gegen Jungs", gefolgt von der Komödie "Der geilste Tag". Die Hitliste 2016 im Kino Pösl führen bis jetzt "Schweinskopf al dente", "Findet Dorrie" und "Pets" an. (ptr)


Das Kino war schon immer mein Leben. Schon mit zehn Jahren habe ich das Vorführen gelernt.Karl Pösl
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