Thekla Binder ist fasziniert vom Duftveilchen
Veilchenblau in den Frühling

Der Wintergarten am Ortsrand von Schönthan ist die Kreativ-Werkstatt von Kräuterpädagogin Thekla Binder. Tassen mit Duftveilchen ziehen den Blick an, der sich bis zum Frauenstein weitet. Bilder: Portner (3)
Freizeit
Oberviechtach
08.04.2016
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Alles mit Veilchen: Öl, Likör, Wein, Gelee und Salbe. Getrocknete Blüten landen im Teewasser, und frische Blüten hat Thekla Binder mit Apfelessig angesetzt. Die Veilchenwurzel wird gerne zahnenden Babys zum Beißen gegeben.

Ein Tag im Frühling ohne Veilchenduft ist ein verlorener Tag. Dieses Zitat von Paracelsus gilt auch für Thekla Binder. Denn die Kräuterpädagogin erlebt die Monate März und April veilchenblau - nüchtern betrachtet!

47 Jahre arbeitete Thekla Binder im Büro, davon 27 Jahre im Pfarrbüro in Oberviechtach. Jetzt, in der Altersteilzeit, ist der Wintergarten mit Fernblick über Wiesen und Weiher bis hin zum Frauenstein ihre Werkstatt. Beim "Hausbesuch" im Ortsteil Schönthan ist der Tisch gedeckt: Veilchentee, Madeleines mit Veilchenzucker und in Schmucktassen gepflanzte Veilchen. Diese sind ein Symbol für Frühling, Liebe und Treue, aber auch für Demut und Bescheidenheit. Doch die Pflanze ist sehr zäh und zielstrebig, wie die Hausherrin später berichtet.

"Natur wird Kunst." Dieses Motto ergab sich 2013 beim einjährigen Zertifikatslehrgang "Kräuterpädagogik" an der Landvolkhochschule Niederalteich. Dekorative Kräuterkunde fasziniert sie seitdem. Thekla Binder sammelt nicht nur Wildkräuter und -blumen für die Küche, sie trocknet diese auch und füllt sie in Duftkissen und -säckchen oder bindet Kränze. Ein Tipp: "Wenn die Kissen nicht mehr duften, einfach in die Sonne oder auf einen heißen Stein legen!"

Duftiger Liebling


"Mehr Heilkraft als in mancher Apotheke steckt in unserer Natur", sagt die gelernte Sekretärin und der Blick fällt auf das Duftveilchen. Schon in ihrer Kindheit in Pleystein sei sie davon fasziniert gewesen: "Ich liebte es, Sträußchen mit Veilchen zu pflücken!" Diese dufteten verführerisch und entfalteten - kühl gestellt - sehr lange ihre Schönheit. Auch die Oma sei schon eine Art "Kräuterhexe" gewesen, weshalb der Wunsch reifte, nach der aktiven Berufszeit mehr über die Natur zu erfahren. Auch nach dem Lehrgang blieb das Veilchen der Liebling, welches jetzt nicht nur als Dekoration auf dem Esstisch landet, sondern zur Freude von Ehemann Alfons auch in vielen leckeren Speisen und Getränken.

Zwei Rezepte


Erst diese Woche hat sie Essig angesetzt, der im kräftigen Rot ins Auge sticht. Das Rezept: Drei Handvoll Veilchenblüten (frisch und im Schatten gepflückt) mit 1/2 Liter Apfelessig in eine Flasche füllen und acht Wochen ziehen lassen. Luxuriös ist der Veilchenzucker als Deko-Streuzucker zu Vanilleeis oder für Madeleines (französisches Gebäck): 2 EL gezupfte Blüten ohne Stiele mit 4 EL Zucker im Mörser zermahlen, die feuchte Masse einige Stunden trocknen lassen und bei Bedarf noch einmal im Mörser brechen. Zu schön zum Essen: Der Zucker sieht nicht nur toll aus, er riecht sogar nach Veilchen!

Die Heilkraft der Natur Die violetten Duftveilchen blühen im März und April in Garten oder Wiese (Halbschatten). Ein alter Aberglaube sagt, dass man das ganze Jahr gesund bleibt, wenn man die Blüten der ersten drei Veilchen isst, die man im Freien findet. "Das Duftveilchen hat den wissenschaftlichen Prüfmethoden standgehalten und wurde 2007 zur Heilpflanze des Jahres gekürt", berichtet Thekla Binder. Hildegard von Bingen wusste schon früh um die Heilkraft und setzte das Veilchen bei Augenleiden, als Tee zum Gurgeln (gegen Verschleimung) oder den Wein bei Trübsinnigkeit (Depression) ein. Sebastian Kneipp behandelte Geschwüre und gichtige Gelenke und heute weiß man auch um die Heilung von Narben und Akne sowie weiteren Vorzügen der ätherischen Öle.

Die stolze Oma von zwei Enkelkindern genießt zwar sehr gerne die Natur - als baldige "Rentnerin" aber auch den Umgang mit Menschen. Bei ihren Vorträgen über Veilchen geht sie auf die Geschichte der Pflanze ein, berichtet von der medizinischen Bedeutung und von den kulinarischen Einsatzmöglichkeiten in der Küche. Ab und zu bietet sie auch eine Kräuterwanderung auf der eigenen Ökowiese an der Ascha an. "Es macht Spaß, Wissen weiterzugeben und zu sehen, wie sich die Leute darüber freuen, mehr über die Heilkraft der Natur zu erfahren." Auch sie selbst bildet sich laufend weiter: Derzeit interessiert sie sich für Knospen.
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