Alexander Horn gibt Einblicke in das Berufsbild des Fall-Analytikers - "Profiler" im Dienst
Profiler enttarnt "Maskenmann"

Obwohl in München schon ein neuer Fall auf den Profiler wartete, nahm sich Alexander Horn noch Zeit zum Signieren.
Kultur
Oberviechtach
30.09.2015
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Wenn er seiner Arbeit nachgeht, dann blickt Alexander Horn oftmals in "menschliche Abgründe". Wie er aber trotz der Unfassbarkeit der Verbrechen erfolgreiche Polizeiarbeit leistet, macht das Berufsbild des Fall-Analytikers deutlich.

Die Berufsbezeichnung "Profiler" hört er nicht gerne, obwohl dieser Begriff aus amerikanischen Krimi-Serien dem Berufsfeld des polizeilichen Fall-Analytikers entspricht, wie Alexander Horn seine Tätigkeit beim Münchner Polizeipräsidium bezeichnet. Beim Elternforum des Ortenburg-Gymnasiums (OGO) berichtete der Erste Polizeihauptkommissar über seine berufliche Tätigkeit, die oft genug ein "Blick in die menschlichen Abgründe" darstellt. Er selbst spricht aber von der "Logik der Tat" als Bestandteil seiner von Objektivität geprägten beruflichen Tätigkeit.

Nachtschicht

Fast wäre aus dem Besuch in Oberviechtach nichts geworden, denn am Nachmittag kam ein neuer Fall auf den Tisch. Alexander Horn fuhr trotzdem ans OGO und legte dann ab 23 Uhr eine Nachtschicht ein, als er wieder zurück in München war. Beratung von Sonderkommissionen, Serienerkennung, Betreuung und Überwachung gefährlicher Sexualstraftäter, Zusammenarbeit mit Therapeuten und eigene Forschungsarbeit sind seine Aufgabengebiete bei der Polizei. Dem Titel des Vortrags "Die Logik der Tat" liegt eine Buchpublikation von Alexander Horn zugrunde, die an diesem Abend vom Buchgeschäft Forstner angeboten und trotz des zeitlichen Drucks vom Autor vielfach signiert wurde.

Bildung und Alter

Horn sieht sich als Dienstleister für seine Kollegen: "Wir kommen als externe Berater der Ermittler aus der Objektivität." Eine sachliche Analyse im Dreierteam macht seine Arbeit aus. Dabei werden aus dem Verhalten des Täters Rückschlüsse auf seine Persönlichkeit gezogen, beispielsweise auch auf seinen Bildungsgrad oder sein Alter. Auf eine Nachfrage aus dem Publikum, wie die Altersanalyse erfolgt, wollte er keine konkrete Antwort geben. Die Erhebung forensischer Daten am Tatort oder die Erstellung eines Opferbildes gehören ebenfalls zum Aufgabenfeld. Die empfangenen Informationen werden in einer abgestuften Form als Fakten, Wahrnehmungen oder Hypothesen klassifiziert.

"Wie verarbeiten Sie diese schlimmen Dinge aus dem Berufsleben?", wollte ein Fragesteller in der Gesprächsrunde am Schluss der Veranstaltung wissen. "Ich wende mich außerhalb des Berufs den schönen Dingen zu", lautete die lapidare Antwort. Extremsport werde bei vielen Profilern als Kompensation gesehen.

Erzieher mit Doppelleben

Ein herausragender Fall Horns war innerhalb der Soko "Dennis" der "Maskenmann", der in den 90er Jahren in Norddeutschland und dem westlichen Ausland in 45 Fällen Jungen sexuell missbrauchte und in diesem Zusammenhang auch etliche Morde beging. Er drang nachts in Heime und Zeltlager ein und entführte und missbrauchte seine Opfer. Der Mann mit der Maske erschien wie ein lebendig gewordener Alptraum.

14 Jahre lang war ihm der Münchner Profiler auf der Spur, bis er den Erzieher, der ein Doppelleben führte, enttarnte. Horn und sein Team kamen darauf, dass hinter den Morden 1992, 1995 und 2001 ein und derselbe Täter stecken könnte. Einen ähnlichen Erfolg verbuchte das Team um Horn auch bei den NSU-Morden, deren rechtsradikaler Hintergrund erkannt wurde.

Seminar "Forensik"

Schulleiter Günter Jehl bedankte sich beim Referenten, der auch auf Initiative des Projektseminars "Forensik" ans OGO gekommen war. In diesem fächerübergreifenden Seminar unter Leitung von Matthias Schaller und Stephan Sturm werden Verbrechen aus den Blickwinkeln Literatur und Biologie thematisiert.
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