Aufführung von Eisenbarth
Aderlasser und Alchimisten am Werk

Der junge Eisenbarth (Tobias Ehrenfried) befindet sich in der Phase der Etablierung. Er wird von seinem agilen Gehilfen Martius (Tobias Heindl) angetrieben. Bild: Georg Lang
Kultur
Oberviechtach
28.05.2016
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Es fließt viel Blut und es gibt Opfer der ärztlichen Kunst. Die pseudowissenschaftlichen Skurrilitäten der Quacksalber bestimmen das Geschehen beim "Jahrmarkt der Scharlatane", wie die Station zwei des Doktor-Eisenbarth-Festspiels betitelt ist.

Die Premierenbesucher erleben eine völlige Neuinszenierung des Regisseurs Michael Eckl, der auch das Textbuch verfasst hat. Das neue Stück nimmt die Zuschauer mit auf einen Spaziergang durch die Stadt zu fünf Spielorten. Unter dem Motto "Eisenbarth erleben" werden die Zuschauer in das Spielgeschehen integriert, wenn die Studenten sie am Anfang zum Mitsingen des Spottlieds animieren oder später gleichsam zu Eisenbarths Tross gehören und dann mit dessen Gefolge auf dem Marktplatz einziehen.

In die Vergangenheit


Das Spiel beginnt vor der Stadtpfarrkirche auf dem Marktplatz, wo zwei Studenten auftauchen und das bekannte Lied anstimmen. Dieses unterbricht dann jäh der alte Eisenbarth, der über das schändliche Lied schimpft und auf seine Taufe in Oberviechtach zurückblendet. In der anschließenden Spielszene treten neben den Eltern Eisenbarths auch die authentischen Taufpaten auf, bevor dann die Szenerie wechselt. In der zweiten Station, angesiedelt auf dem Platz hinter dem benachbarten Rathaus, finden sich die Zuschauer in der Barockzeit wieder. Ein Alchimist, ein Aderlasser und ein Metzger, der sich als Steinschneider versucht, bestimmen mit pseudowissenschaftlichem Gehabe, aberwitzigen medizinischen Aktionen und egoistischem Geschäftssinn das Geschehen. Die spektakulären Szenen, die sich auf drei Bühnen abspielen, haben einen hohen Unterhaltungswert, bevor das Geschehen in der Szene drei am Marktweiher zum (noch) "armen Heiler" Eisenbarth wechselt, der zusammen mit seinem Gehilfen Martius ein dürftiges Dasein fristet.

Das alles ändert sich, als er den angesehenen und reichen Ratsherrn Zacharias Rothenbach durch einen Starschnitt heilt. Die geschäftstüchtigen Scharlatane versuchen, den medizinischen Erfolg zwar zu verhindern, was ihnen aber letztlich dank des Landgrafens von Hessen-Kassel und seiner Gemahlin nicht gelingt, die ihre Sympathie für den jungen Heiler entdeckt hat.

Im Geschehen


Schließlich zieht Eisenbarth mit seinem Tross an Gauklern und Musikanten wieder auf dem Marktplatz ein, wo die Phase seiner Etablierung als bedeutender barocker Wanderarzt beginnt. Mit der Inszenierung beschreiten die Oberviechtacher Festspiel-Akteure unter Leitung von Martin Zimmermann neue Wege. Die Nähe des Publikums zum Spielgeschehen beinhaltet moderne dramaturgische Elemente, weg vom passiven Betrachten.

Die teilweise aberwitzigen Motive aus der Barockzeit, die aber authentisch sind, trumpfen mit Unterhaltungswert auf und bieten die Möglichkeit, die fragwürdigen medizinischen Methoden der Scharlatane dem seriösen Wirken Eisenbarths als bedeutenden Chirurg seiner Zeit gegenüberzustellen.
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