Barockes Spektakel unterwegs

Die fünf Szenen werden an wechselnden Schauplätzen dargeboten: Neben Beginn und Ende am Marktplatz geht es zunächst zum Platz hinter dem Rathaus (Bild) und anschließend zum Marktweiher und hinauf zur Bleichangerkapelle. Bilder: lg (3)
Kultur
Oberviechtach
20.05.2016
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Eisenbarth (Tobias Ehrenfried) behandelt mit Unterstützung des Gehilfen Martius (Tobias Heindl) den blinden Ratsherrn Zacharias Rothenbach (Klaus Habl).

Die Besucher des Eisenbarth-Festspiels 2016 sind dem barocken Geschehen ungewöhnlich nahe. An fünf Spielplätzen werden Stationen aus Eisenbarths Leben, aber auch das abenteuerliche Zeitkolorit zum Besten gegeben.

Eine völlige Neuinszenierung erwartet die Besucher des Doktor-Eisenbarth-Festspiels, dessen fünf Szenen an fünf wechselnden Schauplätzen dargeboten werden. Der Marktplatz, der Platz hinter dem Rathaus, der Marktweiher, die Bleichangerkapelle und zum Schluss wieder der Marktplatz sind die Spielorte, zu denen das Ensemble und die Zuschauer unter Musikbegleitung ziehen. Das Publikum gehört dann gleichsam zum Tross des berühmten Wanderarztes.

Die Premiere des faszinierenden Barockstücks an Fronleichnam ist ausverkauft. Aber das gesamte darauffolgende Wochenende wird die Wanderinszenierung noch dreimal dargeboten. Pro Vorstellung können etwa 150 Zuschauer das Spektakel verfolgen, dessen Abendvorstellungen jeweils um 20 Uhr beginnen, also eine Stunde früher als das traditionelle Festspiel der Vergangenheit. Auch wenn dieses Jahr nicht die raumfüllende Tribüne am Marktplatz die Festspielzeit ankündigt, so sind es die Bühnenaufbauten an den verschiedenen Spielorten, etwa vor der Bleichangerkapelle, die auf die bevorstehende barocke Inszenierung verweisen. Neu ist heuer auch der zum Einsatz kommende Technikwagen, an dem Christoph Dirnberger und Tobias Frauendorfer das Spielgeschehen begleiten, das unter dem Motto "Eisenbarth erleben" steht.

Der arme Heiler


Natürlich bildet auch beim neuen Stück, das Regisseur Michael Eckl unter Zuarbeit von Dr. Florian Waldherr und Dr. Reiner Reisinger geschrieben hat, die Historie von Johann Andreas Eisenbarth den Mittelpunkt. Mit dessen Taufe und dem Auftritt der Taufpaten Andreas Wilhelm von Satzenhofen und Richter Johann Schwertführer beginnt die erste biografisch geprägte Station.

Alchemisten, Aderlasser und sogar ein brutaler "Metzger" haben dann aber als medizinische Scharlatane in der zweiten Spielszene hinter dem Rathaus das Sagen. Dort erwartet die Zuschauer eine imposante Kulisse für das barocke Treiben, das sich sowohl in den sozialen Niederungen der Zeit abspielt als auch auf der prunkvollen Adelsebene des Landgrafen von Hessen-Kassel. Bei den spektakulären Aktionen dieser Szene kommt der Unterhaltungswert nicht zu kurz. Martius, Eisenbarths Gehilfe und Weggefährte, der einst Pankraz hieß, mischt hier mit, aber auch Schergen mit geheimnisvollen Pestschnäbeln, verschiedene Opfer der Kurpfuscher sowie der Ratsherr Zacharias Rothenbach mit seiner Tochter sorgen für Spannung und manche dramaturgische Überraschung.

Zukunft im Auge


"Der arme Heiler" ist die Szene drei am Marktweiher überschrieben, wo das Werben des Martius für seinen Herrn ebenso ins Blickfeld gerät wie dessen Anwendung der selbst erfundenen Starstichnadel. Die Kur wird aber durch die brutal auftretenden Scharlatane der Szene zwei gestört und Eisenbarth wird verhaftet und vor Gericht gezerrt, das vor der Bleichangerkapelle in Szene gesetzt wird. Bei Eisenbarths Triumph kommt dem Kolping-Spielmannszug (Leitung Reinhard Lößl) und den Gauklern (Leitung und Einstudierung Michael Teplitzky, Johannes Niebauer) eine tragende Funktion zu.

Für die Auftaktszene stehen für alle 150 Zuschauer am Marktplatz Sitzplätze bereit. Etwa eine Stunde vor Spielbeginn kann das Publikum dort bereits eine Bewirtung genießen, die dann nahtlos in das Spielgeschehen übergeht. Auch hier sind die Zuschauer unmittelbar in das Spielgeschehen integriert, wenn die Studenten Perceo, Josch und Jux mit ihrem Schmählied Eisenbarths Geist auf den Plan rufen.

Festspielleiter Martin Zimmermann ist zuversichtlich, dass die neue Idee mit einer Mischung aus historischer Authentizität und hohem Unterhaltungswert gut ankommen wird. Somit bietet die neue Inszenierung, die auf seiner Konzeption beruht, eine Möglichkeit, dass Oberviechtach nicht nur im Kreis der ostbayerischen Festspielstädte etabliert bleibt, sondern auch künftig das Leben und Wirken von Johann Andreas Eisenbarth publikumswirksam dargeboten werden kann.

Termine und KartenPremiere ist an Fronleichnam, 26. Mai, 20 Uhr. Weitere Aufführungen folgen am Freitag, 27. Mai, 20 Uhr, Samstag, 28. Mai, 20 Uhr sowie eine Nachmittagsvorstellung am Sonntag, 29. Mai, 16 Uhr. Karten zum Preis von 11 Euro gibt es unter www.oberviechtach.de (Festspiel), unter Telefon 09671/307-13, direkt im Rathaus, Nabburger Straße 2 oder an der Abendkasse am Marktplatz. (lg)
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