CSS Oberviechtach: Nahtoderfahrungsgruppe macht Mut
Keine Angst vorm Sterben

Anton Huber mit seiner Klangschale inmitten der ehrenamtlichen Hospizbegleiter. Koordinatorin Birgit Wölker (vorne, Vierte von links) bedankte sich beim "Mutmacher" für den kurzweiligen Vortrag. Bild: Portner
Kultur
Oberviechtach
01.04.2015
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Sterben, Tod, Abschied und Trauer sind ganz normale Themen für Hospizbegleiter. Einer davon ist der Schreiner Anton Huber. Er krempelte sein Leben nach einer Nahtoderfahrung komplett um und appelliert als "Mutmacher" zur Entschleunigung des Alltags. Zum Tod hat er eine ganz eigene Beziehung.

Sie wachen ganze Nächte am Sterbebett und werden mit Ausnahmesituationen in den Trauerfamilien konfrontiert. Für die ehrenamtlichen Hospizhelfer ist dies nicht immer leicht wegzustecken. Ein kleiner Ausgleich sind die Treffen in der Gruppe, wozu Zenta Ruml und Birgit Wölker, die beiden Koordinatorinnen der Hospizinitiative der Caritas-Sozialstationen, kürzlich in die Räume der CSS Oberviechtach geladen hatten.

Wege zum Leben

Diesmal war Anton Huber, Schreinermeister und "Mutmacher" aus dem niederbayerischen Kirchdorf zu Gast. Sein Thema: "Wege zum Leben", gespickt mit einem Erfahrungsbericht seiner Nahtoderfahrung im Jahr 2003. "Ihr seid eine coole Truppe", freut sich "der Anton" über die warmherzige Atmosphäre im Raum. Auch er ist seit 2009 Hospizbegleiter, seit zwei Jahren Trauerbegleiter und Gründer einer Nahtod-Erfahrungsgruppe in Augsburg. "Ich sehe den Menschen, und nicht die Religion oder Gesellschaftsstruktur", sagt er und stellt klar: "Es ist meine Sicht der Dinge, kein Dogma." Ungeschminkt und ehrlich breitet der 49-Jährige seine Lebensgeschichte aus. Von prägenden Eindrücken der Kindheit, Schreinerlehre, Holztechniker-Studium, Hausbau, Heirat und Kind. Er macht sich selbstständig - "eine Wahnsinnsbelastung".

Heute hat alles Sinn

"Bis zu meinem Nahtoderlebnis hatte ich viel Angst. Heute hat alles seinen Sinn - nur verstehen muss und kann man nicht alles.", sagt Anton Huber und kommt zum "Tag X", dem 23. August 2003. Bauchspeicheldrüsen-Entzündung, Luftröhrenschnitt, künstliche Beatmung. Über Nacht reißt er die Schläuche heraus, es sammelt sich Wasser in der Lunge. Was er jetzt erzählt, ist seine Erfahrung - darauf legt er Wert, "denn jeder stirbt seinen eigenen Tod". "Es ist wie die Geburt in eine andere Welt - große Räume, schmale Gänge. Ich atmete Wasser und bin gesurft. Gefühlsmäßig waren meine verstorbene Mama und Oma da." Pause. Anton Huber legt eine CD ein und auf der Leinwand zieht ein Farbenrausch ins Innere des Seins. Danach schweben die Anwesenden beim Filmausschnitt "Contact" mit Jodie Foster durch die Galaxien. "Alles passiert gleichzeitig und alles ist verbunden. Und da war ich drin!", beschreibt er das ungeheuerliche Gefühl.

Neun Monate im Krankenhaus

Diese tiefe Verbundenheit mit allem was ihn umgibt, prägt den Schreiner heute noch. "Ich nehme mich selbst in Liebe an. Dazu habe ich lange gebraucht", erklärt er. Neun Monate war er damals im Krankenhaus, doch danach machte er weiter wie zuvor. 2007 bekam er Diabetes. "Als Folge meines Handelns", sagt Anton. Erst ab jetzt entschleunigt er den Alltag, achtet auf seinen Körper. Er erklärt, wie sich seine Wertigkeiten verändert haben und rät, den Fokus auf schöne Dinge zu legen, ganz nach dem Motto: "Ich kann die Welt nicht retten." Er setzt auf Toleranz und Einfachheit: "Meine Krankheit hat mich gelehrt, dass sie nur ein liebevoller Hinweis war, mein Leben zu leben und nicht das der Anderen!"

Ein neues Leben

Die Nahtoderfahrung wird für ihn schließlich zur Grundlage eines glücklichen und erfüllten Lebens. Der Schreiner bezeichnet sich jetzt als "Mutmacher" und gibt Seminare zur Entschleunigung, beschäftigt sich mit Seelenwanderungen und Klangschalenmassagen. "Ich weiß, irgendetwas Weises ist um uns rum und dem vertraue ich." Für Anton ist der Himmel real und auch für die Mitglieder seiner Erfahrungsgruppe in Augsburg - auch wenn diese in ganz unterschiedlichen Bildern von der "anderen Welt" berichten.
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