Festspiel in neuer Inszenierung
Mit Eisenbarth durch die Stadt

Eisenbarth (Tobias Ehrenfried) wird in Ketten gelegt, vorgeführt von Regisseur Michael Eckl.
Kultur
Oberviechtach
12.04.2016
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Szenenprobe am Kirchenaufgang mit Stammspielern (von links) Meister Casco (Ludwig Berger junior), Pfarrer Johann Spengher (Ludwig Berger senior), Ratsherr Zacharias Rothenbach (Klaus Habl), dessen Tochter Franziska Rothenbach (Lisamarie Berger), Johann Andreas Eisenbarth (Tobias Ehrenfried) und Landgraf Karl von Hessen-Kassel (Michael Trapp). Bilder: lg (2)

Liebe, Eifersucht, Missgunst, Betrug, Krankheiten und Tod sind Themen der Neuinszenierung des Doktor-Eisenbarth-Festspiels. Regisseur Michael Eckl verspricht ein spektakuläres barockes Event, das aufhorchen lässt.

Auf vier Schauplätzen dürfen sich heuer die Besucher des Oberviechtacher Festspiels einstellen, für das traditionsgemäß an Fronleichnam zur Premiere geladen wird. "Eisenbarth erleben" lautet das Motto der diesjährigen Neuinszenierung, bei der die barocke Welt als Hintergrund von Eisenbarths biographischen Stationen einen stärkeren Akzent erhält, als es beim bisherigen Spiel der Fall gewesen ist.

Taufe und Jahrmarkt


Die Abendvorstellungen beginnen bereits um 20 Uhr, also eine Stunde früher als die Darbietungen in den zurückliegenden Jahren. Der Auftakt zum faszinierenden Spektakel erfolgt auf dem Oberviechtacher Marktplatz vor der Taufkirche Eisenbarths mit dem Auftritt der drei Studenten Perceo, Josch und Jux, die das bekannte Schmählied anstimmen. Ludwig Berger senior wird als Pfarrer Johann Spengher in Anwesenheit der bekannten Zeugen das Kind Eisenbarth taufen. Dann verlagert sich das Geschehen hinter das Rathaus, wo die Besucher eine imposante barocke Kulisse erwartet. "Jahrmarkt der Scharlatane" ist diese Szene umschrieben. Kurpfuscher, Scharlatane und Gesindel geben hier den Ton an. Selbst die Landgräfin Amalia (Jacqueline Hötzel) fällt auf den "Meister Alchemiste" herein.

Regisseur Michael Eckl will in dem neuen Stück bewusst die Gegensätzlichkeit der Barockzeit einfangen. Es ist die Zeit der prächtigen Gebäude, des Stuck, der traumhaften Malereien und der klanggewaltigen Musik. Neben dieser zeitlosen Schönheit gab es aber auch Armut, Krankheit und Ausbeutung. Magie, Aberglauben, die Ausläufer der Pest und skurrile medizinische Behandlungsmethoden bestimmen das Leben der Menschen. Das Oberviechtacher Eisenbarth-Ensemble öffnet einen Blick in diese ambivalente Epoche.

Vor Gericht


Auch der Protagonist Eisenbarth muss eine schwere Zeit durchmachen. Er wird verhaftet und vor Gericht gestellt. Der Marktweiher und die Bleichangerkapelle sind weitere Spielstationen, aus denen aber der berühmte Oberviechtacher Sohn, heuer dargestellt von Tobias Ehrenfried, als erfolgreicher Medicus hervorgeht. Er ist das Gegenstück zu den suspekten Quacksalbern mit ihren aberwitzigen Behandlungsmethoden und zwielichtigen Rezepturen.

Am Schluss des Stücks zieht Eisenbarth mit großem Gefolge als hoch geschätzter Wanderarzt auf dem Marktplatz ein, wo einst der Ausgangspunkt seines episodenreichen Lebens war. Die Gaukler und Artisten des Ortenburg-Gymnasiums sowie die Bläser und Trommler der Kolpingmusik Oberviechtach übernehmen insbesondere in der Schlussszene, aber auch vorher schon prägende Aufgaben. Neid, Missgunst, Liebe, Eifersucht, Ängste und Bewunderung sind zeitlose Themen. Für den Verfasser des neuen Stücks, Michael Eckl, waren sie die Rezeptur für eine spannungsgeladene und unterhaltsame Inszenierung.

Dr. Florian Waldherr, bisher profilierter Eisenbarth-Darsteller, und Dr. Reiner Reisinger, Vorsitzender des Festspiel-Vereins, leisteten bei der Erstellung des neuen Textbuches, wertvolle Zuarbeit. Beide wirken auch bei der Neuinszenierung neben zahlreichen anderen bewährten Spielern mit. Dr. Reisinger agiert in seiner traditionellen Rolle als Eisenbarths Geist, während Dr. Florian Waldherr als Meister Abramo den alchemistischen Künsten zugetan ist. Eisenbarths Gehilfe und Weggefährte Martius wird von Tobias Heindl gespielt.

Derbe Späße


Das Ensemble unter Festspielleiter Martin Zimmermann verspricht den Besuchern neben einem hohen Maß an Authentizität im Hinblick auf Eisenbarths Leben auch Einblicke in finstere Machenschaften, derbe Späße und Betrügereien der schillernden Barock-Epoche. Dargeboten wird das Spektakel an den vier verschiedenen Szenenorten mit bis zu drei Spielflächen. Neben den geschilderten Inhalten lassen zahlreiche neue Figuren und phantastische Bühnenbilder eine spannende Inszenierung erwarten. Vor den Aufführungen können sich die Zuschauer ab 19 Uhr im Theaterbereich mit entsprechender Bewirtung auf das Spiel einstimmen. (Verlosung/Hintergrund)

TerminePremiere: Fronleichnam, 26. Mai, 20 Uhr. Weitere Aufführungen folgen am Freitag, 27. Mai, 20 Uhr, Samstag, 28. Mai, 20 Uhr sowie eine Nachmittagsvorstellung am Sonntag, 29. Mai, 16 Uhr. Karten: www.oberviechtach.de (Rubrik Festspiel), unter Telefon 09671/307-13 oder im Tourismusbüro, Nabburger Straße 2. (lg)
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