Namenstag der hl. Kümmernis - Figur in zwei Kirchen
Heilige mit Bart

Die Heilige Kümmernis in blauem Gewande in der Kirche von Pertolzhofen. In der Stadtpfarrkirche Oberviechtach trägt die Figur ein rot-braunes Kleid. Bild: te
Kultur
Oberviechtach
20.07.2016
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Oberviechtach/Pertolzhofen. "Aussehen wie die heilige Kümmernis", oder "Sein wie die heilige Kümmernis", das bedeutet, sich um alles kümmern, überall eingreifen, sich fremde Sorgen zu eigen machen oder auf ihre besondere Hilfe bei Kummer und Not hinweisen. Landläufig werden noch heute immer wieder solche Aussagen gemacht, die auf "die Heilige mit dem Bart" zurückzuführen sind. Denn der Legende nach scheint der Name der Volksheiligen auf ihre besondere Hilfe bei Kummer und Not hinzuweisen.

Kümmernis, Wilgefortis, auch Kummernus oder Caritas wird die Märtyrerin genannt, die in der klassischen Darstellung als Gekreuzigte mit Bart gezeigt wird. In dieser Weise findet man sie auch in den Kirchen von Oberviechtach und Pertolzhofen als Skulptur.

Auf der Internetseite www.heiligenlexikon.de heißt es in der Legende aus dem 15. Jahrhundert, dass die heilige Kümmernis ursprünglich die Tochter eines heidnischen Königs von Portugal war. Die Christin bat Gott - um der Vermählung mit einem heidnischen Prinzen zu entgehen - ihr Aussehen zu entstellen. Als ihr daraufhin ein Bart wuchs, ließ der erzürnte Vater die Widerspenstige mit Lumpen bekleidet ans Kreuz schlagen, damit sie ihrem himmlischen Bräutigam gleiche. Die Sterbende predigte drei Tage lang vom Kreuz herab und bekehrte viele Menschen, darunter auch ihren Vater. Er ließ sie nun in kostbare Stoffe hüllen und errichtete nach ihrem Tod eine Kirche zur Buße.

Mit der Legende der Wilgefortis verbunden ist auch die Sage von dem armen Spielmann, dem sie als Braut von König Oswald von Northumbrien ihren goldenen Schuh zuwarf, als er vor ihrem Bild spielte. Er wurde wegen Diebstahls zum Tode verurteilt, durfte vor der Hinrichtung aber noch einmal vor der Heiligenfigur spielen. Zum Beweis seiner Unschuld löste sich nun auch der zweite silberne Schuh von ihrem Fuß und rollte bis zu den Füßen des Geigers.

Ein gewisser "Kümmerniskult" verbreitete sich von den Niederlanden ausgehend seit dem 15. Jahrhundert auch im deutschsprachigen Raum, besonders in Bayern und Österreich. Jedoch nur noch selten finden sich Zeugnisse dieser Verehrung in unseren Kirchen. Der Kult erreichte in der Barockzeit seine Blüte und ist dann im 20. Jahrhundert in Mitteleuropa erloschen. Die katholische Kirche gedenkt der Heiligen am 20. Juli. Sie wird als Patronin gegen Augenleiden, Gebärmuttererkrankungen, Haarausfall und Unfruchtbarkeit verehrt.
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Joachim Schäfer aus Stulln | 27.07.2016 | 16:42  
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