Neues Museum im Landgasthof in Lukamammer
Hammerwerk gibt Geheimnis frei

Herbert Brunner beim Säubern der Utensilien aus dem ehemaligen Hammerwerk. Tochter Andrea Braun beobachtet die Arbeiten als Projekt-Trägerin interessiert. Bilder: bgl (3)
Kultur
Oberviechtach
28.01.2016
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Restauriert wurde auch eine Tafel der ehemaligen Firma Kreuzer, welche das Hammerwerk früher betrieb.

Im 14. Jahrhundert war es eine Waffenschmiede, später entstanden überwiegend Gebrauchswerkzeuge wie Schaufeln und Pflugschare. In der Neuzeit ist Lukahammer durch seinen Landgasthof bekannt, der mit dem neuen Museum "Hammerwerk & Eisenhütte" in der Vergangenheit wandelt und dabei interessante Details ans Licht bringt.

/Lukahammer. Eine echte Bereicherung der Kulturgeschichte ist in der kleinen Ortschaft Lukahammer bei Pirkhof im Entstehen. Dabei geht es um die Aufarbeitung der Geschichte des ehemaligen Eisenhammers, bzw. des einstigen Hammerwerks. Dort wo jetzt die "Hammerschänke" als stattliche und attraktiv eingerichtete Ausflugsgaststätte mit Hotel zum Verweilen einlädt, existierte schon im 14. Jahrhundert ein eigenständiger Eisenhammer, welcher sich zunächst als Waffenschmiede einen Namen machte.

Schaufeln bis Spiegelglas


Im Verlauf der Jahrhunderte wurden aber meistens Gebrauchswerkzeuge wie Schaufeln, Pflugschare, Hammer oder sonstiges Werkzeug hergestellt. Im Jahr 1881 musste der Betrieb dem Neubau eines Hammerwerkes weichen. Werkzeuge und Utensilien aus dieser vergangenen Zeit können jetzt im Hammermuseum besichtigt werden. Herbert Brunner, der frühere Eigentümer des Landgasthofs, steckte zusammen mit seiner Familie viel Geld in dieses Vorhaben, welches vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) gefördert wurde. Projektträger für die Ausstellung "Hammerwerk & Eisenhütte" ist Tochter Andrea Braun.

Eine reichhaltige Geschichte rankt sich um die Vergangenheit von Lukahammer. Begonnen hat alles mit der Jahreszahl 1387 wie Dr. Reiner Reisinger herausfand. Am 7. Januar des Jahres wurde eine "Große Hammereinung" von "Wolffhart Ymmertewr mit dem hamer in der Langenaw" besiegelt. Sieben Jahre später verkaufte Konrad IV. von Paulsdorf den "hammer des Nymertewers" an Pfalzgraf Ruprecht II. von Wittelsbach. Eine weitere Erwähnung erfolgte 1488 in einem Leuchtenberger Lehenbuch: "Das dorf Garttenrewt und der Hamer doselbst (Lukahammer) geht alles von landgraffschaft zulehen".

Unter weiteren diesbezüglichen Einträgen fällt die Jahreszahl 1622 besonders auf, denn aus einer in diesem Jahr verfassten Amtsbeschreibung ist ersichtlich, dass Lukahammer zum Pflegamtsbereich Murach gehört. Nach dem allgemeinen Niedergang der Hammerwerke Ende des 18. Jahrhunderts entstand am Lukahammer ein Glas- und Polierwerk für Spiegelglas.

In einem weiteren urkundlichen Beleg aus dem Jahre 1810 stand unter anderem zu lesen, dass auf dem Anwesen Lukahammer, welches die Leinschlaggerechtigkeit innehat und dem Landgericht Neunburg vorm Wald untersteht, eine Mahlmühle und ein Nagel- und Waffenhammer betrieben wird. Um 1830 wurde das Landgut in 12 kleine Anwesen zertrümmert und 60 Jahre später das alte Hammerwerk am Stauweiher durch einen Neubau ersetzt. Mit dem Einhergang einer langsamen Technisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts erhielt das neue Werk sogar eine mechanische Werkstätte, worin Einrichtungen für Schleifwerke, kleine Wasserkraftwerke und Mühleneinrichtungen hergestellt wurden. Nach dem allgemeinen Niedergang der Glasschleifen nach 1918, wovon auch Lukahammer betroffen war, produzierte man mit Hilfe der Wasserkraft noch Holzwolle, bis auch hierfür kein Bedarf mehr vorhanden war und das ehemalige Hammerwerk sein endgültiges "Aus" hinnehmen musste.

Vom Hammerwerk zur Hammerschänke: Herbert Brunner ist geboren und aufgewachsen in Mitterteich. Im Jahr 1961 wurde er als Rekrut zur Bundeswehr eingezogen und landete als einer der ersten Soldaten in der neuen Grenzlandkaserne in Oberviechtach. Nach zwölf Jahren Dienstzeit wurde er 1976 aus dem Militärdienst entlassen und fasste gemeinsam mit seiner Frau Mathilde den Entschluss, in die Gastronomie einzusteigen. Sie bauten in der idyllischen Lage des Hammerweihers in Nähe des ehemaligen Hammerwerks eine Gaststätte mit dem Namen "Hammerschänke" auf.

Auch alte Pfennige


Jetzt gibt es hier auch eine das ganze Jahr über geöffnete Ausstellung mit früher im Hammerwerk erzeugten Werkzeugen und sonstigen Gebrauchsgegenständen aus vergangener Zeit. Zusammen mit dem "Hammermuseum" steht auch der Weltrekord-Bierkrug zum Besichtigen frei zur Verfügung. Als weitere Attraktion zieht demnächst auch eine seltene Münzensammlung in das neue Museum ein. Dabei handelt es sich um rund 200 Stück Pfennigmünzen aus dem frühen 15. Jahrhundert, welche im Sommer 2004 bei Kanalbauarbeiten in der Nähe des ehemaligen Hammerwerkes ans Licht kamen.

Roheisen für das HammerwerkBis in das 15. Jahrhundert wurde mehr als die Hälfte des Eisenerzes in kleinen Gruben im Tagebau abgebaut. Meist wurde das Erz aus der Oberpfalz, das mit 30 bis 50 Prozent einen verhältnismäßig hohen Eisenanteil aufweist, noch an der Abbaustelle (Raum Amberg, Sulzbach-Rosenberg) gewaschen, zerpocht, ausgeklaubt und gesiebt. Zur weiteren Aufbereitung röstete man das Erz in einem Ofen oder man ließ es im Freien liegen und Wind und Wetter darauf einwirken. Nachdem es zum Ort der Verhüttung gebracht war, erhitzte man das zerpochte Erz im "Zerrennherd" mit einem Gebläse. So bekam man einen Roheisenkuchen, die sogenannte "Zerrenluppe". Danach wurde beim "Frischen" oder "Verlöschen" die Luppe mehrfach im "Wellherd" erhitzt sowie nach und nach ausgeschmiedet. Verdichtet und von der Schlacke befreit wurde die Rohluppe so zu einem vorzüglichen, gut schmiedbaren Eisen.

Im Hammerwerk Lukahammer wurde dieses Roheisen nicht nur verarbeitet, sondern auch verhüttet. Dieses sogenannte "Halbzeug" kam in Form von Schienen und Stäben in den Handel. (bgl)
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