Ovigo präsentiert Kafka-Stück
Vollkommene Verwandlung

Mit viel Herzblut erarbeitete sich das Ovigo-Ensemble um Regisseur Florian Wein (Vierter von rechts) die anspruchsvolle Kafka-Geschichte "Die Verwandlung". Die Inszenierung ist ab dem 1. Oktober an fünf Terminen in Oberviechtach, Neunburg vorm Wald und Regensburg zu sehen. Bild: weu
Kultur
Oberviechtach
23.09.2016
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Florian Wein, Regisseur und Ovigo-Chef

"Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt." Nicht von ungefähr feiert gerade Franz Kafkas "Verwandlung" beim Ovigo-Theater Oberviechtach am 1. Oktober Premiere. Theater-Chef Florian Wein (30) erzählt von einer ungeheueren Aufbruchstimmung und einem besonderen Stück.

Warum hat sich Ovigo gerade Kafkas Verwandlung ausgesucht?

Florian Wein: Ich liebe Kafka und besonders diese spezielle Geschichte. Als Theatergänger wollte ich diesen Klassiker der Literatur unbedingt auf der Bühne sehen. Aber er wird kaum gespielt. Als ich mich selber immer mehr auf der Bühne engagierte, und mich dann aus der Sicht eines Regisseurs dafür interessierte, stellte ich fest, dass es noch niemand für die Bühne bearbeitet hatte.

Das hat mich auf den Plan gerufen. Ich hatte zwar zunächst Bedenken wegen der Rechte, aber der Stoff ist frei verfügbar. Also fing ich an zu schreiben. Diese Bearbeitung hat der Cantus-Verlag nun sogar in sein Programm aufgenommen.

Wie nah ist die Ovigo-Inszenierung an der absurden, witzigen und anspruchsvollen Original-Erzählung?

Es war mir extrem wichtig, extrem eng dran an der Vorlage zu bleiben. Den Zauber von Kafkas schönen Originalsätzen nicht zu verlieren. Das sprichwörtlich Kafkaeske. Anfangs fiel es mir sehr schwer. Während der Bearbeitung habe ich immer wieder im Reclam-Heft Passagen nachgelesen. Auch war dabei immer Kafkas Biografie im Hinterkopf. Seine Verbindung mit der Figur Samsa. Und immer mit dem Gedanken: Hätte es für die Hauptfigur Hoffnung geben können? Es ist aber keine Lesung, auch wenn es einen Erzähler gibt. Der greift zum Ende zudem auf besondere Weise ins Stück ein.

Dieser schwierige Entstehungsprozess setzt sich dann wahrscheinlich auf der Bühne fort ...

Die erste Leseprobe Mitte April war in der Tat sehr merkwürdig. Alle waren mit Feuereifer dabei, aber die Bilder, die beim Lesen entstanden, überrollten uns förmlich. Pures Kopfkino. Jeder im Ensemble war tief in seiner Rolle, wollte sie auf eigene Art interpretieren. Das hat das Stück unglaublich befruchtet. Wir alle wuchsen mit dem fordernden Stoff. Selbst jetzt mit der näherrückenden Premiere entwickelt sich das Stück immer noch weiter. Es ist großartig.

Weiterentwicklung ist das Stichwort. Auch das Ovigo steckt in einem Prozess des Wandels.

Das stimmt. Das Theater ist ja aus einer Schultheatergruppe am Ortenburg-Gymnasium hervorgegangen und hat sich unter Wolfgang Pöhlmann 2012 "emanzipiert". Seither ist es immer schneller gewachsen, ist immer professioneller geworden. Als ich es mit Julia Ruhland 2014 übernahm, haben wir das weiter vorangetrieben. Als Schauspieler beim Landestheater (LTO) konnte ich außerdem viel Profi-Know-how sammeln. Besonders der Austausch mit Till Rickelt (Anm: der künstlerische Leiter des LTO), der oft einen Rat parat hatte, hat mich weitergebracht. Die Nähe der beiden Theater ist eine Win-Win-Situation.

Auch wenn den Leuten ein Stück mal nicht so liegt, kommen sie wieder. Und sie gehen aus dem Theater und sagen: Das war mir zu verrückt, aber irgendwie gut.Florian Wein, Regisseur und Ovigo-Chef


Mittlerweile haben wir rund 60 Schauspieler. Dass wir für "Gott des Gemetzels" den Bayerischen Amateurtheaterpreis 2015 gewonnen haben, spornt uns weiter an. Im kommenden Jahr werden wir neben Wiederaufnahmen erstmals fünf neue Stücke auf die Bühne bringen. Darunter auch eine Profi-Inszenierung.

Ein professioneller Anspruch, der verfolgt und gefördert werden will. Was für Projekte stehen nun an?

Natürlich wäre ein eigenes Haus wichtig für unser Theater. Allein dafür, um unsere Kulissen, unseren Fundus unterzubringen. Viel lagert noch bei Julia, ein Teil sogar in meinem Kofferraum. Da würde ich mir von der Stadt Oberviechtach mehr Anerkennung und Unterstützung wünschen. Es gäbe interessante Leerstände. Außerdem wollen wir wie bei der "Verwandlung" um die Vorstellungen andere Kunstformen ansiedeln. Zudem bin ich auf der Suche nach lokalen Geschichten, die sich für die Bühne eignen.

Was ist das Besondere am Ovigo? Das Theater scheint trotz der kurzen Zeit bereits in der Theaterszene angekommen zu sein.

Ovigo füllt im Raum Schwandorf/Oberviechtach eine Lücke aus. Auch ist es unser Ziel schwierige, ungewöhnliche Stücke zu zeigen. Dramen, klassische Stücke, absurdes und experimentelles Theater. Das schätzen die Theaterfans. Natürlich kann ein Stück, das weiter weg vom Mainstream ist, auch mal schiefgehen. Es ist toll: Auch wenn den Leuten ein Stück mal nicht so liegt, kommen sie wieder. Und sie gehen aus dem Theater und sagen: Das war mir zu verrückt, aber irgendwie gut.

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Kartenwünsche mit Anzahl der Karten und Veranstaltungsort
per E-Mail an: tickets@ovigo-theater.de
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