Pfarrer Johannes Kiefmann hat Kriegerdenkmäler aus 200 Jahren untersucht
Wenn aus Helden Opfer werden

Dieses Kriegerdenkmal im Umfeld des Altenheims erinnert an die Toten aus den beiden Weltkriegen, listet aber keine Namen, sondern nur Zahlen auf: An der Front, im Lazarett und in Gefangenschaft starben demnach im Ersten Weltkrieg 102 Menschen. "Der Weltkrieg von 1939 bis 1945 forderte 114 Todesopfer; 44 Soldaten sind vermisst; unsere Neubürger verloren 28 Angehörige", lautet die Bilanz aus dem Zweiten Weltkrieg. Bilder: bgl (2)
Kultur
Oberviechtach
29.02.2016
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Pfarrer Johannes Kiefmann (Zweiter von links), hier mit Kreisheimatpfleger Ludwig Berger (links), Schulleiter Günter Jehl und Pfarrer Lothar Kittlberger (rechts), ließ die Zuhörer im Ortenburg-Gymnasium an seiner Forschungsarbeit zu Kriegerdenkmälern teilhaben.

Früher war ein Denkmal den Feldherrn vorbehalten, und die Inschrift mahnte nicht unbedingt zum Frieden. Pfarrer Johannes Kiefmann hat Kriegerdenkmäler aus 200 Jahren untersucht und dabei recht interessante Einsichten gewonnen.

In Deutschland gibt es mehr als 100 000 Kriegerdenkmäler. Friedrich Wilhelm lll. erließ am 5. Mai 1813 die Verordnung über die Stiftung eines "bleibenden Denkmals für die im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland gebliebenen". Der Stadtpfarrer von Vilseck, Johannes Kiefmann, interessiert sich schon seit Jahren für die Geschichte der Kriegerdenkmäler. Seit einigen Jahren tritt er mit seinem Wissenschatz zu Vorträgen an.

Kritisches Nachdenken


Geschichte hat Kiefmann schon immer interessiert. In seiner Diplomarbeit befasste er sich mit der Rolle der Kirche im Nationalsozialismus . "Das Gebet für unsere Toten ist immer wichtig - nicht nur in der Fastenzeit", erklärt der in Oberviechtach aufgewachsene Priester und spannt den Bogen zum Umgang mit den Kriegstoten: "Wichtig waren in der Vergangenheit auch die Erinnerungen an die verstorbenen Krieger der neueren Geschichte." Bei seinem Vortrag im Ortenburg-Gymnasium regte er die Zuhörerschaft auch zum kritischen Nachdenken und Diskutieren an.

"Ein Kriegerdenkmal ist ein Ehrenmal, das zur Erinnerung an gefallene Soldaten errichtet wurde", definierte Kiefmann sein Thema. Auf vielen Kriegerdenkmälern würden die Gefallenen und Vermissten eines Ortes namentlich genannt. Ist nur eine Widmung ohne Namensnennung der Gefallenen in Stein gemeißelt, dann handelt es sich um Mahn- oder Ehrenmale. Frühere Kriegerdenkmäler verkündeten Botschaften voller Stolz, Revancheabsichten und Wehrwillen, informierte der Referent.

Neuzeitlichere Denkmäler würden dagegen zu Frieden mahnen und der militärischen, meist aber der zivilen Opfern gedenken. Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht entstanden zum ersten Mal in der Gesichte Denkmäler, die nicht nur an Feldherren und Offiziere erinnerten, wusste Kiefmann. Nun rückte der einfache Soldat in den Fokus des Erinnerns. Ein Denkmal sollte die Angehörigen trösten und dem Tod des Verwandten einen Sinn geben. Außerdem kam dem Opfer die Rolle eines Vorbilds für die Überlebenden zu, es sollte den Staat und seine Ideale repräsentieren. In der Verordnung von Friedrich Wilhelm lll. heißt es: "Jeder Krieger, der den Tod für das Vaterland in Ausübung einer Heldentat findet, die ihm nach dem einstimmigen Zeugnis seiner Vorgesetzten und Kameraden den Orden des Eisernen Kreuzes erworben haben würde, soll durch ein auf Kosten des Staates in der Regimentskirche zu errichtendes Denkmal auch nach seinem Tode geehrt werden."

Seit 1952 Gesetz


In Deutschland gibt es seit 1952 das sogenannte Gräbergesetz über die Erhaltung der Gräber derer, die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wurden. Die Kriegsgräberstätten wurden damit auch in die Obhut der jeweiligen Gemeinde gestellt. Der Begriff "Kriegerdenkmal" wird oft zusammenfassend für alle Denkmäler und Denkstätten mit militärischem Zusammenhang gebraucht. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Initiative zu Denkmälern überwiegend von den Krieger- und Regimentsvereinen aus: kaum ein Ort, der nicht über eine solche Stätte verfügt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone viele alte Kriegerdenkmäler entfernt. Auf wessen Veranlassung dies geschah, ist im Einzelnen schwer nachzuweisen. Die nach der Wende wieder einsetzende Anteilnahme des Staates an der christlichen Totenehrung, die es in der DDR nicht gab, ließ auch die Bedeutung von Kriegerdenkmälern und insbesondere von deutschen Soldatenfriedhöfen in den Vordergrund rücken. "Wenn Kriegerdenkmäler Teil des Beginns eines ausgewogenen Umgangs mit unserer Geschichte sein sollen, können sie uns zum ehrenden Gedenken an die Opfer von Krieg und Terror anregen", meint Kiefmann. Das Kreuz sei dabei kein Heldenzeichen, sondern der gekreuzigte und auferstandene Jesus Christus. Es stehe für die Hoffnung der Familien von damals und heute auf eine Welt ohne Krieg.
Wenn Kriegerdenkmäler Teil des Beginns eines ausgewogenen Umgangs mit unserer Geschichte sein sollen, können sie uns zum ehrenden Gedenken an die Opfer von Krieg und Terror anregen.Pfarrer Johannes Kiefmann
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