„Raith-Schwestern und da Blaimer“ begeistern in der Oberviechtacher Mehrzweckhalle
Männer riechen und rocken

Andi Blaimer (rechts) und die Raith-Schwestern Tanja und Susi (links) begeisterten das Publikum in der Mehrzweckhalle Oberviechtach mit ihren rockigen und nachdenklichen Liedern. Bild: weu
Kultur
Oberviechtach
24.01.2016
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Ein Feuerwerk an Witz und herzerfrischender Natürlichkeit zündeten die "Raith-Schwestern und da Blaimer" am Freitag in der Oberviechtacher Mehrzweckhalle. Susi und Tanja sorgten mit ihren Stimmen für Gänsehaut-Stimmung. Star war jedoch der Andi.

Mit dem Lied "Heit Nacht" begrüßten die Schwestern Susi und Tanja sowie Andi Blaimer die Gäste in der Mehrzweckhalle. Mit von der Partie war Schlagzeuger Max Seelos, Sohn des Bandleaders Ambros Seelos, sowie Michael Straube am Bass. In der Aufwärmphase schoss sich Tanja auf Joschi, Bernhard, Franz und Christian in der vorderen Reihe ein. Sie wurden auch später in das Geschehen einbezogen.

Die "Silikoni-Titti"


Die aus Roding stammenden Schwestern nahmen schnell Fahrt auf und rissen das Publikum mit auf eine Reise durch den alltäglichen Wahnsinn und den Wandel der Zeit. Da wurden die Schallplatten der Flippers ebenso musikalisch vorgestellt wie das gute alte Volkslied: "Bei diesen Texten könne Helene Fischer einpacken!" Während Susi und Tanja voller Hingabe sangen, meinte Andi Blaimer trocken, er könne ihnen stundenlang zuhören und entfernte seine Ohrstöpsel.

Obwohl die beiden Schwestern im Vordergrund standen, war "der Blaimer" der heimliche Star. Zum Schießen, wie er in dem Lied "Früher war ich einsam" sein früheres Leben mit Alkohol und Armut beschrieb. Jetzt sei er ein Glückspilz, er komme raus und habe genügend "Kohle".

"Mit 50 werden Männer komisch", stellte Tanja fest und hatte Andi Blaimer, ihren Ehemann, fest im Blick. Dieser revanchierte sich mit dem flotten Männer-Mutmach-Song "Schatzi mit den Silikoni-Titti", der das Publikum begeisterte. Der bayerische Wald mit seinen finsteren Gestalten wurde ebenso thematisiert wie das Motorradtreffen am Bodenwöhrer Weiher, bei dem 100 Steckdosen installiert werden müssen, wenn künftig die Gäste mit ihrer Rentner-Drohne, dem Elektrofahrrad, ankommen. Eine Reflexion über das heutige Männerbild, die "Milchbubis", ergab: "Früher hatten die Männer überall Haare, rochen nach Schweiß und waren tätowiert." Heute hätten sie mehr Kosmetika als Frauen. Tanjas Großeltern waren über sechzig Jahre verheiratet, was heutzutage Verwunderung auslöse. Auf die Frage, wie man es so lange mit einer Frau aushalte, habe ihr Opa geantwortet: "Alloa is im Himml ned schee." Diese Aussage wurde in einer Rockballade musikalisch interpretiert.

Zur Höchstform lief Andi Blaimer bei dem Song "Mei, bist du a Scheena" auf. Er tanzte, rockte und ließ seine langen Haare wallen. Beim "August-Frustsong" kam dem Publikum eine wichtige Rolle zu. Es musste den Refrain "Weiher heia" und "Scheiße schreia" lautstark singen. Auch hier ging Andi Blaimer voll aus sich heraus und erhielt dafür Sonderapplaus. Seine großen Sorgen wurden in dem Lied "Mia juckt mei Fuaß" erklärt, in dem er darstellte, wie fit er früher war. "Des is vorbei, vielleicht geht no Hirsebrei", war die traurige Konsequenz. "Wo willst denn hie mit deim ormselign Lebn?", lautete der Titel eines Liedes, in dem es um "Burnout" und "Depreschn" ging und auch beim Fernsehprogramm müsse man sich häufig die Frage stellen: "Bin i blöd, oda die?"

Friedensjodler


Nach all dem Negativen müsse ein positives Lied folgen, ein Friedensjodler. "I mogs bunt" sang dann auch das Publikum begeistert mit und bedankte sich mit langem Applaus für zwei Stunden Fröhlichkeit, Witz und Charme - gepaart mit hochkarätig dargebotenen rockigen Songs. Mit "Du und I", der "Ode an die Beständigkeit" als Zugabe, verabschiedete sich eine der beliebtesten Musikgruppen in Bayern.
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