27-Jähriger wegen Unterhaltspflichtverletzung vor Gericht - Lohnpfändung irritiert
Die Vaterschaft glatt vergessen

Lokales
Oberviechtach
29.07.2015
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Vater werden ist nicht schwer - den Unterhalt zu zahlen, für manche dagegen sehr. Obwohl ein 27-Jähriger wegen Verletzung der Unterhaltspflicht bereits unter Bewährung stand, bekam er noch einmal eine Chance.

Vor einigen Wochen war der Mann zur Verhandlung wegen Verletzung der Unterhaltspflicht erst gar nicht erschienen. Jetzt wurde der 27-Jährige von Polizeibeamten vorgeführt. Vor Gericht gab er an, er habe öfter mal "vergessen", seinen monatlichen Unterhalt für sein Kind zu zahlen. Dass er mittlerweile mit einer anderen Frau ein zweites Kind hat, hatte er vor Gericht trotz Nachfrage nicht angegeben. Das erfuhr der Richter wenig später von der Mutter des älteren Kindes, die als Zeugin geladen war. Ihr Sohn wird demnächst zehn Jahre alt. Da der Angeklagte einige Zeit kein oder nur ein sehr geringes Einkommen hatte, war das Jugendamt mit Zahlungen eingesprungen. Das endete, als der Vater wieder Geld verdiente: Von Januar bis September 2014 hätte er in jedem Fall Unterhaltszahlungen in Höhe von 273 Euro monatlich leisten müssen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Dem Angeklagten waren in diesem Zeitraum aber auch in einigen Monaten 220 Euro vom Lohn gepfändet worden. Er glaubte deshalb, das sei für den Unterhalt seines Sohnes. Vor Gericht zählten daraufhin nur die Monate, in denen es keine Pfändung gab. Nicht zu interessieren schien den jungen Mann ein Strafbefehl über eine Haftstrafe von vier Monaten auf Bewährung. Er zahlte weiterhin nicht und musste sich deshalb nun vor dem Amtsgericht Schwandorf, Nebenstelle Oberviechtach dafür verantworten. Wie ein Polizeibeamter als Zeuge aussagte, sei der Kindsvater wegen der säumigen Zahlungen mehrfach vorgeladen worden, doch diesen Vorladungen nie gefolgt. Auch vom Jugendamt sei er immer wieder zu Unterhaltszahlungen aufgefordert worden. In seinem Plädoyer stellte der Staatsanwalt fest, dass dem Angeklagten zumindest für den Zeitraum Januar bis Mai bewusst gewesen sei, dass er zum Unterhalt verpflichtet war. Er forderte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die wegen günstiger Sozialprognose auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Im Urteil folgte das Gericht diesem Antrag und stellte dem Angeklagten für drei Jahre einen Bewährungshelfer zur Seite, der die Unterhaltszahlungen überwachen soll. Er trägt auch die Kosten der Verhandlung.
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