Abschied von Justitia

Der Schreibtisch ist aufgeräumt, die Regale sind leer. Mit dem Aus für die Zweigstelle des Amtsgerichts in Oberviechtach endet auch für Geschäftsstellenleiter Anton Ruhland ein Kapitel seines Berufslebens: 23 Jahre hat er hier verbracht, bevor ihn die Laufbahn 2001 nach Schwandorf führte. In einem knappen Jahr geht er in Ruhestand. Bilder: Bugl
Lokales
Oberviechtach
27.08.2015
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Die Akten sind schon weg, die grauen Regale leer. Vereinzelt warten noch Umzugskartons auf die Möbelpacker, die im Amtsgericht von Oberviechtach mit einem schweren Schrank beschäftigt sind. Die Zweigstelle ist im letzten Stadium der Auflösung angekommen.

"Am 17. August ist die Auflösung des Amtsgerichts Oberviechtach zum 31. August verkündet worden", berichtet der Geschäftsstellenleiter am Schwandorfer Amtsgericht, Anton Ruhland. Er ist vor Ort, wenn nun das Inventar in Möbelwagen verfrachtet wird. Die Reise für Computer, Akten und Bürostühle geht nach Schwandorf. "Dort ist komplett umstrukturiert worden, um die Zweigstelle aufzunehmen", berichtet Ruhland. Bis auf einen Mitarbeiter ist das Personal schon lange vor dem Inventar nach Schwandorf übersiedelt.

"Schon seit etwa eineinhalb Jahren ist der Dienstbetrieb in Oberviechtach vom Hauptgericht in Schwandorf aufrecht erhalten worden", erklärt Ruhland, für den die Auflösung ebenso wie für die Mitarbeiter absehbar war. Trotzdem ist nun viel Arbeit zu bewältigen, beispielsweise wenn es darum geht, laufende Betreuungsverfahren in die Schwandorfer Bestände zu integrieren. Über 2500 solcher Verfahren gibt es im Landkreis, und Oberviechtach war da aufgrund der gut florierenden Heime überproportional beteiligt.

In den Abschied mischt sich ein Hauch Wehmut. "23 Jahre Oberviechtach, das war für mich eine schöne Zeit, in der wir viel bewegen konnten", sagt Ruhland, der 2001 die Geschäftsstellen-Leitung in Schwandorf übernahm. "Vielleicht ist es uns gelungen, vom Behördenimage wegzukommen und zu zeigen, dass wir Dienstleister sind", sinniert er. "Wir im öffentlichen Dienst sind für die Leute da und nicht umgekehrt."

Bei allem Wehmut hat Ruhland aber auch Verständnis für das Aufgehen in einer größeren Einheit. "Als Rechtspfleger ist es einem heutzutage schlicht und ergreifend unmöglich, alle Rechtsgebiete zu beackern, von Strafrecht und Zivilrecht bis zu Betreuungen, Nachlass und Vollstreckung." Alleine stehe man da auf verlorenem Posten, meint der 63-Jährige. In Oberviechtach gab es bereits seit Mai 2014 keinen Rechtspfleger vor Ort.

"Unser Wunsch wäre es jetzt, dass sich die Bevölkerung auch beim Hauptgericht in Schwandorf gut aufgehoben fühlt", sagt Ruhland und setzt auf "notwendige, gute und freundliche Mitarbeiter". Er selbst steht nicht mehr lange zur Verfügung: In einem dreiviertel Jahr geht er in Ruhestand.

Das Gebäude in Oberviechtach bleibt in der Hand der Justiz: Bis 2016 soll die Grundbuch-Umschreibungsstelle hier einziehen. Diese Entscheidung ist Bestandteil der von der Staatsregierung beschlossenen Behördenverlagerung.
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