Akzeptanz und Gestaltung

Etwa 100 Zuhörer verfolgten den interessanten Vortrag. Peter Fugmann vom VdK-Ortsverband Oberviechtach (rechts) bedankte sich bei Referentin Heidrun Sindilariu mit einem Blumenstrauß. Links Burkhard Schattenmann von der Gerontopsychiatrischen Fachstelle Schwandorf Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
24.10.2014
5
0

Die Pflege eines Angehörigen ist niemals eine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk an den zu pflegenden Menschen. Beim Vortragsabend des VdK-Ortsverbandes gab es viele gute Tipps für den täglichen Umgang mit Demenzkranken.

Psychogerontologin Heidrun Sindilariu referierte beim zweiten Vortragsabend des VdK-Ortsverbandes im Mehrzweckraum des Alten- und Pflegeheimes. "Demente Menschen leben wie auf einer Insel in ihrer eigenen Gefühlswelt, die für Außenstehende oft unverständlich erscheint", betonte sie. "Aber es gibt Brücken zu dieser Welt, welche die Pflege und den Alltag erleichtern!"

Weglaufen

Um diese Brücken zu überwinden, klärte die Fachreferentin erst einmal auf, was die Demenz überhaupt ist und durch welche Auswirkungen sie sich bemerkbar macht. Demenz ist ein hirnorganischer Abbau, der zum Nachlassen des Gedächtnisses, dem fortschreitenden Versagen geistiger Kräfte, des Denkens und des Verstehens führt. Das alles zeigt sich besonders durch Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel durch Weglaufen, Rückzug, immer das Gleiche fragen, angreifen oder sonstigem Bemerkbarmachen.

Ein dementer Mensch braucht daher viel liebevolle Zuneigung, das Gefühl der Geborgenheit, Trost und Nähe. Er soll in die Gestaltung des Tages mit einbezogen werden und bei Entscheidungen beteiligt sowie das Gefühl der Zugehörigkeit gestärkt werden.

Wichtig ist auch ein geduldsames Zuhören. Wenn möglich, nicht mit Lob sparen, ein geselliges Miteinander pflegen und damit viel Lebensfreude vermitteln. Bei älteren Menschen sollte auch mal die Vergangenheit angesprochen werden. Beim Umgang mit Demenzkranken sollte man wissen, dass man seinen Gegenüber immer von vorne anspricht und den Blickkontakt sucht.

Die Psychogerontologin wies aber auch darauf hin, das krankheitsbedingte höhere Unfallrisiko mit einzubeziehen und dafür Sorge zu tragen, dass zum Beispiel rutschige Teppiche entfernt werden und zerbrechliche Dinge außer Reichweite platziert werden. Dabei ist aber dringend darauf zu achten, dass eine gewisse Eigenständigkeit des Betroffenen gewahrt bleibt. Angst ist ein ständiger Begleiter und man sollte auch die zunehmende Merkunfähigkeit erkennen.

Zurechtweisung vermeiden

In den Pflegealltag einbeziehen sollte man auch Probleme beim Essen oder bei der Körperpflege. Pflegende Angehörige sollten sich aber in erster Linie umfassend über die Krankheit informieren und mit dem Patienten unbedingt eine "Ja-Nein-Doch-Diskussion" vermeiden. Auf jeden Fall aber Zurechtweisungen vermeiden. "Die Demenz ist eine mögliche Form menschlichen Lebens, die der Akzeptanz und Gestaltung und nicht der Bekämpfung bedarf", betonte die Rednerin abschließend.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9309)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.