Ali Ikhttabi fängt nach dem Jurastudium als Asylbewerber noch einmal von vorne an
Übers Meer zum ersten Schnee

Ali Ikhttabi. Bild: Bugl
Lokales
Oberviechtach
04.04.2015
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Seit Juni 2014 ist der Syrer Ali Ikhttabi in Oberviechtach. Jetzt sieht es so aus, als könnte er endlich einen der begehrten Plätze im Sprach- und Integrationskurs ergattern. Ehrenamtlichen Helfern ist es zu verdanken, dass er trotzdem schon etwas deutsch sprechen kann. Der 26-Jährige hat bereits eine kleine Odyssee hinter sich.

Herr Ikhttabi, wie sind Sie in Oberviechtach gelandet?

Ich bin über Ägypten, Italien und Frankreich nach Deutschland gekommen. Zusammen mit 350 Personen, auch Frauen und Kinder, in einem kleinen Holzboot. Gelandet sind wir in Catania.

War das nicht sehr riskant?

Gefährlich war es schon, aber es haben alle die Flucht überlebt. Ich bin dann mit dem Zug zunächst über Frankreich Richtung Norden gefahren und schließlich in Gießen bei Frankfurt gelandet.

Warum gerade Deutschland?

Deutschland ist das beste Land. Hier gibt es viele Arbeitsplätze.

Sind Sie mit Familie hierher gekommen?

Nein. Vater, Mutter, die Geschwister, sie sind alle in Syrien. Nicht alle haben eine Chance zu kommen. Für meine Flucht haben wir viel Geld bezahlt, so ungefähr 3000 Euro.

Wie lange muss man in Syrien für diese Summe arbeiten?

Ein Jahr, vielleicht noch mehr.

Wie gefällt es Ihnen hier?

Die Leute sind sehr nett. Die Natur ist auch gut. Aber der Sommer ist besser als der Winter. Bei mir zu Hause schneit es höchstens einmal im Jahr und nur ein paar Flocken.

Was vermissen Sie?

Viel. Alles. Die Eltern, mein Land, meine Zukunft und Freunde. Aber ich kann nicht in Syrien bleiben. Da ist die Armee - und alle jungen Leute gehen weg. Es ist besser da zu sein, wo Frieden ist.

Wie stellen Sie sich ihre Zukunft vor?

Im Mai beginnt für mich der Deutsch- und Integrationskurs, vorher muss erst der Asylantrag genehmigt sein. Der Kurs dauert ein halbes Jahr. In meiner Heimat habe ich Jura studiert. Vielleicht kann ich das hier weitermachen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/asyl
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