Als die Nerven blank lagen

Zeitzeuge eines zehnjährigen Kampfes gegen die WAA ist Altlandrat Hans Schuierer, der den Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Ortenburg-Gymnasiums von diesem Ringen berichtete. Bild: pso
Lokales
Oberviechtach
29.04.2015
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Offiziell brachte die Entscheidung eines Energiekonzerns das Ende der in Wackersdorf geplanten Wiederaufarbeitungsanlage (WAA). Altlandrat Hans Schuierer hat da seine eigene Theorie. Die Elftklässler am Ortenburg-Gymnasium kennen sie.

Die geplante Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf bestimmte in den 1980er Jahren das gesellschaftliche und politische Leben im Landkreis Schwandorf und brachte diesen bundesweit in die Schlagzeilen. Führend im Widerstand gegen diese geplante Atomanlage war damals Landrat Hans Schuierer, der mit seinem Mitstreiter Wolfgang Nowak die Schüler der 11. Jahrgangsstufe des Ortenburg-Gymnasiums über die Ereignisse von 1979 bis 1989 informierte. Der "Rechtsstaat in der Zerreißprobe", aber auch Zivilcourage waren Gesichtspunkte des Vortrags und der Diskussion mit den Jugendlichen.

Auf Unrecht hinweisen

"Ich halte es bis zum Schluss meines Lebens für notwendig, auf alles hinzuweisen, was da an Unrecht passiert ist", bekannte der 84-jährige Altlandrat, der auch an profilierte Mitstreiter erinnerte, wie beispielsweise Pfarrer Richard Salzl, die mit ihrer Widerstandshaltung das gigantische Projekt im Taxölderner Forst zu Fall brachten. Der Altlandrat schreibt das Ende der WAA dem beharrlichen zehnjährigen Widerstand der Oberpfälzer Bevölkerung zu, während andere die Entscheidung der Wirtschaft ins Feld führen. Bekanntlich verkündete der damalige Energiekonzern VEBA 1989 die Zusammenarbeit mit der französischen Nukleargesellschaft COGEMA und leitete damit das Ende der WAA ein.

"Konfliktbereitschaft und Zivilcourage gehören zu einer Demokratie", betonte Schuierer, der auch die Auseinandersetzung mit dem damals mächtigen CSU-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß nicht scheute, obwohl sogar Verfahren gegen ihn als Landrat eingeleitet wurden. Der Sozialdemokrat Schuierer freut sich heute noch, dass ein Großteil der Bevölkerung im Landkreis hinter ihm stand, damals auch dokumentiert durch das Votum bei der Landratswahl mit über 70 Prozent Stimmenanteil.

Fast ein Bürgerkrieg

Die beiden Referenten gingen auch auf das gewaltige Polizeiaufgebot bei den Demonstrationen am Bauzaun ein, wo die Nerven oft blank lagen. Schuierer schilderte "bürgerkriegsähnliche Zustände", die auch in dem ebenfalls gezeigten Film "Spaltprozesse" deutlich wurden.

Zwischenzeitlich hat die Bundesregierung den Atomausstieg beschlossen. Für Hans Schuierer auch ein Beweis, dass der damalige Widerstand gerechtfertigt war.
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