Als Musiker und Wächter tätig

Johann Wax musizierte im Museum auch mit seinem Dudelsack. Der "Böhmische Bock" wurde meistens in Südböhmen gespielt, erklärte der Referent, der den Beruf des Türmers in allen Facetten vorstellte. Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
27.03.2015
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Türmer gab es in früheren Zeiten in vielen größeren Städten und besonders zahlreich in der Oberpfalz. Der stellvertretende Bezirksheimatpfleger Johann Wax wartete im Museum mit überraschenden Details über den Berufsstand auf und präsentierte auch weitere Betätigungsfelder.

Türmer gab es in früheren Zeiten in vielen größeren Städten. In der Oberpfalz war der Beruf ungewöhnlich stark verbreitet, hier hatten oft sogar Dörfer ihren eigenen Türmer. Über den Beruf "Türmer" (bis 1901 auch "Thurner" genannt), ihre Aufgaben und ihre teils hohe Wertschätzung berichtete der stellvertretende Bezirksheimatpfleger Johann Wax im Kulturzentrum in der ehemaligen Marktmühle.

Feuer oder Fremde

Die erste und wichtigste Aufgabe eines Türmers war, Wache zu halten nach Feuer oder auch nach Fremden oder Adeligen sowie dem Anrücken des Feindes in Kriegszeiten Ausschau zu halten. Seine Arbeitsstelle befand sich meistens auf einem Kirchturm. Oft wohnte er dort oben mit der Familie samt Gesellen und Lehrlingen. Die Türmerei war ein Handwerk und in Zünften organisiert. Nebenbei machten die Türmer auch Musik, und im Laufe der Zeit wurde dies ihre Hauptbeschäftigung. Sie spielten bei Messen, Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen, auf Kirchweihen und in Wirtshäusern. Deshalb beherrschten sie auch viele Instrumente, wie Horn, Posaune, Trompete, Oboe, Flöte oder Violine. Dabei deckten sie die Bandbreite von ernster und unterhaltender Musik ab. Dadurch wurde ihnen oft auch der Musikunterricht und die Leitung der örtlichen Musikkapelle übertragen.

In der Türmerwohnung, die meist nur aus einem Zimmer bestand, war nur wenig Platz. Geheizt und gekocht wurde mit einem einfachen Holzofen. Oft sind auch Beschwerden bekannt, wenn das Einkommen der Türmer geschmälert wurde, zum Beispiel durch Auftritte unberechtigter Personen, oder in wirtschaftlich schlechten Jahren.

Nachdem die Aufgabe als Wächter im Lauf des 19. Jahrhunderts langsam entfiel, verließen die Türmer nach und nach ihre luftigen Arbeitsplätze und widmeten sich verstärkt der Musik. Auch aus wirtschaftlichen Gründen entfielen die meisten Türmerstellen. Ein umfangreiches Brauchtum rankte sich im Laufe der Jahrhunderte um die Türmerei. Bis 1880 ließ ein Blechquartett vom Turm der Pfarrkirche in Nabburg frohe Weisen zum sogenannten "Maianblasen" erklingen. Die Besoldung der meisten Türmer war so knapp bemessen, dass sie auf Nebenverdienstmöglichkeiten wie Auftritte bei Hochzeiten, Tanzvergnügungen oder sonstigen Heischebräuchen (Weihnachtsumzüge oder Neujahranblasen) angewiesen waren.

Blick ins Archiv

Auch in der Kreisstadt Schwandorf sind von 1574 bis 1926 lückenlos Türmer in Archivalien nachgewiesen. In deren Dienstanweisung heißt es: "Die vorzüglichste Dienstes Verbindlichkeit des Thurners ist die Feuerwache. Zu diesem Ende soll er bei Tag und Nacht fleißig Aufsicht pflegen, nach Mitternacht bis gegen Morgen alle Viertelstunden mit dem Hörnl zum Zeichen seiner Wachsamkeit nachblasen, und wenn er den Ausbruch eines Feuers gewahr wird, mit dem Glöcklein anschlagen, es mag das Feuer auch noch so wenig gefährlich erscheinen."

Aus Archivunterlagen des Historikers und Volkskundlers von Walter Hartinger ist ersichtlich, dass auch in Oberviechtach "Thurner" beheimatet waren. Johann Wax, den das Türmerthema schon seit 26 Jahren begleitet, unterlegte seinen interessanten Vortrag mit Dias, welche zeigen, dass hier eine Türmerwohnung integriert war. Mit Gitarre und Dudelsack lockerte er seinen Bericht auf und band zum Schluss mit dem gemeinsam gesungenen Lied "Haut denn der Türmer scho wieda koa Geld?", auch das Publikum mit ein.

Der Vorsitzende des Museumsvereins Wilfried Neuber bedankte sich beim Referenten für den Vortrag.
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