Als noch der Stutzen krachte

Seit 125 Jahren geht die Oberviechtacher Schützengesellschaft "Scharfschützen" über Kimme und Korn: Schießleiter Hans Heinrich, Schützenmeister Albert Kiener und Schießsportleiter Rudi Krippner (stehend, von rechts) verfolgen beim Festabend, wie Alexander Klier seine fünf Schüsse auf seine "Jubiläumsscheibe" abgibt. Bild: frd
Lokales
Oberviechtach
25.10.2015
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Zur Kurzweil an langen Winterabenden und zur Pflege des "edlen Schießsports" - diese Beweggründe hatten am 11. Oktober 1890 zur Gründung der Schützengesellschaft "Scharfschützen" geführt. 125 Jahre später holte eine Festrede die Anfangszeit zurück.

Bei den Feierlichkeiten zum 125-jährigen Bestehen der "Scharfschützen" erfuhren die Mitglieder einiges über die Geschichte ihres Vereins. Schützenmeister Albert Kiener hatte den Abend eröffnet und sämtliche Teilnehmer als "Ehrengäste" begrüßt. Nach dem gemeinsamen Essen ging es an die Schießstände: Schießsportleiter Rudi Krippner hatte eine Jubiläumsscheibe konzipiert, die mit einem Auszug aus dem Gründungsbuch vom 11. Oktober 1890 versehen war. Als Erinnerung an den Jubiläumsabend durften sie die Schützen mit nach Hause nehmen.

Blick in die Historie

Höhepunkt des Abend war ein Rückblick Krippners auf die Gründerjahre des Vereins. Daraus ging hervor, dass die "Scharfschützen" am 11. Oktober 1890 in einem Lokal auf dem Marktplatz aus der Taufe gehoben worden waren. "Der Schützenverein wird gegründet, um die langen Winterabende zu verkürzen und um den Gemeinsinn des edlen Schießsports zu pflegen", so lautete damals der erste Paragraf der Satzung. Geschossen wurde mit dem Zimmerstutzen-Einzellader, denn Kleinkalibergewehr, Luftgewehr und Pistole kamen erst viele Jahre später in den Verein.

Mit viel Fachwissen erklärte Krippner, wie die Zimmerstutzen und die dazu gehörende Munition damals funktioniert haben. Der laute Knall der Zimmerstutzen bei der Schussabgabe bereitete den Schützen während der Anfangszeiten im "Ott'n-Garten" auch oft Probleme mit der Nachbarschaft. Später war man froh, dass mit anderen Waffen, die deutlich leiser waren, angelegt werden konnte. Älteren Mitbürgern dürfte das Schützenhaus im Gressergarten noch in Erinnerung sein. Dort gab es auch eine Kegelbahn, in der sich heute schon ältere Oberviechtacher als Buben beim Kegelaufstellen ein paar Pfennige verdienen konnten. Vereinswirtin war in dieser Zeit die "Ott'n Mina" , die in der Schönseer Straße den "Gasthof Schwarz" (spätere Eisdiele) betrieb.

Voller Stolz präsentierte Rudi Krippner zu seinen Ausführungen das "Original Gründungsbuch" des Schützenvereins, auf dessen ersten Seiten die Satzung und das Gründungsprotokoll in "deutscher Schrift" nachzulesen sind. Dieses wertvolle Dokument, so Krippner, gebe auch ein Stück weit Einblick in die Geschichte, denn unter anderem zeige es die Zahlungsschwierigkeiten während der Inflation ab 1914 auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg feierte der Schießsport in Oberviechtach ein Comeback, und viele Mitglieder haben sich mittlerweile um den Verein verdient gemacht.

Zum Vorbild nehmen

Sowohl Festredner Rudi Krippner als auch Schützenmeister Albert Kiener erinnerten an das umfassende Engagement der Funktionäre in diesen 125 Jahren und würdigten ihre Verdienste um den Verein. Der Schützenmeister appellierte dazu, sich daran ein Beispiel zu nehmen, und den Schießsport und das gesellschaftliche Miteinander im Sinne der Vorgänger weiter zu pflegen. Den Weg in die Zukunft hat die Scharfschützengesellschaft bereits eingeschlagen: Aktuell laufen die Arbeiten für die neuen 100 Meter-Schießstände, die eine der größten Baumaßnahmen in der Vereinsgeschichte darstellen.
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