Auf dem Esel durchs Königreich

Kinderärztin und Schriftstellerin Dr. Irina Andrè-Lang engagiert sich für die Menschen in Lesotho.
Lokales
Oberviechtach
08.10.2015
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Die Mitglieder des Frauenbundes wissen jetzt nicht nur, dass das Königreich Lesotho im südlichen Afrika liegt. Sie erfuhren in einer Bilderschau von Dr. Irina Andrè-Lang, was es bedeutet, in einem der ärmsten Länder der Welt zu leben und zu arbeiten. Einblicke gab es auch in ihr persönliches Schicksal.

Die Kinderärztin und Schriftstellerin Dr. Irina Andrè-Lang war auf Einladung des Frauenbundes nach Oberviechtach gekommen. In einer Power-Point-Show erlebten die Besucher einen Einblick in die Arbeit der Ärztin und die äußerst primitiven Verhältnisse in dem demokratisch regierten und vom Staat Südafrika umschlossenen Königreich.

45 Prozent arbeitslos

Lesotho gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, berichtete die Referentin, mit 45 Prozent Arbeitslosigkeit und 36 Prozent Analphabetenrate. Bedingt durch die extreme geographische Lage in bis zu 2000 Meter Höhe unterscheidet sich Lesotho von den meisten anderen afrikanischen Ländern. Dementsprechend schlecht ist das Wachstum von Nahrungsmitteln. Von einer Infrastruktur kann keine Rede sein. In dem unwegsamen Gelände liegen verunglückte Kleintransporter. Das Sicherste ist noch die "Reise" auf einem Esel.

Die größte Herausforderung ist Aids, von dem ein Drittel der Bevölkerung infiziert ist. Vielfach wurde das Virus durch das Pendeln der Männer zur Arbeit nach Südafrika ins Land gebracht. Entsprechend hoch ist die Zahl an Aids-Waisen, deren Grundversorgung und schulische Bildung allein vom Staat nicht gewährleistet werden kann. Für den Besuch der weiterführenden Schulen muss Schulgeld bezahlt werden. Interessant waren auch Details über Lebensweise und Gewohnheiten.

Mit 28 Jahren Witwe

Schon als sich Andrè-Lang vorstellte, waren die Zuhörer sehr berührt. Immer schon wollte sie, wie sie erzählte, Ärztin werden und in Afrika arbeiten. Sie machte eine Ausbildung zur Fachärztin für Kinderheilkunde in Regensburg, Saarbrücken und Straubing; war Mitglied der Anti-Apartheid-Bewegung in Deutschland, reiste mehrmals nach Südafrika und arbeitete dort von 1998 bis 2005 als Kinderärztin im öffentlichen Gesundheitswesen. Persönlich hat sie viel Leid erfahren, mit 28 Jahren war sie bereits Witwe. 2005 überstand sie eine lebensbedrohliche Krankheit.

Im April 2009 heiratete sie ihren zweiten Mann, mit dem sie in Südafrika lebt. Dr. Andre-Lang berichtete auch von ihrer Zeit als "fliegende Ärztin". Bei einer zu harten Landung wurde sie 1999 an der Wirbelsäule so schwer verletzt, dass sie diese Einsätze aufgeben musste. In vielen Bundesländern engagiert sie sich mit Vorträgen bei dem von ihr mitgegründeten Verein "Yes we care", der zwei Schulen für Waisenkinder in Pitseng unterstützt.

"Auch unser Frauenbund möchte die Arbeit ihres gemeinnützigen Vereins unterstützen", sagte Vorsitzende Angelika Vogl und überreichte eine Spende in Höhe von 300 Euro. Musikalisch wurde der Abend von drei Dominikanerinnen mit Gesang und Trommeln umrahmt. Freie Plätze im Pfarrheimsaal hätte es noch gegeben.
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