Austausch im Zeichen des Trabi

Die Oberviechtacher Gäste besuchten gemeinsam mit ihren tschechischen Partnern die deutsche Botschaft in Prag, wo das Trabi-Denkmal an die Wende vor 25 Jahren erinnert. Bild:lg
Lokales
Oberviechtach
21.10.2014
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Als die Mauer fiel, gab es den ersten Kontakt zwischen dem Ortenburg-Gymnasium und der Prager Obchodni Akademie. 25 Jahre alt ist diese Schulpartnerschaft. Welche Emotionen mit dieser Wende verbunden sind, erfuhren beide Seiten beim Treffen in Prag.

Der erste offizielle Kontakt zwischen dem Ortenburg-Gymnasium und der Prager Obchodni Akademie fand bereits 1989 statt, so dass jetzt der diesjährige Partnerschaftsbesuch ganz im Zeichen des 25-jährigen Jubiläums stand. In diesen Herbst blicken aber nicht nur die Obchodní-Akademie und das Ortenburg-Gymnasium auf ein Vierteljahrhundert deutsch-tschechischer Begegnung von Schülern und Lehrkräften zurück, sondern auch die Ereignisse in der Prager Botschaft, die letztlich mit zur Wende in der DDR beitrugen.

"Prager Herbst"

Dementsprechend hoben bei der offiziellen Begrüßung sowohl die Schulleiterin der Obchodní Akademie, Jana Meierová, als auch Studiendirektor Ulrich Wohlgemuth als Sprecher der deutschen Gruppe diese zweifache Bedeutung des Jahres 1989 hervor. Wohlgemuth verknüpfte dabei die Begriffe "Prager Frühling" und "Prager Herbst", um die positiven historischen Veränderungen zu charakterisieren. Er dankte darüber hinaus den Prager Lehrerinnen für die interessante und abwechslungsreiche Programmgestaltung für die Gäste aus Oberviechtach.

Nach dem in den jeweiligen Gastfamilien individuell verbrachten Wochenende war der Schwerpunkt eine Führung durch das Museum des Kommunismus, das vielfältige Einblicke in Lebenswirklichkeit und Unterdrückungsmechanismen in der früheren CSSR gab. Auch die Protestbewegung des Jahres 1989 und ihre Wegbereiter wurden dabei thematisiert. Schließlich besuchte die deutsch-tschechische Gruppe die Deutsche Botschaft, um sich bei einer Führung und mit Hilfe eines halbstündigen Filmbeitrags die dramatischen Ereignisse vom Herbst 1989 zu vergegenwärtigen.

Während dies für die heute 17-Jährigen bereits Geschichte ist, erinnerten sich die begleitenden Lehrkräfte Dr. Christine Paschen und Ulrich Wohlgemuth nicht ohne Emotionen an die Szene auf dem Balkon der Botschaft und die Worte des damaligen Außenministers Hans-Dietrich Genscher "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise..." sowie den frenetischen Jubel der circa 4000 DDR-Flüchtlinge, die damals auf dem Botschaftsgelände Zuflucht gesucht hatten. Am Nachmittag fand eine von Prager Seite liebevoll gestaltete Jubiläumsfeier an der Obchodní Akademie statt, die unter dem Motto "Danke, dass wir können" stand, um die vielfältigen Möglichkeiten für junge Leute nach der Wende ins Bewusstsein zu rufen.

Ausflug zur Burg Karlstein

Auch gemeinsame Unterrichtsstunden und eine Stadtrallye in der Umgebung der Schule zählten zum Programm. Einen Höhepunkt bildete ein Tagesausflug mit der Eisenbahn auf den Spuren Karls IV. zu seiner Burg Karlstein, wo lange Zeit die deutschen und die böhmischen Reichskleinodien aufbewahrt wurden. An die Besichtigung schloss sich bei herrlichem Spätsommerwetter eine Wanderung an, bevor tags darauf die Rückkehr nach Bayern erfolgte.
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