Backen im Doppelpack

Die Zwillinge Nicole (links) und Stefanie (rechts) Hofmann entschlossen sich zum selben Handwerksberuf: Sie sind jetzt Bäcker-Gesellinnen und haben den eingeschlagenen Weg noch nicht bereut. Die Arbeit in der Backstube macht ihnen Spaß. Bild: mhö
Lokales
Oberviechtach
16.09.2015
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Um 0.50 Uhr klingelt der Wecker, kurze Zeit später stehen Nicole und Stefanie Hofmann in voller Montur an ihrem Arbeitsplatz. Semmeln, Brezen und Croissants werden nun frisch von Hand gemacht. Die Zwillinge sind Bäckerinnen - sie üben einen Beruf aus, den nur noch wenige Jugendliche lernen wollen.

(mhö) Das Handwerk hat momentan zu kämpfen, zum beginnenden Ausbildungsjahr gibt es noch zahlreiche offene Lehrstellen. Vor allem in der Lebensmittelbranche sind die Lücken groß. Das Problem kennen auch die beiden jungen Damen: "Nach unseren drei Jahren Lehre ist erst jetzt wieder ein ,Stift' nachgekommen." Die Zwillinge aus dem Oberviechtacher Ortsteil Oberlangau sind daher ein Gegenbeispiel zur aktuellen Situation im handwerklichen Bereich. Vor drei Jahren begann ihre Ausbildung bei der Bäckerei Schmid "Der Beck" in Oberviechtach, heuer haben sie ausgelernt und sind dort nun Gesellen. Die Arbeit macht ihnen nach wie vor Spaß.

Auch vorteilhaft

"An einen konkreten Grund für die Berufswahl kann ich mich gar nicht erinnern, wir wollten das eigentlich schon immer", erzählt Nicole. Ihre Schwester Stefanie ergänzt: "Wir haben noch jede jeweils zwei Praktika gemacht, dann stand fest, dass wir Bäckerinnen werden." Die Umstände, die mit diesem Beruf einhergehen, stören die beiden nicht. Viele seien zwar vom frühen Aufstehen abgeschreckt, aber die Zwei finden ihre Arbeitszeiten praktisch. Normalerweise arbeiten sie von halb zwei Uhr nachts bis zehn Uhr vormittags. "Danach legen wir uns zwar schon nochmal hin, den Rhythmus hatten wir aber schnell drin", sagen die 18-Jährigen. Zudem haben sie dann den ganzen Nachmittag frei, "gerade im Sommer ist das perfekt." Weil auch samstags und sonntags Semmeln und Brot frisch auf dem Frühstückstisch stehen sollen, sind sie zwar manchmal auch am Wochenende in der Backstube gefordert, doch dafür gibt es dann unter der Woche einen Tag frei.

Freude an "Hand-Arbeit"

Auch für die Zukunft biete das Bäckerhandwerk gute Aussichten. Gerade durch die frühen Arbeitszeiten sind Beruf und Familienleben gut vereinbar. Die Arbeit an sich ist abwechslungsreich, momentan sind die Geschwister in der Konditorei beschäftigt, denn auch diese handwerklichen Fertigkeiten gehören zur Bäcker-Ausbildung. Hier könne man fantasievoller sein und filigraner arbeiten als in der Backstube, aber "die Mischung macht's".

Natürlich braucht es gewisse Grundvoraussetzungen für das Bäckerhandwerk, Langschläfer beispielsweise würden sich schwer tun mit den Arbeitszeiten. Trotzdem sei Backen nicht mehr oder weniger stressig als andere Berufe. "Manchmal ist es schon auch anstrengend", gibt Stefanie zu, "wir arbeiten ja wirklich körperlich." Das Schönste dabei sei jedoch Schritt für Schritt zu sehen, was man selbst schafft. "Backen ist eben im wahrsten Sinne des Wortes ein echtes Hand-Werk".
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