Bilder, wenn Worte fehlen

Tobias Krafczyk (rechts) führte die zahlreichen Besucher der Vernissage in die kombinierte Ausstellung ein, deren Exponate im Hintergrund zu sehen sind.
Lokales
Oberviechtach
19.05.2015
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Für demenzkranke Menschen kann malerisch-graphische Kommunikation zunehmend Worte ersetzen. Was bei der therapeutischen Arbeit von Natalia Schwarz-Orlowa herausgekommen ist, hängt bis 14. Juni an den Ausstellungswänden im Kulturzentrum.

"Wohin bin ich" lautet der Titel des zentralen Bildes in der Ausstellung, die derzeit im Kulturzentrum der Marktmühle im Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum präsentiert wird. Natalia Schwarz-Orlowa zeigt eigene Werke, kombiniert mit den künstlerischen Arbeiten demenzkranker Menschen. Die Malerin ist als Altenpflegerin tätig und widmet sich hierbei auch der maltherapeutischen Arbeit mit Demenzkranken.

Emotionale Impulse

Der Leiter des Museums, Dr. Karl-Heinz Foißner, verwies bei der Eröffnung der Ausstellung auf das produktive und erfolgreiche Schaffen von Natalia Schwarz-Orlowa, die 1975 in St. Petersburg geboren wurde und in der Oberpfalz eine neue Heimat gefunden habe. Dr. Foißner lobte die "anschauliche Visualisierung" der Künstlerin und dankte Horst Bittner, der die Ausstellung arrangiert hatte. Jürgen Rohr lieferte als Percussionist die musikalische Begleitung zur Vernissage. Bei seiner Einführung in die Ausstellung ging Oberstudienrat Tobias Krafczyk auf die grundsätzliche Frage des Zugangs zu Demenzkranken ein, die ihre Bedürfnisse nicht verstandesmäßig kontrollieren, sondern auf emotionale Impulse angewiesen seien.

In Bilder "abtauchen"

Wenn diese Menschen in eine verborgene Welt "abtauchen", dann kann eine Kunsttherapie als Ersatz für Worte eine malerisch-graphische Kommunikation entwickeln. Die kleinformatigen Bilder in ganz unterschiedlichen Techniken werden durch wenige kommentierende Worte sinnbringend und emotional aufgeladen. Manche Bilder stellen Bezüge zu Tieren her, ein anderes erinnert an den Angelsport, den der Maler einst praktiziert hat. Es sind Erinnerungsinseln, die Individualität und Lebensmut dokumentieren. Die Bilder bringen Orientierungshilfe, steigern aber auch das Selbstwertgefühl und helfen bei der Stressbewältigung, so Tobias Krafczyk bei seiner Einführung.

Leben und Vergehen

"Lady in red", "Glücksbringer" oder "Im Schlaf rückt die Geborgenheit näher" sind Titel von Werken Natalia Schwarz-Orlowas, die als Sinnsuchende in ihren Arbeiten das Werden, Leben und Vergehen hinterfragt. Mit Lust am malerischen Ausdruck bewegt sie sich im Spannungsfeld von Realität und Illusion. Bilder von Natalia Schwarz-Orlowa sind seit 20 Jahren in regionalen und überregionalen Präsentationen zu sehen. Die Museumsausstellung kann bis zum 14. Juni besichtigt werden.
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