Bis die Fetzen fliegen

Uli Scherr (links) und Julia Ruhland (rechts) fühlen sich als Eltern des verprügelten Jungen zunächst moralisch überlegen - bis Vanessa Civiello und Florian Waldherr in der Rolle der getadelten Eltern auch bei den Gastgebern Schwachstellen zutage fördern. Bild: hfz
Lokales
Oberviechtach
19.02.2015
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Ein gestresster Anwalt, genervte Mütter und allzu menschliche Missgeschicke: Da muss der "Gott des Gemetzels" seine Hand im Spiel haben. Die Gruppe "Ovigo" bringt diese Abgründe auf die Bühne.

"Der Gott des Gemetzels" ist der Titel des Theaterstücks von Yasmina Reza, das weltweit gefeiert und mit renommierten Schauspielern verfilmt wurde. Nun wagt sich die Gruppe "Ovigo", ein aus der Theatergruppe des Ortenburg-Gymnasiums hervorgegangenes Ensemble, an diese Vorlage. Termin für die Premiere ist der 8. März.

Feucht und fröhlich

"Das wird eine Inszenierung, die im Kopf bleiben wird", verspricht der neue Künstlerische Leiter der Gruppe, Florian Wein, der zusammen mit Julia Ruhland die Nachfolge von Wolfgang Pöhlmann übernommen hat. "Feuchtfröhlich" stellt er sich die Inszenierung des Stücks vor, in dem zwei Ehepaare aufeinandertreffen - bis die Fetzen fliegen. Dabei sollte es eigentlich um eine friedliche Lösung gehen, nachdem der Sohn des einen Paares dem Filius des anderen zwei Zähne ausgeschlagen hat.

Julia Ruhland schlüpft in die Rolle der scheinbar so politisch korrekten Opfer-Mutter Sabine Köhlmann. Ihr Mitleid mit der Menschheit hält sich allerdings Grenzen, wenn dadurch ein wertvoller Bildband ruiniert wird. "In unserem Fall ist es das Werk eines Oberviechtacher Künstlers", verrät Wein ein paar Modifikationen, der er als Regisseur vorgenommen hat.

Uli Scherr spielt als Robert Köhlmann einen Vertreter für Sanitäranlagen, der dem Kurs seiner Frau nicht immer folgen kann. Als gestresster Anwalt tritt Christian Reiler (Florian Waldherr) mit seiner Frau Kathrin (Vanessa Civiello) in diesem Reigen unkontrollierter Gefühlsausbrüche auf, dem die Zuschauer sowohl eine fröhliche, als auch eine feuchte Seite abgewinnen können.

"Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen, als wir die Kotz-Szene gelöst hatten", plaudert Wein aus dem Nähkästchen und spielt dabei auf eine Unpässlichkeit an, die hinter die Fassade der Kultiviertheit blicken lässt.

Handy im Fokus

Auch das Handy ist dabei laut Regisseur ein "großes Thema", das die Theatermacher aus der Oberpfalz noch weiter ausgebaut haben. Die Handlung haben sie nach München verlegt und auch dem bayerischen Zungenschlag Tribut gezollt. Vom gleichnamigen Film, den viele vielleicht schon im Kino gesehen haben, lassen sich die Akteure nicht einschüchtern.

"Die Schauspieler haben sich die Figuren selbst erarbeitet und nutzen nun die zusätzliche Inspiration", beschreibt Wein den Umgang mit der Vorlage. "Auch für mich ist der Film hilfreich - aber die Kamera zeigt immer nur einen Ausschnitt, und bei uns ist die ganze Bühne im Blick."
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