Blauer Blitz als Schreckschuss

Der blaue Halbkreisreflektor gilt derzeit bei Jagdpächtern als populärste Maßnahme, um Wildunfälle zu vermeiden. Vor allem Unfallschwerpunkte werden damit bestückt, doch nach jüngsten Untersuchungen klappt die Abschreckung beim Wildwechsel nicht in jedem Fall und lässt sich auch nur schwer nachweisen. Bild: Bugl
Lokales
Oberviechtach
20.03.2015
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Bald lockt die grüne Wiese wieder mit saftigem Gras das Wild aus dem Wald. Doch ein Reh schaut nicht nach links oder rechts, wenn es die Straße überquert. Schon seit einigen Jahren setzen Jäger deshalb auf ein Lichtsignal. Nicht die Farbe Rot, sondern Blau signalisiert hier "Stopp".

Insgesamt 146 Wildunfälle registrierte die Polizeiinspektion Oberviechtach im vergangenen Jahr. Und nicht jede Kollision wird den Beamten gemeldet. Auch die Berichte bei den Treffen der Jagdgenossenschaften sprechen Bände: Mancherorts erfüllt die Straße einen nicht unerheblichen Teil des Abschussplans. "Es gibt Reviere an vielbefahrenen Straßen, da macht das 20 bis 30 Prozent aus", weiß Alexander Flierl, Vorsitzender der Kreisgruppe Oberviechtach im Bayerischen Jagdverband.

Meistens kracht es im Wald, bestätigt der Verkehrssachbearbeiter der Oberviechtacher Polizeiinspektion, Karl-Heinz Senft. Nicht selten trifft es Autofahrer auf der Staatsstraße Oberviechtach-Schönsee, denn die ist auch noch stark frequentiert. Das Aufeinandertreffen von Tier und Auto geht nicht immer glimpflich ab. 20 bis 30 Personen werden deutschlandweit jährlich bei Wildunfällen getötet. Vor allem im Frühjahr und im Herbst, schwerpunktmäßig in der Dämmerung, aber auch nachts häufen sich die Unfälle.

Populärste Methode

Viele Jagdpächter setzen nun seit ein paar Jahren - teils mit Beteiligung der Jagdgenossen - auf sogenannte Wildwarnreflektoren. Laut ADAC sind die blauen oder blau-weißen Halbkreisreflektoren inzwischen "zur populärsten Maßnahme zur Wildunfallvermeidung in Deutschland avanciert". Dabei sind die im Scheinwerferlicht funkelnden Plastikteile nicht billig. Rund fünf Euro kostet das Stück, und das Anbringen an den Straßenbegrenzungspfosten ist nur in Abstimmung mit den Baulastträgern zulässig.

"Die Jägerschaft ist damit zufrieden", berichtet der Kreisgruppenvorsitzende über die Erfahrungen mit den Reflektoren. Gerade an unfallträchtigen Stellen habe die Installation zu einer Reduzierung der Kollisionen geführt. "Manche gehen allerdings auch von einem Gewöhnungseffekt aus", schränkt er ein und zählt weitere Alternativen auf: eine "nicht wildtierfreundliche Bepflanzung" an den Straßenrändern (ausgelichteter Bewuchs), günstig gelegene Äsungsflächen oder auch Duftstoffe, die aber schnell verfliegen und ebenfalls dem Gewöhnungseffekt unterliegen.

Ausrangierte CDs dagegen sieht Flierl kritisch: "Da gab es einen Fall, dass ein Jagdpächter bei einem Unfall haften musste, weil ein Autofahrer durch das plötzliche Aufblitzen irritiert wurde."

Auswirkung verschieden

Kein einheitliches Bild ergibt sich bei der wissenschaftlichen Untersuchung der Reflektoren. So hat das Institut für Wildbiologie Göttingen und Dresden in einer Studie herausgefunden, dass die blaue Abschreckungswaffe zwar an manchen Stellen zu einem Rückgang der Wildunfälle um bis zu 80 Prozent führte, an anderen Stellen dagegen fast wirkungslos war.

Auch Böschung, Hangneigung und Sauberkeit der Reflektoren scheinen eine Rolle zu spielen. Das Fazit der Wissenschaftler: Anschrauben allein genügt nicht. Was dagegen auf jeden Fall etwas bringt, sind Autofahrer, die im Bereich der blauen Reflektoren ein wenig vorsichtiger und langsamer unterwegs sind.
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