Damit Dialekt nicht verschwindet

Zum Jubiläumsabend traf sich das Dialektforum im Gasthaus Gillitzer in Niedermurach unter Leitung des Vorsitzenden Dr. Ludwig Schießl (rechts); Hubert Teplitzky spielte mit seiner Ziehharmonika lustig auf. Bild: bgl
Lokales
Oberviechtach
26.07.2015
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Zum 125. Mal trafen sich die Mitglieder des Oberviechtacher Dialektforums im Heimatkundlichen Arbeitskreis (HKA) zu einem Dialektabend. Mehr als 4000 Wörter zählt der Fundus ihrer permanenten Sammlung für das "Oberviechtacher Wörterbuch" bereits.

(bgl) Der Gründer und Leiter dieser Arbeitsgruppe, Dr. Ludwig Schießl, ist zuversichtlich, dass die Präsentation des Ergebnisses ihrer regionalen Dialektforschung spätestens im Jahr 2022 ermöglicht werden kann.

Im Mittelpunkt der Feier anlässlich des kleinen Jubiläums im Gasthaus Gillitzer in Niedermurach stand ein Abendessen und eine Rückschau auf 19 Jahre gemeinsamer Dialektforschung. Begonnen hat alles am 25. Oktober 1996, als sich eine Schar heimatverbundener Personen bei Fritz Roßmann, dem "Weißgerber-Fritz", in dessen "Eisenbarth-Stüberl" erstmals zu einem Dialektabend traf.

Seit 19 Jahren

Der Grund dazu war die Erkenntnis, dass der dialektale Wortschatz immer mehr schwindet und möglicherweise ganz in Vergessenheit gerät. Seitdem traf man sich immer wieder in unregelmäßigen Abständen, wobei pro Abend im Durchschnitt 40 Dialektwörter aus dem Raum Oberviechtach eingehend besprochen wurden. Dr. Ludwig Schießl rief in seinem Streifzug die wichtigsten Stationen nochmal in Erinnerung, wobei er mit einer Reihe von Wanderversammlungen durch sechs Orte startete.

Hier war ihm ganz besonders der 13. Dialektabend aus Anlass des Projekts "Leben im Dorf" mit Professor Ludwig Zehetner in Eigelsberg in guter Erinnerung. Dabei wurden die Einzelteile des Leiterwagens und sonstiger landwirtschaftlicher Gerätschaften behandelt. In Fuchsberg wurde zudem altes Liedgut in den Dialekt-Wortschatz mit aufgenommen, ebenso bei einem Abend mit dem Liederkranz.

Nach dem Tod von Fritz Roßmann im Sommer 2002 verlegten die Dialektfreunde ihre weiteren Zusammenkünfte nach Niedermurach in das Gasthaus Gillitzer. Dort informierten sich alsbald überörtliche Medien, wie zum Beispiel mehrmals OTV und der Bayerische Rundfunk sowie die Heimatzeitung "Der Neue Tag" und andere über die Arbeit der Gruppe.

Beim 75. Dialektabend erfolgte eine offizielle Namensgebung; die Arbeitsgruppe heißt seitdem "Oberviechtacher Dialektforum". Beim 90. Dialekttermin kam mit Dr. Wolfgang Janka ein Ortsnamenforscher von der Universität Regensburg. Einige Monate später stattete Anna Schmidt von der Journalistenschule München und im darauffolgenden Jahr Oberstudienrätin Anna-Veronika Zöllner vom Kepler-Gymnasium Weiden einen Besuch ab. Daneben kam aber auch das kulinarische Angebot nicht zu kurz, denn Sulz- und Heringsessen gehörten zum Programm.

Zu Gast im Landtag

Als einen Höhepunkt der dialektpflegerischen Bemühungen von Oberviechtacher Seite bezeichnete Dr. Schießl die Vorstellung der Neuauflage der Handreichung "Dialekte in Bayern" im Bayerischen Landtag, an der er und Siegfried Bräuer im Juni als Mitautoren anwesend waren. Fünf Tage später führte Schießls Weg auf Einladung der Verantwortlichen des Projekts "Mundart wertvoll" noch einmal nach München, und zwar in die Bayerische Staatskanzlei, wo er und seine Frau Maria Informationen für neue Mundartaktivitäten an den Schulen, an denen sie unterrichten, einholten.

In seiner Zusammenfassung brachte Dr. Ludwig Schießl seine Freude über den erreichten Ertrag von weit mehr als 4000 Wörtern bei den bisherigen Dialektabenden zum Ausdruck, die einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation des Dialekts und dessen Aufwertung leisten. Er bedankte sich bei allen Mitarbeitern und überreichte an Gastgeber Alois Gillitzer ein graviertes Glasgeschenk.
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