Die Praxis schon immer im Blick

Modernste Fachräume und zeitgemäßer Unterricht: Die Berufsfachschule in der Teunzer Straße 10 nimmt bereits Anmeldungen für das Schuljahr 2015/16 entgegen. Die Gründung vor 45 Jahren prägte die Entwicklung des beruflichen Schulwesens im Altlandkreis Oberviechtach. Bild: Portner
Lokales
Oberviechtach
20.02.2015
8
0

Die Feiertagsschule - untergebracht in Dorfschulen oder Gasthäusern - war der Vorläufer der Berufsschulen und Berufsfachschulen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass Oberviechtach bei der hauswirtschaftlichen Ausbildung in der Oberpfalz schon vor Jahrzehnten die Nase vorne hatte.

Seit 1970/71 gibt es die Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Kinderpflege in Oberviechtach. Die heutige Außenstelle geht aber zurück bis ins Jahr 1956, als die "Landwirtschaftliche Kreisberufsschule Oberviechtach" ein neues Gebäude erhielt. Hans Wurdack beschreibt im Buch "Landkreis Oberviechtach" (erschienen 1970) auch das damalige berufliche Schulwesen der Region. Vorgänger der heutigen Berufschule war die Feiertagsschule. Im Jahre 1803 wurden alle bayerischen Städte, Märkte und Pfarrdörfer verpflichtet, Feiertagsschulen einzurichten. Seit 1801 waren hier auch Frauen zugelassen.

Fünf Stunden pro Woche

Ein Erlass des Reichserziehungsministeriums rief 1941 die landwirtschaftliche Berufsschule in Deutschland ins Leben. Die Berufsschulpflicht dauerte zwei Jahre, die wöchentliche Unterrichtszeit betrug vier bis fünf Stunden. Die Schulen waren meist in Volksschulräumen, aber auch in Gasthäusern oder Kegelbahnen untergebracht. "Der Anteil von berufsfremden Schülern war groß, weil die gewerblichen Berufsschulen erst in den Anfängen steckten", schreibt Hans Wurdack. Den Unterricht übernahmen die Volksschullehrer. Unmittelbar nach Kriegsende kam im Mai 1945 das gesamte Schulwesen zum Erliegen. Erst im Februar 1946 begann der Unterricht an den Berufsschulen im Altlandkreis. Ab 1949 zog ein hauptamtlicher Berufsschullehrer - der spätere Berufsschuldirektor Andreas Wurdack - als Wanderlehrer von Ort zu Ort. 1953 schaffte das Bayerische Berufsschulgesetz die organisatorischen Voraussetzungen für die Zentralisierung und die Schaffung von ausgebauten Berufsschulen mit fachlicher Gliederung und mit aufsteigenden Klassen.

14 Schulorte fallen weg

Der Altlandkreis Oberviechtach war dabei der erste Landkreis in der Oberpfalz, der 1956 die Zeichen der Zeit erkannte und eine Landwirtschaftliche Kreisberufsschule schuf. "Der Kreistag kann sich das als Ehre anrechnen", bewertet Hans Wurdack die frühe Entscheidung, für die "einzig sinnvolle Schulform". Die Zahl der Schulorte verringerte sich daraufhin von 16 auf 2 (Oberviechtach und Schönsee). Beide Schulorte erhielten 1956 großzügig eingerichtete Berufsschulgebäude. Die Schule in Schönsee wurde 1965 aufgelöst.

"Von der Schulorganisation her bestand nun ein Idealzustand", schreibt Wurdack. Die Schüler wurden in Oberviechtach in den Abteilungen Landwirtschaft und ländliche Hauswirtschaft von hauptamtlichen Lehrkräften unterrichtet. Im Jahre 1978 wurde das Berufsbildungszentrum Neunburg vorm Wald gegründet, in dem die Kreisberufsschule Oberviechtach integriert wurde. 1993 musste die Selbstständigkeit des BBZ Neunburg/Oberviechtach aufgegeben werden, und es erfolgte die Eingliederung in das Berufliche Schulzentrum Oskar-von-Miller Schwandorf. Heute umfasst die Außenstelle Oberviechtach die Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung (vorher: Hauswirtschaft), für Kinderpflege und für Sozialpflege.

Für die gewerblichen, kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Berufe wurde 1949 die Verbandsberufsschule Nabburg/Oberviechtach gegründet. Hauptamtliche Lehrkräfte für den Fachunterricht lösten nach und nach die Volksschullehrer ab. In Oberviechtach wurden vor allem die Bau- und Holzberufe unterrichtet, die ab 1956 im neuen Berufsschulgebäude einen Platz fanden. Einen praktischen Unterricht gab es damals wegen des Fehlens von Lehrwerkstätten allerdings nicht. 1950 wurden 510 Schüler unterrichtet; 1969 waren es bereits 1075 Jugendliche.

1970 schreibt Hans Wurdack: "Heute ist die Schule in großzügig gebauten und modern eingerichteten eigenen Räumen untergebracht. Die Einrichtungen für den praktischen Unterricht können als vorbildlich bezeichnet werden." Im Schuljahr 1970/71 wurde die Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Kinderpflege in Oberviechtach errichtet. Ein Jahr später - nach der Gebietsreform - übernahm der Landkreis Schwandorf die Trägerschaft der Schule. Ein An- und Umbau der Gebäude in den weiteren Jahren ermöglichte dann 1977 die Errichtung einer Berufsaufbauschule (BAS), die bis 1996 bestand.

Informationstag im März

Heute präsentiert sich die Berufsfachschule an der Teunzer Straße als moderne Einrichtung mit vielfältigen beruflichen Möglichkeiten für junge Menschen. Der Landkreis Schwandorf hat viel Geld in Gebäude und Fachräume investiert. Ausgebildet wird in den Bereichen Ernährung und Versorgung (früher Hauswirtschaft), in Kinderpflege und in Sozialpflege. Unter dem Motto: "Soziale Berufe - eine Chance für dich" findet am Samstag, 7. März ein Informationstag statt (siehe Kasten).
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.